Bericht über meine Reise nach Addis Abeba (Dezember 2014)
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Osnabrück, im Dezember 2014

1 Euro = 25 äthiopische Birr

Liebe Sponsoren, Paten und Förderer unseres Äthiopienprojektes,

zunächst muss ich euch/Ihnen leider die traurige Nachricht überbringen, dass zwei treue Sponsoren (Werner Volkert, Thomas Hohenbrink), die ich seit vielen Jahren kenne und mit denen ich freundschaftlich verbunden war, in diesem Jahr verstorben sind. Sie hinterlassen eine schwer zu füllende Lücke.

In Bezug auf die Entwicklung und Zukunftsplanung des Vereins möchte ich euch/Sie auf das Protokoll unserer Jahresversammlung von Mai dieses Jahres verweisen, dass allen zugestellt wurde. In diesem Bericht hier soll es primär um die Entwicklung der von uns geförderten Kinder / Jugendlichen/ Familien in Äthiopien gehen.

Allgemeines: Die Lebensbedingungen haben sich eher verschlechtert und die Inflation steigt weiter. Aus diesen Gründen habe ich die Fördersummen in den meisten Fällen angepasst.

Unser langjähriger Mitarbeiter Duke (weitere Erläuterungen s. # 27) ist wieder zurück in Addis. Er und sein Bruder Yared führen nun gemeinsam das Tagesgeschäft unseres Vereins vor Ort. Ich habe festgestellt, dass sie sich sehr gut ergänzen.

Kleidung etc.: Ich habe dieses Mal ca. 30 kg Kleidung mitgenommen. Herzlichen Dank an alle (Maria, Lis, Amande…), die Kleidung zur Verfügung gestellt haben!

Unsere Sponsorin und Mitarbeiterin Linda van Alphen wird auch weiterhin Kleidung und andere Sachen von Lufthansamitarbeitern mit nach Addis nehmen lassen. Dort werden die Sachen dann im Lufthansa-Vertragshotel abgegeben und von Yared abgeholt. Dieses Vorgehen funktioniert gut.

Laptops und bessere Unterstützung für Studierende: Zurzeit fördern wir acht Studierende (College, Universität), die wir besser unterstützen müssen, damit sie konkurrenzfähig studieren können. Vier Studenten haben bereits ein gutes Laptop, mindestens vier weitere müssten organisiert werden. Dies ist sinnvoll für ein optimales Studium. Auch benötigen die Studierenden Geld für den Transport zur Universität (ca. 560 Birr monatlich = 22€). Manche Studierende müssen bis zu 20km in Addis zurücklegen, das kostet Zeit und Geld. Schließlich fallen regelmäßig hohe Kopierkosten an. Gute Lehrbücher gibt es nur im Ausland und die müssen dann kopiert werden ca. 300 Birr (300 Birr monatlich = 12€). Und schließlich benötigen diese Studenten (alle über 20 Jahre alt) auch ein wenig Taschengeld, um vielleicht einmal ins Kino zu gehen, mit Freunden ein Café zu besuchen, oder ein Buch (Roman) zu kaufen. Wir reden ja hier nicht von hohen Summen (500 Birr = 20€ = das sind ca. 65 Cent pro Tag).

Tutorien: Auf der Basis des entsprechenden Beschlusses auf unserer Jahresversammlung (Dezember 2012) sollen alle Kinder an den Schultutorien (Mischung aus Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfeunterricht) teilnehmen. Wo es von den Schulen angeboten wird (dies trifft leider nicht so häufig zu), habe ich diesen Punkt umgesetzt. Alle betroffenen SchülerInnen haben diese Nachricht mit Begeisterung aufgenommen, da in der Regel die Eltern Analphabeten sind und den Kindern bei Hausaufgaben und Klausurvorbereitungen überhaupt nicht helfen können. In anderen Fällen helfen private Tutoren. Da diese mit höheren Kosten verbunden sind, habe ich darauf geachtet, dass möglichst alle Kinder einer Familie davon profitieren. Nach meiner Erfahrung lässt sich feststellen, dass in den meisten Fällen die Leistungskurve ansteigt, es gibt jedoch auch Ausnahmen, die nun unter Beobachtung sind.

Begabte SchülerInnen: Wir hatten weiterhin auf unserer letzten Versammlung beschlossen, dass begabte Kinder – sollten sie und ihre Familie es wünschen – die Akaki-, Esperanzaschule (beide Internate), oder andere Privatschulen besuchen können. Diese genannten nicht-staatlichen Schulen gehören zu den besten Schulen im Land. Absolventen dieser Schule haben deutlich bessere Aussichten auf einen Studienplatz an einer Universität. Das letzte Mal habe ich die drei Kinder der Familie Dereje (# 47) sowie Bezawit Aregawi (# 18) an einer Privatschule angemeldet. Da das Niveau hier deutlich höher ist als an den öffentlichen Schulen, müssen sich die Kinder zunächst einmal an die höheren Leistungsanforderungen gewöhnen. Ich denke, dafür sollten wir ihnen zwei Jahre einräumen. Die Kinder der Familie Ayalew (#32) zeigen sehr gute Leistungen, sie sind aber noch sehr jung. Nächstes Jahr könnten wir die Kinder dann an einer Privatschule einschreiben, sollten sie auch weiterhin außergewöhnlich gute Leistungen vorweisen.

Bücher: In diesem Jahr haben wir den Familien/Kindern ca. 20 Amharisch/ English und Englisch/Englisch Wörterbücher ausgehändigt. Weitere Exemplare werden im neuen Jahr zur Verfügung gestellt. Weiterhin werden wir zeitnah Fachschulbücher, wissenschaftliche Taschenrechner, Zeichenmaterial u.ä. Schulartikel vor allem für die fortgeschrittenen SchülerInnen anschaffen. Ferner habe ich „gute Literatur“ auf Amharisch (für die Jüngeren) und Englisch beschafft, die unsere interessierten SchülerInnen bzw. Studierende im Umlaufverfahren ausleihen und lesen können. Das schult die Ausdrucksweise und verbessert die Englischkenntnisse.

An der Fasil-Schule bin ich wieder herzlich empfangen worden. Ich habe mir alle von uns im April 2010 beschafften Bücher, naturwissenschaftliche Lehrmittel und die Computer zeigen lassen (s. Photos und Video auf unserer Homepage). Es war alles am Platze und wir können den Lehrern dieser Schule vertrauen.

Wir stehen seit längerem mit der Fasil-Schule in Verhandlung in Bezug auf mehrere Wünsche, die ich bereits auf unserer letzten Vereinsversammlung mit euch/Ihnen diskutiert habe. Momentan werden Angebote für folgende infrastrukturelle Verbesserungen der Lehre eingeholt:

Priorität 1: 25 Stühle für den naturwissenschaftlichen Klassenraum ca. 450€
Priorität 2: Demonstrations- und Experimentiertisch für diesen Raum ca. 120€
Priorität 3: Wasseranschluss für den Demonstrations- und Experimentierraum ca. 105€
Priorität 4: 10 Matratzen für die Mittagsruhe der jüngsten SchülerInnen ca. 510€
Priorität 5: Lautsprecher mit Mikrophon ca. 400€
Priorität 6: Musikinstrumente: 1 Keyboard; traditionelle Instrumente 2 Krar (eine Art Guitarre), 2 Massko (einsaitige Violine), 10 Flöten ca. 425€
2.010€

Ich habe bei meinem jetzigen Besuch keine neuen Kinder/Jugendlichen aufgenommen, da ich zunächst die geförderten Kinder/Jugendlichen gut versorgt sehen möchte, bevor wir den Kreis der Geförderten erweitern. Ich hoffe, dass ist auch in eurem/Ihrem Sinne. In wenigen Monaten werden wir unser Budget wieder prüfen und dann sehen, ob es Spielraum für Neuaufnahmen gibt.

Nun aber zu den Kurzberichten über alle geförderten Kinder/Jugendlichen/Studenten /Familien.

Ich behalte in meinen Berichten die Nummerierung der Familien bei, da es wegen der Namensprobleme immer wieder zu Verwechslungen gekommen ist.

Mittlerweile sind zehn zuvor geförderte Personen in Lohn und Brot oder anderweitig versorgt und dies sind für uns sehr guteNachrichten:

16. Familie Manaye (2; Mutter und Sohn Israel)
Israel ist 22 und er hat vor kurzem sein Englischstudium an der Universität von Mekelle erfolgreich abgeschlossen. Nachdem er zunächst bei einer NGO praktiziert hat, ist er nun fest eingestellter Lehrer an der Abuna Gorgorium Schule. Seine Mutter litt neben einer Herzinsuffizienz offenbar auch an einer ernsthaften Magen-/Darmerkrankung. Sie ist mittlerweile operiert worden und ihr geht es wieder gut. Wir haben uns an den Kosten beteiligt; den Rest hat Israel von seinen ersten Bezügen bezahlt.
Israel studiert parallel zu seiner Lehrertätigkeit den Studiengang Master of Education an der Universität von Addis. Dieses Studium (2.5 Jahre) finanziert er von seinem Gehalt und qualifiziert ihn für Lehrertätigkeiten an höheren Schulen.

19. Mawcha Gebrekidan
Mawcha ist 21 Jahre alt und sie hat gerade ein 12-monatiges Catering Training absolviert. Wenn sie eine Stelle findet, möchte sie im Hotelgewerbe arbeiten. Sie will unbedingt arbeiten und ihr eigenes Geld verdienen. Ich hoffe, dass wir sie unterbringen können. Allerdings ist sie nun hochschwanger (ein „Unfall“, sagt sie), was die Dinge nicht leichter macht. Zumindest steht der Vater des Kindes zu ihr und trägt 300 Birr zur Haushaltskasse bei.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mawcha hat mittlerweile einen Sohn bekommen (Kalab, geb. 06.12.2011). Yasin und auch Bekelle versuchen eine Stelle für Mawcha in einem Hotel zu finden. Allerdings muss das Gehalt über 500 Birr liegen, denn ansonsten fressen alleine die Bustransportkosten das Gehalt vollständig auf. Aber im Hilton Hotel kann sie mit Trinkgeld möglicherweise auf 1000 Birr kommen.
Ihr Mann hat sein Studium (orthodoxe Theologie) beendet und er hospitiert momentan unentgeltlich in einer Kirche. In gut einem Jahr soll er dann als Priester in den Kirchendienst übernommen werden und spätestens dann endet unsere Förderung.
Besuch September/Oktober 2013:
Mawcha hat Yared bei einem nicht angekündigten Besuch seinerzeit mitgeteilt, dass ihr Ehemann vorübergehend eine Stelle als Lastkraftfahrer angenommen hat und monatlich verdient 2000 Birr. Ich halte die Ehrlichkeit von Mawcha in Ehren, aber momentan braucht diese Familie unsere Unterstützung nicht.

23. Woynhareg Debalk
ist 21 Jahre alt. Sie hat früher im Taitu-Hotel für 250 Birr monatlich gearbeitet. Sie hat nun einen Job in einem anderen Hotel gefunden und verdient nun 400 Birr. Hier hat ihr ein Englischsprachkurs nach Feierabend geholfen, den wir finanziert haben.
Woynhareg macht zurzeit eine Art Fernstudium nach ihrer Arbeit und möchte das Abitur nachholen.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Hareg arbeitet zurzeit im Churchill Hotel. Parallel hat sie in einem Fernstudium (Alfa Distance Education) grade 10 nachgeholt und vor allem ihre Englischkenntnisse verbessert, die für die Arbeit in internationalen Hotels wichtig sind. Ab Oktober 2012 qualifiziert sie sich parallel zu ihrer Arbeit gezielt weiter und sie besucht das Royal College mit dem Schwerpunkt accounting (Buchhaltung).
Besuch September/Oktober 2013:
Weynhareg arbeitet zurzeit im Monaco Hotel bei einem Gehalt von 400 Birr. Sie ist von ihrem alten Arbeitgeber (Churchill Hotel) gekündigt worden, da sie eine Woche krankheitsbedingt entschuldigt nicht arbeiten konnte. Was für ein rückständiges System – wer krank wird, fliegt raus. Parallel zu ihrer Arbeit besucht sie abends am Royal College das Fach Accounting (Buchhaltung).
Besuch Dezember 2014: Weynhareg hat wohl auch aufgrund ihrer guten Ausbildung einen gut ausgebildeten (Universitätsabschluss) äthiopischen jungen Mann geheiratet, der in einem großen Hotel arbeitet. Weynhareg hat im Sommer ein Baby bekommen, möchte aber ihre Ausbildung gerne beenden. Wenn es soweit ist, werden wir sehen, wie wir sie weiter unterstützen können. In jedem Fall prüfen wir auch, wieviel ihr Mann zur Ausbildung beitragen kann.

26. Dr. Yasin Mohammed Yasin
Yasin ist nach seiner Promotion in Politikwissenschaften an der Universität Hamburg
im Dezember 2010 wieder nach Addis zurückgekehrt. Zunächst hat er an einem College unterrichtet, seit Mitte 2011 arbeitet er für IGAD (Intergovernmental Authority on Development). Zu den Prioritäten der IGAD gehört eine verbesserte Kooperation humanitärer Angelegenheiten innerhalb der IGAD Mitgliedsstaaten Djibouti, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Somalia, Sudan und Uganda, um die regionalen Kapazitäten im Katastrophenrisikomanagement zu stärken. Yasin zahlt ab Januar 2012 in monatlichen Raten die Förderung durch unseren Verein zurück. Ferner wird er unserem Verein weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen. Vor allem hoffe ich, dass er uns durch seine Kontakte bei der Vermittlung von Schul- oder Universitätsabsolventen helfen kann. Eine Schwester von ihm ist promovierte Juristin, eine andere ist Ärztin und gerade aus den USA nach Addis heimgekehrt.
Die Schwestern werden uns in medizinischen und juristischen Fragen beraten

29. Familie Mehari (3, Eltern und Tochter Helena)
Im Jahr 2009 erlitt die Familie einen finanziellen Einbruch durch die ständigen Arztrechnungen für Tochter Helena. Ihr Mann Mehari ist ein tüchtiger Schreiner, fand aber nur unregelmäßig Arbeit. Wir haben mit dieser Familie einen neuen Weg beschritten. Wir haben dieser Familie ein Startkapital in Höhe der üblichen jährlichen Förderung für eine mehrköpfige Familie (12 X 650 Birr) zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld hat Mehari eine kleine Werkstatt gemietet und ein paar Werkzeuge sowie eine elektrische Säge gekauft. Und es hat geklappt! Mehari konnte 2010 und 2011 für die Familie sorgen; ich finde dies ist ein gutes Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe.

30. Helen Negusa
haben wir zwei Jahre unterstützt (Ausbildung Hotel und Cateringservice). Sie hat daraufhin eine Stelle in einem Hotel bekommen und dort einen amerikanischen Staatsbürger kennengelernt, den sie dann geheiratet hat. Helen lebt seit Ende 2010 in den USA, hat 2011 ein Kind bekommen und lässt unserem Verein per e-mail die besten Wünsche und ein herzliches Dankeschön für die Förderung zukommen.

43. Familie Alemu (2; Mutter Tapharow, Tochter Betty)
Wir haben die Mutter und ihre behinderte Tochter Betty nun fast ein Jahr unterstützt, aber wir können nichts Weitertführendes für das Kind tun, denn wir haben einfach nicht die entsprechenden Betreuungsmöglichkeiten. Ich habe mit Jutta de Muynck Kontakt aufgenommen. Momentan ist leider kein freier Platz vorhanden, aber ich bin hier zuversichtlich. Jutta hat das MCRC (Mother and Child Rehabilitation Centre www.mcrc-addisababa.org/) gegründet und leitet es mit großem Engagement. Jutta arbeitet mit Ärzten und Psychotherapeuten zusammen. Hier könnten Mutter und Kind medizinisch und psychologisch betreut werden.

45 Samuel Ergebelew Lantidru
Mesfen, der in der Nachbarschaft zu Samuel lebt und ihm ab und zu etwas Essen gibt, hat mir seinen Fall schon letztes Jahr geschildert. Samuel (geb. 23.06.1994) kam 2007 nach dem Tod seiner Eltern aus Debre Birhan nach Addis. Er hat dort keine Verwandten und ist völlig auf sich alleine gestellt. Er muss für etwas Essen und eine Schlafstätte den ganzen Tag arbeiten. Abends geht er dann, wenn er nicht zu schwach und hungrig ist, zur Schule. Er ist grade 10 und seine Leistungen befriedigend, was bei seiner Lebensweise auch nicht wirklich überrascht, denn er hat de facto keine Zeit zum Lernen. Samuel brennt darauf nach Erreichen von grade 11 eine praktische Ausbildung am Building Electric Installation College zu beginnen. Er macht auf mich einen sehr ehrgeizigen Eindruck und er wird diese Chance nutzen.
Besuch September/Oktober 2013:
Mittlerweile besucht er erfolgreich im zweiten Jahr das Building Electric Installation College. Samuel wird wohl Ende 2014 das College abschließen. Duke und Yared haben sämtliche Angaben von Samuel direkt am College überprüft. Samuels Zeugnis liegt Yared mittlerweile vor und wird mir in Kürze gesendet.
Besuch Dezember 2014: Samuel hat mit einem guten Ergebnis die Ausbildung (Building Electrical Installation) beendet. Auch in Äthiopien werden solche praktischen Fachkräfte gesucht und es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis er eine gute Stellung bekommt.

48 Abraham Zleke Abraham (geb. 1986) musste 2006 nach dem Tod seiner Eltern die Schule verlassen. Er leidet am Grünen Star und eine Erblindung droht, wenn nicht operiert wird. Er würde sehr gerne wieder zur Schule gehen, denn er schlägt sich seit sechs Jahren durch. Zunächst als Tagelöhner und sie die Augen schlechter wurden, lebt und schläft er in einer Kirche auf dem nackten Boden. Etwas Essen bekommt er von Kirchgängern. Wir haben ihm Kleidung, Decke und Matratze zur Verfügung gestellt und er soll nach einer Augenoperation den Schulbesuch wieder aufnehmen. Yasin bespricht mit seiner Schwester (die Ärztin in Addis ist), in welchem Krankenhaus diese Standardoperation am besten durchgeführt werden kann.
Besuch September/Oktober 2013:
Nach einem Besuch beim Augenarzt bekommt Abraham nun eine Brille. Damit ist er überhaupt in der Lage, einem Schulunterricht zu folgen. Zum nächstmöglichen Einstiegstermin wird Abraham die Schule besuchen.
Besuch Dezember 2014: Abraham hat sich in diesem Jahr anders entschieden und er hat eine praktische Ausbildung in einem Beauty Salon absolviert, die ihm offenbar großen Spaß gemacht hat. Er arbeitet mittlerweile hier und ist gut zufrieden.

Von uns bereits geförderte Kinder/Jugendliche/Familien
Hier werde ich nur Neuigkeiten berichten

1. Familie Girma (6; Eltern, Töchter Shewatsehay, Yeshimebet; Söhne Yordanos, Eyayu)
Der Vater ist seit seiner Geburt blind und hat ein wenig Geld durch Betteln verdient. Die Mutter Yayesh ist sehr stark und ist ständig unterwegs, um die Familie durchzubringen. Sie macht bei Nachbarn sauber und übernimmt Hilfsarbeiten aller Art. Bis vor einem Jahr trugen die zwei älteren Kinder durch den Verkauf von Lotterielosen zum Familieneinkommen bei. Jetzt können sich die Kinder auf die Schule konzentrieren. Natürlich muss jedes Kind nach Alter und Möglichkeit im Haushalt helfen.
Eyayu (9 Jahre alt) ist mittlerweise der viertbeste von 52 Schülern und Yordanos (7) hat ein A in allen Fächern, die Bestnote, während Shewatsehay (6) noch nicht über ein B hinauskommt. Yeshimebet (12) könnte mehr für die Schule arbeiten, sie ist auf Rang 17 von 52. Auf den Photos (s. Homepage) fehlt Shewatsehay, sie war während meines Besuches in der Schule.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mutter Yayesh war viele Wochen krank und Tochter Yeshemebet musste während dieser Zeit den Haushalt organisieren. Jetzt geht es der Mutter wieder besser und hat das Regiment in der Küche wieder übernommen. Trotzdem hat Yeshemebet sich gegenüber dem letzten Jahr verbessert und belegt Rang 11 von 53 SchülerInnen. Dennoch habe ich den Vater gebeten, die Kinder nicht für den Haushalt heranzuziehen und dieses Problem anders zu lösen. Er hat eingewilligt. Die Kinder sollen sich auf die Schule konzentrieren und alle werden das Schultutorium besuchen.
Yordanos und Shewatsehay werden ihr nächstes Zeugnis erst am Ende des Schuljahres im August bekommen. Eyayu schneidet wieder sehr gut ab (Rang 4 von 52), obwohl ihm einige Bücher fehlten, die eigentlich von der Schule hätten gestellt werden müssen.
Besuch September/Oktober 2013:
Die Mutter ist offenbar chronisch krank (Niereninfektion mit Schädigung der Leber) und Yeshemebet muss dann als älteste Tochter den Haushalt machen. Dies ist natürlich nicht in unserem Sinne, denn sie hat dann wenig Zeit für die Schule. Wir bekommen das Problem nur in den Griff, wenn die Mutter gesund ist. Die Mutter ist nun entsprechend behandelt worden und nach einiger Zeit wird sie noch einmal auf die Erreger getestet.
Eyayu hat ein Problem mit beiden Ohren. Yasin hat für beide einen geeigneten Arzt gefunden. Eyayu wird derzeit noch untersucht, aber möglicherweise kann nur eine kleine Operation helfen. Ich bleibe da am Ball.
Überraschenderweise wurde uns Nachwuchs (Meskerem, Mädchen, geboren Anfang 2013) präsentiert. So sehr ich mich über das Baby gefreut habe, musste ich doch bei nunmehr fünf Kindern bei den Eltern eine Familienplanung anmahnen. Das haben Sie auch eingesehen. Ansonsten geht es den Kindern gut und sie freuen sich, in die Schule gehen zu dürfen. Dies zeigen auch ihre Leistungen
Yordanos: 6 von 36
Eyayu: 2 von 53
Shewatsehay: Keine vergleichende Leistungsangabe
Yeshemebet: 31 von 54 (Begründung siehe oben)
Besuch Dezember 2014: Die Mutter ist immer noch krank (Nierenentzündung, Gastritis, Diabetes), da sie ihre Medikation nicht zu Ende geführt hat. Das ist ärgerlich und ich habe ihr die Zusammenhänge erklärt. Wütend gemacht hat mich ihre Erklärung, dass sie auch nicht die Behandlung ihres Sohnes Eyayu zu Ende gebracht hat. Er sollte eigentlich operiert werden, da er – so verstehe ich es – an einer chronischen Mittelohrentzündung leidet. Der permanente Schmerz ist dem Jungen ins Gesicht geschrieben. Wenn die Mutter sich schon nicht um ihre eigene Gesundheit kümmert, habe ich sie nun strikt angewiesen, umgehend mit Eyayu einen HNO Arzt aufzusuchen und zügig eine Behandlung einzuleiten. Es ist fast nicht zu glauben, dass Eyayu trotz der ständigen Schmerzen der drittbeste Schüler von 49 ist!
Yeshemebet zeigt eine gute Leistung (11/49), während Shewatsehay deutlich abfällt (39/41). Hier habe ich es nicht an deutlichen Worten fehlen lassen. Bruder Yordanos konnte wiederum ein gutes Zeugnis vorlegen (7/39). Yordanos benötigt Kleidung für den Sportunterricht und die Kinder brauchen noch ein Bettlaken sowie eine Wolldecke. Yared wird sich der Sache annehmen.

2. Familie Manaye (2; Mutter Asres und Sohn Yoseph)
Der Vater ist vor sechs Jahren verstorben. Er hat viele Jahre als Kellner in einem Hotel gearbeitet und sich bescheidene Rentenansprüche erworben. Die will das Hotel jetzt aber nicht an die hinterbliebene Familie auszahlen. Als „Ausgleich“ hat man der Mutter nun einen Job als Reinigungskraft im Hotel angeboten; sie hat angenommen, um mit diesen 150 Birr monatlich (= ca. 13 €) zum Überleben beizutragen. Asres hat nie eine Schule besuchen können und wünscht sich dies sehnlich für ihren Sohn. Der Junge Yoseph hat bis zur Aufnahme in unsere Förderung Lotterielose verkauft und konnte nicht regelmäßig zur Schule gehen.
Seit einem Jahr geht Yoseph nun regelmäßig zur Schule. Im ersten Schulhalbjahr 2011 war er auf Rang 32 von 51 Schülern, im zweiten Halbjahr bereits auf Rang 20; eine deutliche Steigerung.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Bei unserem diesjährigen Besuchprogramm habe ich einfach vergessen, diese Familie zu besuchen. Dies mag daran gelegen haben, dass die Familie weit weg von allen anderen lebt. Ich werde entsprechende Informationen nachreichen. Nach Aussage von Mesfen, der im monatlichen Kontakt mit allen Familien steht, ist aber soweit alles in Ordnung.
Besuch Dezember 2014: Leider haben wir hier einen schwierigen Fall. Yoseph ist nicht versetzt worden und auch sein vorletztes Zeugnis war nicht toll. Es erscheint mir nicht mehr sinnvoll, den Jungen auf eine Schule zu schicken. Wenn wir ihm eine letzte Chance geben möchten, dann empfehle ich eine maximal einjährige praktische Ausbildung. Dies liegt dem Jungen wohl eher und wir werden ihn zunächst nach seinen handwerklichen Interessen und Fähigkeiten fragen.

3. Familie Kassahun (3; Mutter Emebet, Sohn Getachew, Tochter Tigist)
Die Familie hat bis vor sieben Jahren in der Provinz Shoa im Dorf Dera als Bauern gearbeitet, als der Vater 2003 starb. Zuvor hat die Familie ihre Lebensgrundlage (zwei Kühe) zur Begleichung von Arztrechnungen verkauft und sie hat ihr Glück in Addis gesucht. Hier hat die Mutter Emebet (geb. 1987) die Familie durch Gelegenheitsarbeiten über Wasser gehalten. Beide Kinder Getachew (m, grade 5, geb. 17.09.2000) und seine Schwester Tigist (w, geb. 05.02.2002, grade 3) trugen aber auch durch den Verkauf von Lotterielosen zum Familieneinkommen bei. Auch in dieser Familie reichte es mit 230 Birr monatlich so gerade zum Durchkommen und an regelmäßigen Schulbesuch war nicht zu denken. Nun sind sie seit zwei Jahren in der Förderung und arbeiten sich in der Schule so langsam nach vorne. Getachew möchte gerne Pilot werden, Tigist liebt Zahlen und möchte gerne Mathematiklehrerin werden
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Die Familie ist gesund. Obwohl wir die Familie unterstützen, die Kinder nicht mehr arbeiten müssen und sich somit voll auf die Schule konzentrieren können, sind die schulischen Leistungen schwächer geworden. Ich habe mit sehr klaren Worten erläutert, dass wir dieses so nicht akzeptieren. Wir erwarten zum nächsten Halbjahreszeugnis im Sommer eine klare Trendwende. Es kann nicht sein, dass wir Kindern den Rücken frei halten und diese dann faul werden. Um eventuell andere Gründe für den Leistungsabfall zu erfahren, wird Mesfen sich auch mit den Lehrern von Kassahun und Tigist treffen.
Besuch September/Oktober 2013:
Tigist und Damtew geht es gut. Beide Kinder haben sich erfreulicherweise in der Schule verbessert, obwohl es durchaus noch Luft nach oben gibt. Hier haben meine mahnenden Worte offenbar gefruchtet. Die Kinder haben ein Wörterbuch erhalten sowie eine warme Decke.
Besuch Dezember 2014: Die Familie ist wohlauf, aber mit den schulischen Leistungen können wir nicht zufrieden sein. Obwohl beide nicht mehr neben der Schule arbeiten müssen, sind die Leistungen durchschnittlich (Getachew, 19/40) bis bis nicht zufriedenstellend (Tigist, 28/40). Ich habe hier klare Worte gefunden, um diese beiden Jugendlichen auf den richtigen Weg zu bringen. Wir werden im nächsten Jahr sehen�

4. Familie Worku (3; Mutter Abebech, Tochter Hermela und Sohn Leuel)
Hermela (01.05.2003) ist mittlerweile 8 Jahre alt, geht in die dritte Klasse und einer unserer ersten Schützlinge. Nach anfänglichen gesundheitlichen Problemen (Leber, Verdauung) hat sie sich prächtig entwickelt (s. Photos), das Zeugnis kann sie sicher noch verbessern und ich habe die Mutter ernsthaft darauf hingewiesen. Abebech trägt mit einem monatlichen Einkommen von knapp 400 Birr zum Haushalt bei. Dies wird ausdrücklich von uns begrüßt.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Senait, die Schwester von Abebech hat sich im März 2012 das Leben genommen, als sie erfuhr, dass sie HIV positiv ist. Ihr Mann war auch positiv und ist bereits vor drei Jahren gestorben. Sie hinterlässt einen kleinen Jungen (Leuel, geb. 2009), den Abebech nun als ihren Sohn aufzieht. Wir werden zunächst klären, ob Leuel HIV infiziert ist.
Besuch September/Oktober 2013:
Leuel ist erfreulicherweise HIV negativ. Hermela geht es soweit gut, hadert aber mit der Schule (10 von 18), insbesondere mit dem Fach Englisch. Ich habe ihr klar gemacht, dass sie Englisch lernen muss, wenn sie mit mir sprechen möchte. Das hat ihr eingeleuchtet. Für den Englischunterricht werden wir ihr ein Wörterbuch kaufen und sie hat versprochen, mehr zu lernen. Hier ist natürlich auch Mutter Abebech gefragt. In jedem Fall besucht Hermela ab Oktober ein Schultutorium.
Ich erfahre soeben von Yared, dass Hermela wieder Probleme mit der Verdauung hat. Sie wird mit ihrer Mutter zum Arzt gehen.
Besuch Dezember 2014: Hermela kann auf dem rechten Auge nicht gut sehen und sie wird mit ihrer Mutter die Merzo Augenklinik besuchen. Sie fehlte deswegen an 18 Tage im ersten Halbjahr (57.5% Leistungspunkte) in der Schule und möglicherweise ist deswegen auch das Zeugnis nicht ganz so gut ausgefallen (13/24). Im zweiten Schulhalbjahr (73.4% Leistungspunkte) zeigt die Leistungskurve erfreulicherweise wieder deutlich nach oben! Leuel leidet derzeit an einer Mandelentzündung, nichts Schlimmes.

5. Familie Mengiste (4; Mutter Belaynesh, Tochter Kalkidan, Schwester Yalemwork und Nichte Haregeweyn)
Belaynesh arbeitet als Putzfrau im Taituhotel für 150 Birr monatlich. Ihre Schwester Yalemwork (geb. 1995) kam vor 3 Jahren aus der Provinz zu ihrer Schwester in die Stadt und war zunächst völlig verschüchtert. Sie hat sich toll entwickelt und geht in die siebte Klasse, wo sie zunächst einen guten Platz im Mittelfeld einnahm. Mittlerweile ist sie auf Rang 22 von 64. Kalkidan (09.06.2006), die Tochter von Belaynesh ist sehr aufgeweckt und sie geht in den Kindergarten (grade 2). Mittlerweile hat die Familie ein weiteres Mitglied. Haregeweyn ist die Tochter des Bruders von Belaynesh; die Familie lebte in Gojjam nahe Bahar Dar, ca. 500 km nordwestlich von Addis Abeba. Beide Elternteile verstarben letztes Jahr und das einzige Kind kam so im September 2011 zu ihrer Tante Belaynesh. Sie ist 2001 geboren und ging bis zum Tod ihrer Eltern in die erste Klasse. Sie ist etwas unterernährt, erholt sich aber langsam. Ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen und Mesfen gebeten, ihre gesundheitliche Verfassung regelmäßig zu prüfen. Wir übernehmen Haregeweyn mit sofortiger Wirkung in die Förderung und sie geht auch wieder zur Schule.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Bei meinem Besuch am 30.12.12 konnte ich mich persönlich vom guten Zustand von Haregweyn überzeugen. Sie hat sich gut entwickelt und ist sehr offen (siehe Video: Mengiste Familie_05_Haregweyn und Kalkidan singen das ABC Lied). Die beiden anderen Kinder Kalkidan und Yalemwork entwickeln sich auch sehr gut.
Besuch September/Oktober 2013: Allen scheint es sehr gut zu gehen (s. auch Photos und Video). Während Kalkidans Zeugnis sicher verbesserungswürdig erscheint, ist das Zeugnis von Yalemwork (Rang 22 von 64) und Haregweyn sehr erfreulich (Rang 3 von insgesamt 52 SchülerInnen). Leider habe ich Yalemwork (versetzt in die 8. Klasse) nicht angetroffen. Nach intensivem Nachfragen (bestätigt durch die Nachbarin (Lakech Amenu, # 6) kam heraus, dass Yalemwork sich der Kontrolle ihrer älteren Schwester Belaynesh entzogen hat und nicht mehr zur Schule gehen wollte. Schließlich ist sie abends nicht mehr nach Hause gekommen und ist am Ende blindlings einem Mann auf`s Land gefolgt. Das ist für uns ein Rückschlag, aber Jugendliche in diesem kritischen Alter sind manchmal unberechenbar.
Besuch Dezember 2014: Der Familie geht es gut. Sehr zu meiner Überraschung hat Mutter Belaynesh ein Baby bekommen. Der Junge (Benyam) ist nun vier Monate alt. Wie wir das schon kennen, ist der Vater verschwunden, als sich die Schwangerschaft abzeichnete. Ich habe Belaynesh freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass weitere Kinder mehr Verantwortung bedeuten, die sie eigentlich gar nicht übernehmen kann. Sie hat die Botschaft verstanden. Kalkidan kann sich sicher noch in der Schule verbessern, während Haregeweyn das Schuljahr sehr gut (5/49) abgeschlossen hat.

6. Familie Amenu (3; Großmutter Lakech, Enkel Tsewon und Mariamawit)
Die Großmutter (geb. 1933) hat die beiden Enkel bei sich aufgenommen, nachdem sowohl die Mutter als auch der Vater Wondwossen verschwunden sind. Es ist rührend und bewundernswert, wie die alte Frau Lakech für ihre Enkelkinder sorgt. Dank unserer Unterstützung geht Tsewon (17, w) in Klasse 6, Mariamawit (7, w) in die 3. Klasse.
Mariamawit ist die viertbeste Schülerin von insgesamt 53; eine tolle Leistung. Stolz hat mit Mariamawit ihre Schülerlotsenmütze gezeigt (s. Photos Homepage).
Mit Tsewon hat die Großmutter Lakech leider Probleme. Sie hat mehrfach die Schule geschwänzt. Ich habe ein sehr ernstes Wort mit ihr gesprochen und ihr die Konsequenzen erläutert, sollte sie ab jetzt nicht regelmäßig zur Schule gehen. Sie hat es mir dann schließlich unter Tränen versprochen. Wir werden das kontrollieren und an der Schule nachfragen.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mariamawit hat ein gutes Zeugnis bekommen (Rang 17 von 50) obwohl sie gegenüber dem letzten Jahr etwas abgefallen ist. Sie und Ihre Großmutter sind wohlauf. Leider hat sich unser Vertrauen in Tsewon nicht ausgezahlt. Obwohl sie uns hoch und heilig versprochen hat, regelmäßig zur Schule zu gehen, ist sie den Verlockungen des (aus ihrer Sicht) unbeschwerten Lebens auf der Straße ohne jegliche Verpflichtungen erlegen. Es ist traurig und für uns ein Rückschlag. Sie kommt nicht mehr nach Hause. Mariamavit wird ab jetzt das Schultutorium besuchen. Großmutter Lakech kann kaum noch sehen und wir möchten ihr eine neue Brille kaufen.
Besuch September/Oktober 2013:
Hier konnte ich feststellen, dass es Undichtigkeiten am Dach gibt und das Hab und Gut nass wird. Unter diesen Umständen kann Tochter Mariamawit natürlich nicht gut für die Schule arbeiten. Großmutter Lakech hat bereits Preise für die Reparatur eingeholt, die sich um die 500 Birr bewegen wird. Jetzt muss sie auf die Reparaturgenehmigung des Eigentümers warten. Mariamawit konnte durchaus mit guten schulischen Leistungen überzeugen (Rang 11 von 54)
Besuch Dezember 2014: Der Großmutter Lakech geht es trotz ihres hohen Alters gut, sie braucht lediglich eine neue Lesebrille. Die Leistung von Enkelin Mariamawit ist durchschnittlich und hier gibt es sicher noch Luft nach oben. Dies habe ich auch angemahnt. Mariamawit möchte später Ingenieur werden.

7. Familie Negussu (5; Eltern und drei Töchter Emebet, Hanna, Samrawit)
Der Vater ist blind, die Mutter leidet nach Konsultation eines Augenarztes auch an einem nicht heilbaren Augenleiden. Emebet (geb. Mai 2001) ist grade 4 und in der Schule etwas abgesackt. Emebet möchte gerne Lehrerin werden. Ich habe ihr erklärt, dass sie gute Noten braucht, um diesen Beruf zu erlernen. Die Mutter fertigt Einkaufstaschen an und erwirbt so ein bescheidenes Einkommen (monatlich ca. 160 Birr). Hanna (geb. 25.06.2008) schielt wie die Mutter. Nach Konsultation eines Augenarztes sollte in absehbarer Zeit ein Eingriff vorgenommen werden. Mesfen hat die Angelegenheit im Blick. Mittlerweile hat Frau Negussu ihr drittes Kind bekommen; Tochter Samrawit ist jetzt 10 Monate alt und ihre Augen sind in Ordnung. Wir haben mit Familie Negussu (und auch mit anderen kinderreichen Familien) über Familienplanung gesprochen. Uns ist bewusst, dass dies ein heikles Thema ist, aber alle Familien (mit mehreren Kindern) haben von sich aus gesagt, dass sie nun keine weiteren Kinder wünschen und entsprechend vorsorgen. Aktive Familienplanung wird von der Regierung unterstützt.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Der Familie geht es insgesamt gut. Auf Anfrage erzählte mir Emebet, dass sie und ihre Schwester nachts sehr frieren. Wir haben nun eine Wolldecke gekauft. Emebet hat eine Entzündung am Kopf und unter einem Fingernagel. Sie wird einen Arzt aufsuchen.
Besuch September/Oktober 2013:
Emebet hat eine Hautinfektion (Kopfhaut, Nase, Fingernägel). Yassin hat nach Rück-sprache mit seiner Schwester (die Ärztin ist) einen Arzt empfohlen, den sie bald aufsuchen wird. Die kleinere Schwester Hanna schielt stark und sie hat jetzt nach dem besuch eines Augenarztes eine Brille bekommen. Samrawit und Hanna haben sich sehr über ein Schmusetier gefreut.
Besuch Dezember 2014: Die Familie ist wohlauf, lediglich die Pilzinfektion von Emebet ist noch nicht abgeklungen und sie sollte noch einmal einen Hautarzt aufsuchen. Die Augenprobleme von Hanna sind auch noch nicht gelöst. Auch hier bleiben wir am Ball. Die Eltern bemühen sich redlich, etwas zum Einkommen beizutragen: die Mutter verkauft Kerzen und der Vater Lotterielose. Hannas Zeugnis aus der Vorschule ist sehr gut: 9 x A und 1 x B!. Emebets Zeugnis könnte besser sein, aber sie steckt nun in der Pubertät und wir alle kennen dieses schwierige Alter.

8. Familie Emebet Woldemicheal (2; Mutter und Tochter Kalkidan)
Beide leben in Nazreth, ca. 120 km von Addis entfernt. Die Mutter ist HIV positiv aber gesundheitlich stabil. Die Mutter möchte nicht nur von unserem Geld abhängig sein und möchte einen Kredit bei uns aufnehmen, um einen kleinen Marktstand zu eröffnen. Sie hilft bislang bei ihrer Nachbarin aus und hat alles über den Handel mit Hühnern gelernt. Ich stehe diesem Vorhaben positiv gegenüber, geben wir doch diesen Menschen die Chance, auf eigenen Beinen zu stehen und auch selber für ihre Kinder zu sorgen. Ferner sollten wir berücksichtigen, dass HIV positive Menschen in Äthiopien von der Gesellschaft isoliert werden und selten Beschäftigung erhalten. Da bleibt nur der Weg in die Selbständigkeit.
Kalkidan (11 Jahre alt) ist in ihrer Klasse (5) von Rang 20 von 56 SchülerInnen auf Rang 4 vorgerückt; eine tolle Leistung. Kalkidan möchte gerne Ärztin werden. Dieses Mal haben wir Kalkidan und ihre Mutter in Nazreth besucht. Sie haben sich beide unglaublich gefreut und uns mit einem traditionellen Essen (Injera mit scharfer Chilisauce) bewirtet.
Als ich mich verabschiedete, hat Kalkidan geweint. Das hat mich sehr gerührt. Am Abend hat sie mich noch einmal angerufen und gefragt, ob wir sicher in Addis angekommen sind. In der Tat ist die Frage nicht abwegig, gilt doch die Fernstrasse von Djibouti nach Addis als Todesstrecke. Ich habe dort schon mehrere furchtbare Verkehrsunfälle gesehen.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mutter und Tochter geht es sehr gut. Das Hühnergeschäft (Ankauf von Küken, Aufzucht, Verkauf der Hühner und Eier) floriert (s. Videos auf unserer homepage). Emebet versorgt mittlerweile 17 Hühner! Aus dem erzielten Profit hat sie bereits ein Schaf gekauft und weitere 20 Hühner sollen jetzt angeschafft werden. Das Konzept scheint aufzugehen und Ende 2013 beginnt Emebet mit der Rückzahlung ihres Minikredits. Allerdings engagiert sich Tochter Kalkidan wohl auch so sehr im Hühner-Business, so dass sie die Schule etwas aus den Augen verloren hat. Sie hat mir aber versprochen, nächstes Mal mindestens Rang 7 zu erreichen. Kalkidan wird auch das Schultutorium besuchen. Sie benötigt auch ein paar Schulbücher, eine Wolldecke und eine Matratze.
Besuch September/Oktober 2013:
Aus Zeitgründen konnte ich die Familie in Nazreth dieses Mal nicht besuchen. Kalkidan hat ihr Versprechen eingehalten, sich in der Schule zu verbessern und sie ist immerhin schon auf Rang 12 (von 42) vorgerückt. Mutter Emebet zeigt sich als erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie verfügt momentan über 25 Hühner und 2 Schafe. Kalkidan hat nun die Schulbücher, eine Decke und Matratze bekommen. Außerdem besucht sie ein Tutorium.
Besuch Dezember 2014: Emebets Hühner-Geschäft hat einen Rückschlag erlitten. Sie hatte bereits 55 Hühner, als durch ein Nachbarhuhn die Hühnerpocken in ihrem Stall 35 Hühner dahin gerafft haben. Sie wird weiter mit ihren 20 Hühnern arbeiten und so einen Teil des Lebensunterhalts bestreiten. Zwischenzeitlich hatte Emebet 3 Schafe, die sie aber verkauft hat und einen kleinen gebrauchten Fernseher angeschafft hat. Dies erschien der Mutter wichtig, da Kalkidan zuvor am frühen Abend zu Nachbarn ging, um dort Fernsehen zu schauen. Ich finde die Idee gut, eröffnen sich doch nun Möglichkeiten, BBC zu schauen und dabei Englisch zu lernen. Kalkidan (9/41) hat sich gegenüber dem letzten Schuljahr verbessert, obwohl sie wegen einer (echten) Grippe einige Tage in der Schule versäumt hat. Sie benötigt ein Mathematikbuch.

9. Family Abebe (2, Mutter Enguday und Tochter Birhane)
Die Mutter ist blind, aber durch unsere Unterstützung nicht mehr auf Betteln angewiesen. Birhane (geb. 12.06.1998) ist 13 Jahre alt und ziemlich clever; sie gehört immer noch zu den allerbesten von 63 SchülerInnen in ihrer Klasse (grade 5). Sie hat sich sehr über die von ihrer Sponsorin gesendeten Buntstifte gefreut.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mutter und Tochter geht es gut. Ich habe Birhane ein Buch von ihrer Sponsorin mitgebracht, über das sie sich sehr gefreut hat (s. Photos auf unserer homepage). Birhane gehört immer noch zu den besten Schülerinnen ihrer Klasse und sie wäre auch eine Kandidatin für Akaki. Durch das Schultutorium wird Birhane ihre schulischen Leistungen wohl weiter verbessern. Allerdings ist ihre Mutter blind und möglicherweise von Birhane abhängig. Trotzdem wollen wir diese wichtige Angelegenheit mit Birhane und der Mutter in Ruhe und ohne Druck besprechen.
Besuch September/Oktober 2013:
Birhane hat ein Problem mit ihrer Haut und sich eine Verletzung im Gesicht zugezogen. Aus diesem Grund konnte sie eine zeitlang nicht zur Schule gehen und das Zeugnis ist dementsprechend etwas schwächer als letztes Mal. Nach entsprechender medizinischer Behandlung sollte es mit Birhane wieder aufwärts gehen. Ein Gespräch mit der Lehrerein bestätigte diesen positiven Trend.
Besuch im Dezember 2014: Leider hat sich Birhane unserem Einfluss seit Monaten entzogen. Aus uns unerfindlichen Gründen will sie nicht mehr zur Schule gehen und verkauft stattdessen Kaugummis auf den großen Straßenkreuzungen von Addis. Vor meiner Ankunft hat Duke mit ihr gesprochen und sie hat bestätigt, dass sie nicht mehr zur Schule gehen will. Wir wissen nicht, wer hier seinen negativen Einfluss geltend gemacht hat, ihre blinde Mutter war es bestimmt nicht. Während meines Aufenthaltes in Addis haben wir sie schließlich noch einmal wissen lassen, dass sie auch eine praktische Ausbildung absolvieren kann, aber sie hat sich nicht wieder bei uns gemeldet. Dies ist enttäuschend.

10. Bizunesh Fentahun
Bizunesh ist 22 Jahre alt, hat bis vor drei Jahren noch auf dem Lande gelebt (bis ihre Eltern verstorben sind) und sie hat die 10. Klasse erfolgreich absolviert. Sie leidet an Epilepsie und verletzt sich bei den Anfällen regelmäßig. Sie liest gerne in der Bibel. Derzeit besucht sie eine Näh-Fachschule. Bizunesh ist mit Duke verheiratet.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Ihre Epilepsie ähnlichen Anfälle haben nach Konsultation eines Spezialisten in Addis deutlich abgenommen. Unglücklicherweise ist ihre Behausung undicht, so dass es zur Regenzeit immer wieder zu Wassereinbrüchen in ihre kleine Hütte kommt. Sie ist weiterhin in einer praktischen Ausbildung zur Näherin am Sebat Sewing und Embroidery Training Institute.
Besuch September/Oktober 2013:
Bizunesh besucht immer noch erfolgreich eine Nähschule (Sebat Sewing und Embroidery Training Institute). Die Ausbildung wird sie Ende 2014 beenden.
Besuch Dezember 2014: Bizunesh geht es soweit gut, wenn man einmal von den immer wieder auftretenden Epilepsieanfällen absieht. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge wird sie ihre Ausbildung Ende April 2015 abschließen und hoffentlich einen guten Job finden.

11. Gezachew Degefu
Gezachew (geb. 08.10.1992) wird 20 Jahre alt. Er gehörte zu den besten Absolventen des landesweiten Abiturs, das er am Internat (Adventist-Akaki-Schule) absolviert hat. Somit kann er eine staatliche Universität besuchen. Er wurde dem Fachbereich Ingenieurwissenschaften der Universität von Mekelle (800 km nördlich von Addis) zugewiesen und hat sein Studium im Wintersemester 2011/2012 aufgenommen. Die Berufsaussichten sind gut, da Ingenieure in Äthiopien dringend gebraucht werden. Wir hatten es nicht immer einfach mit Gezachew. (Ich habe ihn vor sechs Jahren von der „Strasse“ geholt). Es ist das Verdienst vom Mesfen, der ihm durch sein konsequentes Verhalten aber auch durch viel Verständnis soziale Kompetenzen vermittelt hat. Gezachew spielt gerne Volleyball und er liebt romantische Romane.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Gezachew studiert in Mekelle, ca 800 km nördlich von Addis. Ich habe mehrfach von Addis aus mit ihm telefoniert. Er spricht mittlerweile gutes Englisch und er geht in seinem Studium auf. Wenn ich mich noch daran erinnere, wie ich ihn zum ersten Mal gesehen habe (er schlief als Straßenkind in einer Holzkiste) hat er demgegenüber eine enorme persönliche Entwicklung erfahren. Ich bin mir sicher, dass Gezachew seinen Weg machen wird.
Besuch September/Oktober 2013:
Leider konnte ich auch dieses Mal Gezachew nicht in Mekelle besuchen, das über 1000 km nördlich von Addis liegt. In den Semesterferien kommt er nach Addis und er besucht dann auch seine Familie auf dem Lande. In Addis wird er dann von Yared mit neuer Kleidung versorgt. Gezachew kommt gut mit seinem Ingenieursstudium zurecht. Er fragt jetzt vorsichtig nach einem Laptop, was ein Student der Ingenieurwissenschaften sicherlich benötigt.
Besuch Dezember 2014: Ich habe ausführlich mit Gezachew telefoniert, da Mekelle mit ca. 1000km zu weit von Addis entfernt liegt und somit ein Besuch mit dem Auto nicht in Frage kam. Gezachews Zeugnis ist mit 3.58 von 4 Punkten sehr gut ausgefallen. Hier zeigt sich, dass er mit Hilfe des neuen Laptops, dass er von uns im Frühjahr erhalten hat, seine Leistung steigern konnte. Eine gelungene Investition.

12. Genet Asnake (CPU College)
Genet (geb. 17.09.1992) absolvierte wie Gezachew das nationale Abschlussexamen, allerdings an der Esperanza Schule in Akaki. Nach erster Berechnung gehörte sie auch zu den besten Absolventen landesweit und sie hätte eine staatliche Universität besuchen können. Dann hat das Ministerium aber die Messlatte nachträglich höher gelegt und Genet ist dann knapp gescheitert. Sie hat sich dann für ein „Accounting“ Studium am CPU College in Addis entschieden. Dieser Studiengang ist betriebswirtschaftlich ausgelegt und hat einen Schwerpunkt im Bereich Rechnungs-wesen und Buchhaltung. Wie ich mich persönlich vor Ort überzeugen konnte, lebt Genet zurzeit im Hause eines Freundes ihres Vaters in Addis. Unglücklicherweise hat der aber gerade seine Arbeit verloren. Genet lebt zusammen mit den fünf Kindern der befreundeten Familie in einem Zimmer; das andere Zimmer wird von den Eltern der fünf Kinder bewohnt. Genet klagt, dass sie wegen der Unruhe und des Lärms (5 andere Kinder belegen mit ihr das Zimmer) nicht richtig lernen kann. Die Eltern der befreundeten Familie haben mir auch zu verstehen gegeben, dass sie wegen der Arbeitslosigkeit des Mannes Genet nicht viel länger Wohnraum anbieten können. Wir haben Genet geraten, zusammen mit einer Studienfreundin ein Zimmer zu teilen. Sie freut sich sehr über diese Aussicht, ein neues, ruhiges Zimmer beziehen zu können.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Genet teilt sich ein kleines erschwingliches Zimmer am Stadtrand von Addis mit einer Kommilitonin, die auch am CPU College studiert. Ich habe sie dort besucht (s. Video auf unserer homepage). Genet beklagte auf Anfrage – wie fast alle anderen Familien auch – die große Kälte in der Nacht, die einen erholsamen Schlaf unmöglich macht. Da Genet bislang auch keine warme Unterlage besaß, haben wir eine Wolldecke und Matratze gekauft. Pro Monat fallen alleine 300 Birr für den Bustransport vom und zum College an. Da Genet nur einen Satz Kleidung besitzt, haben wir einen angemessenen Betrag für Kleidung zur Verfügung gestellt und zwei Fachbücher angeschafft. Genet hat eine stark geschwollene Schilddrüse, die sie nun zeitnah bei einem guten Arzt (Kontakt über Yasins Schwester) untersuchen lässt.
Besuch September/Oktober 2013:
Genet geht es soweit gut. Leider hat Genet bis dato keine Matratze und Decke von Mesfen erhalten. Wir haben dies sofort nachgeholt. Zur Verbesserung ihrer Englischkenntnisse möchte sie in den nächsten großen Ferien eine English-summer-school besuchen. Dem habe ich gerne zugestimmt, denn englische Sprach-kenntnisse sind bei der späteren Suche nach einem guten Job einfach wichtig. Genet kommt in ihrem accounting Studiengang vorschriftsmäßig voran.
Besuch Dezember 2014: Genet hat in diesem Jahr ihr „Accounting“ Studium am CPU College abgeschlossen und sucht nun nach einem Job. Es hätte fast geklappt, aber dann hat man einen Universitätsabsolventen genommen. Wir werden Genet zunächst drei weitere Monate (bis März 2015) unterstützen. In dieser Zeit wird sie sich intensiv um eine Stellung bemühen, aber ohne Beziehungen ist dies in Addis schwierig. Ich arbeite ja daran, ein Netzwerk mit Geschäftsleuten in Addis aufzubauen, aber das dauert. Plan B sieht vor, das Fach „Accounting“ auf einem höheren Niveau (Bachelor) zu studieren. Wir können Genet auch auf diesem Weg weiter begleiten, aber sie sollte dann während des Studiums einen kleinen Job und somit Verantwortung übernehmen und auf diese Weise zu ihren Lebenskosten beitragen.

13. Kidist Desalegne
Kidist (geb. 12.06.1993) geht in die 11. Klasse der Adventist-Akaki-Schule (Internat). Kidist möchte später gerne Krankenschwester werden. Sie steht momentan vor wichtigen Klausuren. Sie möchte in den Sommerferien freiwillig einen Englisch-Sprachkurs besuchen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Ein solches freiwilliges Engagement sollten wir fördern.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Kidist ist zwar immer noch sehr schüchtern, hat sich aber sehr gut entwickelt. Auf ihrem Zeugnis zu grade 11 hat sie einen Notenschnitt von 3.6 (4.0 ist die Bestnote). Im nächsten Schuljahr wird sich entscheiden, ob sie auf die Universität gehen kann. Ich bin hier sehr zuversichtlich. Um dieses Ziel auch sicher zu erreichen, haben wir für Kidist Fachbücher, einen wissenschaftlichen Taschenrechner und anderes Schulmaterial gekauft. Da offenbar in der Akaki- und Esperanza Schule gestohlen wird (Aussage der zuständigen Lehrer), haben wir Kidist einerseits die gestohlenen Sachen (Decke, Schuhe) ersetzt und andererseits wird sie einen verschließbaren Spind erhalten. Weiterhin benötigte sie Sportkleidung für den Sportunterricht und einen Satz „Zivilkleidung“. In den kommenden Sommerferien wird sie definitiv einen freiwilligen Englischsprachkurs belegen. Kidist hat als Kind schwere Verbrennungen am ganzen Körper erfahren und benötigt eine Spezialsalbe, die ein Arzt verschreiben wird.
Besuch September/Oktober 2013:
Kidist geht es gut. Sie ist sehr fleißig und weiterhin auf Universitätskurs (score 67/100). Wir unterstützen ihren Eifer und beschaffen wichtige Lehrbücher (Chemie, Biologie, Mathematik, Physik).
Besuch Dezember 2014: Kidist konnte aufgrund ihres guten Schulabschlusses an der Akaki Schule ein Zahnmedizinstudium am Atlas College aufnehmen. Die zuvor sehr schüchterne Kidist ist mittlerweile eine selbstbewusste junge Dame, die bei ihrer Tante wohnt. Wie im einleitenden Teil meines Berichtes erläutert, habe ich in Ersatzvornahme für alle Studierenden (College und Universität) nunmehr einen realistischen Betrag für Transport, Photokopien und Taschengeld ausgewiesen.

14. Tirunesh Getahun
Tirunesh ist 1994 geboren, geht in die 8. Klasse der Esperanza Schule (Internat) in Akaki. Sie war zuvor auf der Adventist-Akaki-Schule, ist aber dort nicht so gut zurecht gekommen. Wegen des Klausurstresses, aber auch wegen einer langjährigen Krankheit ihrer Mutter leidet sie selber an einer chronischen Gastritis. Sie ist jetzt in medizinischer Behandlung. Da offensichtlich das Befinden ihrer Mutter auch einen Einfluss auf ihren Gesundheitszustand hat, haben wir die Mutter gebeten, einen Arzt in ihrem Heimatort aufzusuchen. Die Familie (insgesamt 6 Kinder) lebt auf dem Lande in Wollega. Sie liest gerne Romane und möchte ebenso wir Kidist Krankenschwester werden.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Tirunesh ist immer noch eine sehr in sich gekehrte Jugendliche, die sich meist abseits aufhält. Nach Gesprächen mit der Vertrauenslehrerin und dem Klassenlehrer haben wir beschlossen, dass sie das Schultutorium besuchen wird. Sobald sie unter Stress gerät, meldet sich die Gastritis wieder. Dies beeinträchtigt natürlich ihre Leistungsfähigkeit. Wir werden mit der Vertrauenslehrerin und dem Klassenlehrer in Kontakt bleiben. Tirunesh benötigt ebenfalls Sportzeug, Kleidung und eine Decke.
Besuch September/Oktober 2013:
Tirunesh hat wichtige Literatur (Fachbücher, Englischlexikon) bekommen und im Sommer eine English summer class besucht. Tirunesh geht es nun in jeder Beziehung besser, auch ist eine Leistungssteigerung in der Schule zu erkennen. Sie hat ein Wörterbuch und weitere Schulbücher bekommen.
Besuch Dezember 2014: Wir haben mehrfach versucht mit Tirunesh Kontakt aufzunehmen, aber wir konnten sie nicht erreichen. Nach dem Abschluss an der Esperanza Schule im Sommer hat sich Tirunesh im Herbst am Dalol Technology and Business College eingeschrieben für Bauingenieurswesen. Wir bleiben am Ball.

15. Familie Yohannes (3; Mutter Meseret und die Söhne Kidus und Eyob)
Meseret arbeit in der Wäscherei des Taitu Hotels und verdient monatlich 180 Birr.
Ohne unsere Unterstützung reichte das weder zum Leben noch zum Schulbesuch der Kinder. Aber sie setzt ein Zeichen für ihre Kinder, dass sie auch etwas Geld verdient. Meseret hat offenbar ein Problem mit der Schilddrüse, soweit ich das beurteilen kann. Sie wird das von einem Arzt klären lassen. Kidus (7 Jahre alt) und Eyob (11) entwickeln sich prächtig. Das Zeugnis von Kidus könnte aber besser sein. Da die Mutter tagsüber arbeitet, büchst er häufig aus und verbringt den Nachmittag mit Fußballspielen. Eyob ist ernster und nicht so verspielt wie sein Bruder Kidus und er malt und zeichnet sehr gerne. Beide haben aber das Herz auf dem rechten Fleck.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Der Familie geht es gut (s. Videos und Photos auf unsere homepage). Allerdings könnte das Zeugnis der Kinder besser sein. Da Meseret ganztägig arbeitet, wird hier das Schultutorium einen positiven Einfluss auf Eyob und Kidus haben. Beide Kinder benötigten Kleidung und eine Schuluniform.
Besuch September/Oktober 2013:
Diese beiden Burschen Kidus und Eyob haben es in sich; nichts lieben sie mehr als Fußball und draußen herumtollen. Dennoch sollten sich diese beiden liebenswürdigen Burschen etwas mehr auf die Schule konzentrieren und ich bin diesbezüglich auch etwas böse geworden. Leider hat Mesfen es nicht geschafft, die beiden bei einem Tutorium anzumelden. Da holen wir jetzt schnellstens nach.
Mutter Meseret hat offenbar ein ernstes Problem mit der Schilddrüse. Sie hat zunächst Medikamente bekommen und sollte sich bald einer kleineren Operation unterziehen. Wir bleiben hier am Ball.
Besuch Dezember 2014: Nach der Schilddrüsenoperation ist Mutter Meseret wieder völlig gesund und sie kann wieder arbeiten gehen. Den beiden Jungs geht es auch gut. Eyob hat sich in der Schule verbessert und das sind gute Nachrichten. Bei Eyob lassen sich lediglich kleinere Schwächen in Mathe und Englisch erkennen. Da kann man gezielt ansetzen. Leider kann ich das von Kidus Leistungen nicht sagen. Er besetzt Rang 52 von 59. Auch die Mutter verzweifelt an diesem völlig verspielten Burschen. Ich habe dieses Mal Klartext mit ihm gesprochen. Fußball hin oder her, die Schule muss mindestens die gleiche Priorität wie Spielen haben. Ich werde Kidus im Auge behalten.

17. Famile Erku (2, Mutter Serkalem und Tochter Habil)
Serkalem ist HIV positiv, aber sie hat sich gesundheitlich gefangen, sodass sie wieder 200 Birr monatlich als Reinigungskraft verdient. Habil ist 16 Jahre alt und
geht in die 8. Klasse, wo sie die zwanzigbeste von 83 MitschülerInnen ist. Habil möchte später gerne Architektur studieren oder in einer Bank arbeiten.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mit einem Notendurchschnitt von 2,5 sind ihre Leistungen ganz ordentlich. Sie benötigt aber in den zukünftigen Zeugnissen einen Notenschnitt von 2.8 – 3.0 (4.0 ist die Bestnote). Habil wird nun auch das Tutorium an der Schule besuchen, um den geforderten Notendurchschnitt zu erreichen, der zum Besuch der Universität berechtigt. Wir haben auch Fachbücher für Mathematik, Biologie und Chemie gekauft.
Besuch September/Oktober 2013:
Mutter Serkalem (HIV positiv) geht es leider immer wieder schlecht und sie kann nicht arbeiten. Das bedeutet für Habil, dass sie in dieser Zeit den Haushalt übernehmen muss und sich dann konsequenterweise nicht ausreichend mit Hausaufgaben etc. befassen kann. Da aber dieses Schuljahr (National Examination) für Habils Zukunft entscheidend ist (hier wird festgelegt, wer weiter in Richtung Universität geht), fördern wir die Familie mit zusätzlich 300 Birr für Haushaltshilfe. Beide benötigen warme Kleidung und Regenschutz.
Besuch Dezember 2014: Beiden geht es gut. Aufgrund ihrer guten Leistungen in der Schule besucht kann Habil seit September 2014 die Addis Abeba University (Fachbereich Konstruktionstechnik und Management) besuchen. Die Studien-gebühren betragen 1660 Birr (ca. 66€) pro Semester bei drei Semestern pro Jahr. Habil braucht Fachbücher: Sie liest gerne englische Romane und das wird ihre Englischkenntnisse verbessern. Wie im einleitenden Teil erläutert, habe ich in Ersatzvornahme unseren Beitrag für alle Studierenden erhöht.

18. Familie Aregawi (2, Mutter Mehret und Tochter Bezawit)
[Im Video 2011/2012 irrtümlich als Familie Gebreselassie bezeichnet] Mehret produziert Korbwaren und verdient durch den Verkauf monatlich ca. 150 Birr. Sie argumentiert, wenn sie kochen lernen würde, könnte sie gut eine Stelle in einem Hotel bekommen. Das würde ein deutlich besseres Einkommen bedeuten und wir könnten unsere Förderung entsprechend reduzieren. Dies wäre auch ein Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe. Ihre kleine Tochter heißt Bezawit (geb. 07.12.2002) und sie geht in die zweite Klasse. Ihre Leistungen sind gut; Sie hat Rang 19 von 67 SchülerInnen inne. Bezawit hat aber – wie so viele andere auch – ein Problem mit den Augen. Sie wird derzeit von einem Augenarzt betreut und hat eine Brille bekommen. Seitdem hat sie keine Probleme mehr.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mehret hat vor 5 Monaten eine Ausbildung zur Köchin angetreten. Diese Ausbildung dauert noch ein Jahr (s. Photos auf unserer homepage). Unserer Meinung nach eine sehr gute Wahl, denn in Addis werden zahllose Hotels gebaut, die gut ausgebildetes Küchenpersonal benötigen. Auch haben wir einen Kontaktmann (Bekelle) im Hilton, neben dem Sheraton das führende Hotel in Addis. Tochte Bezawit geht es sehr gut. Mit ihrer Brille hat sie auch langfristig gesehen keine Augenprobleme mehr. An Bezawits Schule wird leider kein Tutorium angeboten, so dass wir uns hier für eine private Lösung entschieden haben. Hier kommt ein Lehrer täglich für eine Stunde zu Bezawit nach Hause.
Besuch September/Oktober 2013:
Mit der neuen Brille geht es Bezawit sehr gut (siehe Photo) Allerdings hat sie ein Problem an ihrer Schule. Die Mutter bestätigt, dass sie sehr fleißig lernt, aber bei den Klausuren nicht abrufen kann. Sie fühlt sich von den Lehrern an der jetzigen Schule stark unter Druck gesetzt und sie entwickelt Angst, unter diesem Druck Fehler zu machen. Das Ergebnis ist eine Blockade. Wir haben Bezawit jetzt auf einer nahe gelegenen Privatschule angemeldet, wo weniger SchülerInnen auf einen Lehrer kommen (Schulgebühren 4800 Birr pro Jahr). Mutter Mehret hat ihren Koch- und Gastronomieservicekurs erfolgreich abgeschlossen und hofft nun, einen qualifizierten Job zu finden.
Besuch im Dezember 2014: Wir haben Bezawit direkt an ihrer neuen Schule besucht und bei dieser Gelegenheit mit ihren Lehrern/Lehrerinnen gesprochen. Bezawit hat in der Schule immer wieder eine Art epileptischer Anfälle und kann dann nicht mehr am Unterricht teilnehmen. Derzeit wird sie traditionell behandelt. Wenn sich keine Besserung einstellt, sollte sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Bedingt durch den höheren Leistungsstandard an der neuen Schule und der krankheitsbedingten Abwesenheit vom Unterricht konnte ihr Zeugnis wohl nur durchschnittlich ausfallen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie schnell wieder gesund wird und mit Hilfe eines Tutors den Stoff aufholt.
Mutter Mehret hat ihren Kochkursus erfolgreich bestanden und hätte auch schon eine Stelle bekommen, wenn ihre Englischkenntnisse nicht so schlecht wären. Sie vertraut voll und ganz auf ihre Qualitäten und möchte gerne mit Hilfe eines Mikrokredits ein sehr kleines Geschäft eröffnen, in dem sie einfache lokale Speisen anbietet. Ich favorisiere momentan aber die (preiswertere) Variante, ihre Englisch-kenntnisse in einem Sprachkurs zu verbessern und zunächst einmal Erfahrungen als Köchin in einem Restaurant oder privaten Haushalt zu sammeln.

20. Familie Fekadu (5; Vater Fekadu, Mutter Melesu, Töchter Lilena und Maklit sowie ein männliches Baby)
Lilena (12, grade 6) und Maklit (8, grade 3) möchten beide Ingenieur werden. Die Zeugnisse sind vielversprechend: Lilenas Zeugnis ist gut und sie ist auf Rang 13 von 45 MitschülerInnen, Maklits Zeugnis ist ebenfalls gut Rang 11 von 47).
Der Vater war in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt und steht deshalb vor Gericht. Er musste für die Dauer des Gerichtsprozesses für ca. ein Jahr ins Gefängnis und die Familie hatte kein Einkommen mehr. Jetzt hat sich vor Gericht herausgestellt, dass er unschuldig ist. Was für ein ungerechtes System. Wichtig ist, dass er nun wieder als Fahrer arbeiten kann.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Vater Fekadu arbeitet wieder als Fahrer und war auch während meines Besuchs unterwegs. Das Gerichtsverfahren ist immer noch nicht abgeschlossen. Die Familie hat im Juni 2012 Nachwuchs bekommen, ein kleiner Junge, für den noch kein Name gefunden wurde. Mutter Melesu hat mir von sich aus gesagt, dass die Familie nun komplett sei und keine weiteren Kinder dazu kommen. Ausnahmsweise gibt es an der Schule von Maklit und Lilena kein Tutorium. Wir testen hier ein privates Tutorium und schauen uns in einem Jahr das Ergebnis an.
Besuch September/Oktober 2013:
Der kleine Junge heißt Ebenezer. Alle sind wohlauf, Vater Fekadu war wieder als Fahrer unterwegs. Das Tutorium hat positive Wirkungen gezeigt. Beide Kinder benötigen moderne Fachbücher und sie fragten nach einem Computer, der sicherlich für eine moderne Ausbildung wichtig ist. Ich werde diesen Punkt auf unserer Jahresversammlung zur Diskussion stellen. Die Mädchen besuchen beide weiter das Tutorium, aber wir erwarten auch eine Leistungsverbesserung.
Besuch Dezember 2014: Die Familie ist wohlauf. Maklit konnte sich gegenüber dem letzten Zeugnis verbessern (22/50), zeigt aber leichte Schwächen in Englisch und Mathe. Sie wird Bücher zum Selbststudium in beiden Fächern bekommen. Die ältere Schwester Lilena wird hier helfen. Lilena hat sich von Rang 17 auf Rang 5 vorgearbeitet. Das ist eine respektable Leistung und hier hat sich das Tutorium wirklich gelohnt.

21. Biruktawit Behailu (3, Großeltern und Nichte Biruktawit)
Biruktawit (geb. 08.11.1994) lebt bei ihren Großeltern in Addis. Der Vater ist verschwunden, die Mutter ist seit 2005 tot. Die Großmutter verkauft etwas Gemüse, der Großvater ist Wachmann. Gemeinsam tragen sie 400 Birr monatlich bei. Biruktawit möchte gerne die Highschool abschließen und Betriebswirtschaft / Volkswirtschaft studieren. Sie hat die 11. Klasse absolviert (13. Rang von 44) und besucht nun die Abschlussklasse. Nach dem landesweiten Abschlussexamen kann sie – gute Leistungen vorausgesetzt – die Universität besuchen.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Biruktawit studiert an der Universität von Gonder Ingenieurswissenschaften. Eine Spezialisierung steht später an. Sie hat sich nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten nun gut in der fremden Stadt eingelebt und das Studium gefällt ihr gut. Sie benötigt Kleidung und Fachliteratur. Auch sollte sie – wie alle Universitäts- und Collegestudierende – ein Laptop bekommen.
Besuch September/Oktober 2013:
Bei Biruktawit läuft es sehr gut (Semesterabschlussnote 3.3 von 4. Den nächsten verfügbaren laptop sollte Biruktawit bekommen. Sie ist sehr bescheiden und sie hat ihn auch verdient.
Besuch Dezember 2014: Wir konnten Biruktawit zunächst überhaupt nicht erreichen. Dann stellte sich heraus, dass sie an einer schweren Lungenentzündung leidet und ein Gespräch mit ihr nicht möglich war. Ich bleibe hier am Ball und berichte später.

22. Familie Ademe (6, Eltern, Söhne Subalew, Sohn Belay; Töchter Almaz, Yeshalem)
Der Vater ist blind, die Mutter erzielt ein geringes Einkommen durch den Verkauf von Gemüse. Subalew (m, geb. 01.06.1995, grade 6) hat vorübergehend das Elternhaus verlassen, um als Tagelöhner ein paar Birr täglich zu verdienen. Dennoch geht er abends zur Schule. Mesfen hat ihn überzeugt, dass er durch den Besuch der Schule seine Chancen auf einen anerkannten Beruf verbessert. Almaz (w, 25.12.2000, grade 4) musste früher ihren Vater zum Betteln führen und sie kann sich nun ganz auf den Unterricht konzentrieren. Ihr Zeugnis könnte aber besser sein (Rang 29 von 50) und wir haben sie ermuntert, sich auf die Schule zu konzentrieren. Yeshalem (w, 21.12.1998) und ihr kleiner Bruder Belay (geb. 02.11.2006) sind auch sehr glücklich, dass sie die Schule / Vorschule besuchen dürfen. Allerdings sind auch ihre Leistungen verbesserungswürdig. Eine mögliche Ursache könnte darin zu suchen sein, dass die Eltern dieser Familie (wie auch die meisten Eltern der von uns geförderten Kinder) Analphabeten sind und Ihre Kinder überhaupt nicht in schulischen Angelegenheiten anleiten können. Diesbezüglich möchte ich vorschlagen, dass ältere, von uns geförderte SchülerInnen oder Studentinnen hier eine Betreuungsfunktion übernehmen. Dieses solidarische Verhalten stimmt mit den Grundgedanken unseres Vereins überein.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Almaz war immer wieder krank und dies erklärt auch das eher schwache Zeugnis (Rang 31 von 55). Der Vater erklärte uns, dass Almaz in der Schule plötzlich das Bewusstsein verliert und umfällt. Yasins Schwester wird uns einen geeigneten Arzt empfehlen, der Almaz untersuchen wird. Erfreulicherweise ist das Zeugnis von Yeshalem besser als im letzten Jahr ausgefallen. Auf jeden Fall sollen beide das Schultutorium besuchen.
Besuch September/Oktober 2013:
Offenbar fühlt sich Almaz gesundheitlich besser und das spiegelt sich auch im besseren Zeugnis wider. Das Zeugnis von Yeshalem ist in Ordnung. Beide möchten unbedingt ein Tutorium besuchen und wir werden das auch realisieren.
Besuch Dezember 2014: Der Familie geht es gut. Almaz (13/36) und Yeshalem (12/47) haben erfreulicherweise bessere Zeugnisse als letztes Jahr. Almaz möchte Ingenieur(in) werden, Yeshalem Ärztin. Bruder Belay legt ein durchschnittliches Zeugnis vor (25/47). Hier ist noch Luft nach oben und das habe ich ihm auch erklärt.

23. Woynhareg Debalk
ist 21 Jahre alt. Sie hat früher im Taitu-Hotel für 250 Birr monatlich gearbeitet. Sie hat nun einen Job in einem anderen Hotel gefunden und verdient nun 400 Birr. Hier hat ihr ein Englischsprachkurs nach Feierabend geholfen, den wir finanziert haben.
Woynhareg macht zurzeit eine Art Fernstudium nach ihrer Arbeit und möchte das Abitur nachholen.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Hareg arbeitet zurzeit im Churchill Hotel. Parallel hat sie in einem Fernstudium (Alfa Distance Education) grade 10 nachgeholt und vor allem ihre Englischkenntnisse verbessert, die für die Arbeit in internationalen Hotels wichtig sind. Ab Oktober 2012 qualifiziert sie sich parallel zu ihrer Arbeit gezielt weiter und sie besucht das Royal College mit dem Schwerpunkt accounting (Buchhaltung).
Besuch September/Oktober 2013:
Weynhareg arbeitet zur Zeit im Monaco Hotel bei einem Gehalt von 400 Birr. Sie ist von ihrem alten Arbeitgeber (Churchill Hotel) gekündigt worden, da sie eine Woche krankheitsbedingt entschuldigt nicht arbeiten konnte. Was für ein rückständiges System – wer krank wird, fliegt raus. Parallel zu ihrer Arbeit besucht sie abends am Royal College das Fach Accounting (Buchhaltung).
Besuch Dezember 2014: Weynhareg hat wohl auch aufgrund ihrer guten Ausbildung einen gut ausgebildeten (Universitätsabschluss) äthiopischen jungen Mann geheiratet, der in einem großen Hotel arbeitet. Weynhareg hat im Sommer ein Baby bekommen, möchte aber ihre Ausbildung gerne beenden. Wenn es soweit ist, werden wir sehen, wie wir sie weiter unterstützen können. In jedem Fall prüfen wir auch, wieviel ihr Mann zur Ausbildung beitragen kann.

24. Yared Demilew
Yared (22) hat erfolgreich an der Universität von Bahar Dar Journalismus und Kommunikation studiert (Abschlussnote 2.3). Zusätzlich hat er eine praktische Ausbildung als Klempner absolviert. Jetzt hoffen wir, dass er eine gute Stelle bei einer Zeitung, Rundfunk oder beim Fernsehen bekommt. Er würde aber auch als Klempner arbeiten.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Seit einem Jahr nun sucht Yared nach einem Job als Journalist oder Klempner. Ich habe in Addis diesbezüglich mit Yasin gesprochen. Er wird einen Freund beim Fernsehen kontaktieren. Dies ist die erste Priorität. Sollte es hier nicht klappen, wird Yasin Freunde im Baugewerbe ansprechen, um eine Anstellung als Klempner zu bewirken.
Besuch September/Oktober 2013:
Ab September führt Yared die Arbeit von Mesfen weiter. Nachdem wir trotz intensiver Suche für Yared keinen Job im Bereich Journalismus gefunden haben (Äthiopien hat de facto keine freie Presse und deswegen sind die Arbeitsmöglichkeiten beschränkt), hat es sich nun für einen sehr angewandten Studiengang (Rural Development = Ländliche Entwicklung) eingeschrieben. Gerade die Weiterentwicklung der Infrastruktur in den Agraregionen des Landes ist lebenswichtig für einen modernen Staat. Auch sind diesbezüglich viele NGOs eingebunden, die später als Arbeitgeber in Frage kommen.
Besuch Dezember 2014: Mit Yared stehe ich im ständigen Kontakt. Wir telefonieren regelmäßig und besprechen aktuelle Vorhaben. In seinem Studium läuft es gut und er ist sehr engagiert bei der Sache.

25. Familie Derebe (2, Mutter Zenash und Tochter Mehret)
Mesfen hat Mutter Zenash (geb. 25.07.1982) mit ihrem Kind (geb. 10.11.2007) in einer verzweifelten Lage angetroffen. Beide lebten unter einer Plastikplane im Dreck am Straßenrand. Zenash ist HIV positiv, aber Mehret Gott sei Dank nicht. Der Vater hat Mutter und Kind vor zwei Jahren verlassen. Mittlerweile haben sie ein schützendes Dach über dem Kopf und die Mutter wird medizinisch versorgt. Wir haben beide schwer erkältet angetroffen, denn die Nächte sind in Addis auf ca. 2200 m Höhe sehr kalt. Aus meinem mitgebrachten Fundus haben wir Mutter und Kind sofort mit warmer Kleidung versorgt. Am Tag darauf wurde eine große Wolldecke beschafft. Die Mutter hat die Schule nach der vierten Klasse verlassen müssen. Mehret hat nun eine echte Chance. Wir haben Zenash vor einigen Monaten einen kleinen Verkaufstisch und Gemüse finanziert. Damit hat sie sehr geschickt ein kleines Geschäft aufgebaut und kann nun mit ihren eigenen Händen auch einen Teil zur Versorgung ihrer Tochter beitragen. Mittlerweile verkauft sie Holzkohle, getrockneten Kuhdung (als Brennstoff), Tomaten, Chili und Zwiebeln.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Seit dem Tod des Premierministers Menes reagiert die Polizei aktiv auf nicht angemeldete Verkaufsstände Somit ist der kleine Gemüseverkaufsstand von Zenash auch betroffen, denn eine Lizenz ist sehr teuer und lohnt sich erst bei größeren Umsetzten. Sie wartet jetzt ab, bis sich die Lage einigermaßen beruhigt und nimmt dann den Straßenverkauf wieder auf. Alternativ verkauft sie von ihrer Wohnung aus Holzkohle an die Nachbarn. Der Verkaufserlös ist allerdings deutlich geringer. Tochter Mehret geht es gut und beide frieren nachts nicht mehr, seitdem sie eine Wolldecke haben.
Besuch September/Oktober 2013:
Mutter und Tochter sind wohlauf. Mehret hat eine kleinere Entzündung am Ohr, der wir medizinisch nachgehen werden. Mehret geht in die dritte Kindergartenklasse und macht sich dort gut. Mutter Zenash hat den Straßenverkauf wieder aufgenommen und verdient monatlich ca. 200 Birr. Aktuell hat Tochter Mehret ein Magenproblem. Yared kümmert sich darum.
Besuch Dezember 2014: Mutter Zenash (HIV positiv) leidet momentan an Rückenproblemen, die wohl die Folge der Nebenwirkungen eines HIV Medikamentes sind. Der Arzt hat ein neues Medikament verordnet und wir hoffen nun, dass die Rückenschmerzen nachlassen. Tochter Mehret geht es gut, obwohl sie vor ein paar Tagen bei einer Tanzvorführung in der Schule gestürzt ist und eine Verletzung unter dem Auge hat. Mehret ist in der ersten Klasse und von 52 SchülerInnen die Achtbeste. Eine feine Leistung.

27. Mesfen Demilew Betewa (genannt Duke)
Duke ist zur Zeit in Osnabrück und er studiert hier an der FH International Business and Management. Ich hatte schon berichtet, dass Duke nach dem Besuch seiner kranken Frau in Addis sein Studium nach dreimonatiger Unterbrechung an der FH Osnabrück zum September 2011 wieder aufgenommen hat.
Duke steht in fast täglichem Kontakt mit Mesfen in Addis und betreut von Deutschland aus unsere Projekte in Äthiopien. Wer möchte, kann jederzeit mit Duke Kontakt aufnehmen (mesfingesu@gmail.com; Tel. 017671943954).
Duke studiert mit einem DAAD Sandwich Stipendium: 25% (=125€) zahlen wir, den gleichen Betrag der Bernward Clasen Verein und 50% der DAAD. Duke lebt im Studentenwohnheim am Jahnplatz und er fühlt sich sehr wohl in Deutschland.
Nach letzten Informationen liegt Duke mit seinen Leistungsnachweisen im Plan.
Besuch im Dezember 2014: Leider kann Duke sein Studium in Osnabrück nicht weiter fortsetzen. Er hat eine Klausur endgültig nicht bestanden und die Prüfungsordnung sieht hier keine Ausnahmen vor. Ich habe selber mit den Professorinnen gesprochen. Dies ist für alle Beteiligten eine große Enttäuschung, ganz sicher auch für Duke. Er ist mittlerweile wieder zurück in Addis und studiert dort aufbauend auf dem Studium in Osnabrück an der Unity University das Fach Development Economics mit dem Ziel eines Masterabschlusses. Das Studium dauert zwei Jahre. Seine Familie ist extrem enttäuscht und seine Mutter spricht nicht mehr mit ihm. Dies ist keine leichte Zeit für ihn. Ich plädiere stark dafür, ihm als Ausgleich für seine Arbeit für unseren Verein dieses Studium zu finanzieren. Im Wesentlichen fallen hier Transportkosten (zur 25km entfernt liegenden Universität), Studien-gebühren, Kopierkosten, und Taschengeld. Da sein sechs Jahre altes Laptop kaputt ist, müsste er auch ein neues bekommen.

28. Familie Mesfen (2; Vater Mesfen und Sohn Adonay)
Mesfen (unser Vertrauensmann in Addis) war verheiratet und hat einen Sohn (Adonay, 4 Jahre alt). Die Mutter kümmert sich leider nicht ausreichend um das Kind und Mesfen besorgt Lebensmittel im Rahmen seiner Möglichkeiten. Im nächsten Jahr möchte Mesfen das Kind zu sich holen. Als Ausgleich für die intensiven Tätigkeiten für unseren Verein, aber auch wegen der Bedürftigkeit, unterstützen wir Adonay und bezahlen die Gebühren für die Vorschule/Kindergarten mit dem schönen Namen Albtal-Schule.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Ich habe Adonay dieses Mal aus Zeitgründen nicht sehen können, aber laut Aussage von Mesfen geht es ihm sehr gut. Yared hat sich auch noch einmal bei der Elbethel Schule konkret nach Adonay erkundigt. Er ist nun 5 Jahre alt und besucht die erste Klasse (545 Birr Schulgebühren monatlich).
Besuch im Dezember 2014: Ich habe Adonay aus Zeitmangel dieses Mal nicht besucht. Er ist aber nach Aussage seines Vaters Mesfen wohlauf, und das ist das Wichtigste.

31. Familie Legesse (4, Mutter Belaynesh, Söhne Mengistu, Damtew; Tochter Wudi)
Auch diese Familie kam vom Lande nach Addis, als der Vater 2002 starb. Mutter Belaynesh (geb. 16.05.75) verkauft Bohnen, die Kinder Wudi (w, 19.04.1998, grade 4; Rang 18 von 48 MitschülerInnen) und Damtew (m, 19.08.2002, grade 3; Rang 2 von 52 MitschülerInnen) mussten bis vor einem Jahr Lotterielose verkaufen. Der älteste Sohn Mengistu (19.05.1993; Analphabet) arbeitet als Lastenträger. Seit über einem Jahr können sich die Kinder auf die Schule konzentrieren und ihre Leistungen sind ansprechend und weisen nach oben.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Der Familie geht es gut. Sohn Damtew, ein verflixt intelligentes Bürschchen, macht mir Sorgen. Er ist zwar immer noch der Drittbeste in der Klasse, aber seine Leistungen sind stark abgesackt. Er hat nach Aussage der Mutter nur Fußball im Kopf und die Lehrer ziehen ihm wohl regelmäßig Leistungspunkte wegen schlechten Betragens ab. Seine Betragensnote ist „C“, fast alle anderen Kinder haben ein „A“. Damtew hat Besserung versprochen und Mesfen wird auch mit den Lehrern sprechen. Von seinem Leistungsvermögen ist Damtew ein klarer Kandidat für die Akakischule und er will auch dorthin. Die Eingangstests sind im August 2013.
Wudi zeigt ein gutes Zeugnis (Rang 17 von 51), obwohl hier sicher noch Steigerungspotential vorhanden ist.
Besuch September/Oktober 2013:
Wudi ist schulisch etwas abgefallen (Rang 22 von 32), während Damtew ein besseres Zeugnis vorweisen kann (Rang 9 von ?). Dennoch ist dies für die Akaki-Schule zu wenig. Ich habe beiden ins Gewissen geredet, aber in der Pubertät kommt guter Rat manchmal nicht an. Die Mutter Belaynesh und beide Kinder sind gesundheitlich wohlauf.
Besuch Dezember 2014: In der Tat hat Damtew sich mehr auf die Schule konzentriert und kann wieder ein sehr gutes Zeugnis vorweisen. Er ist der fünftbeste Schüler in der Klasse. Leider war seine Schwester Wudi nicht so erfolgreich. Nach Aussagen der Mutter hatte sie Typhus und konnte einige Wochen nicht zur Schule gehen. Beide Kinder werden wichtige Bücher für die Schule bekommen (Physik, Mathematik).

32. Familie Ayalew (4, Vater Ayalew, Tochter Zebider; Söhne Endalew, Befekadu)
Vater Ayalew ist 36 Jahre alt und blind. Seine Frau ist im Oktober 2010 verstorben und er lebte bis vor einem Jahr allein mit seinen drei Kindern in einer ärmlichen Hütte. Ayalew musste bislang mit 300 Birr monatlich auskommen, die er erbettelt hat. Seit dem Tod der Mutter konnten die Kinder nicht mehr zur Schule gehen. Ich konnte mich davon überzeugen, dass die Familie nun ein festes Dach über dem Kopf hat und die Kinder können nun wieder zur Schule gehen; Ihre Leistungen können sich durchaus schon sehen lassen.
Zebider (Tochter, 10 Jahre alt): Rang 19 von 56
Endalew (Sohn, 8): Rang 14 von 48
Befekadu (Sohn, 6): alle Fächer A = sehr gut (keine Rangfolge auf dem Zeugnis angegeben)
Dennoch mangelt es an warmer Kleidung und Decken für die Nacht. Warme Kleidung konnte ich direkt verteilen, zwei Wolldecken werden zeitnah beschafft.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Auch diese Familie konnten wir nicht zu Hause besuchen wegen der Gefahr der Mieterhöhung, wenn ein Europäer dort vom Eigentümer gesehen wird (s. auch Einleitung). Zebider (5 von 25) und Befekadu (6 von 49) haben ein sehr gutes Zeugnis, während demgegenüber Endalew (24 von 44) etwas abfällt. Alle drei Kinder sollen das Schultutorium besuchen. Wir warten das nächste Zeugnis ab, ob vielleicht Zebider und Befekadu mögliche Kandidaten für die Akaki- oder Esperanza-Schule sind.
Besuch September/Oktober 2013:
Der blinde Vater hat wieder geheiratet (Wubanch, geb. 1983) und seine neue Frau macht nun den Haushalt. Die Familie hat eine neue Unterkunft bezogen, die ich „gefahrlos“ besuchen kann, ohne dass der Eigentümer aufgrund meines Erscheinens die Miete erhöht. Die 3 Kinder können sich voll auf die Schule konzentrieren und das zeigt sich in den z.T. stark verbesserten Leistungen.
Zebider: 3 von 34
Endalew: 3 von 44
Befekadu: 4 von 56
Diese Familie benötigt dringend neue Kleidung.
Besuch Dezember 2014: Der Familie geht es in ihrem neuen Raum gut. Zebider hatte ein Problem mit den Augen, dass aber nach einem Arztbesuch behoben ist. Alle drei Kinder zeigen sehr gute Leistungen, so dass sie – weitere Konstanz in den Leistungen vorausgesetzt – demnächst eine Privatschule besuchen sollten:
Zebider: 5 von 59; Berufswunsch: Ärztin
Endalew: 1 von 57; Arzt
Befekadu: 6 von 36; Lehrer

33. Familie Destaw (3; Mutter, Tochter Fasika und Sohn Eyob)
Die Mutter, Mamu Destaw, ist ca. 1963 geboren und kann nur noch mit Mühe an Krücken laufen. Dies ist die Konsequenz eines Unfalls als kleines Kind. Ein umstürzender Baum hat ihr die Beine gebrochen; dieser Bruch wurde aus Geldmangel nicht behandelt und die Knochen sind wohl schief zusammen gewachsen. Sie erbettelt vor einer Kirche ca. 15 Birr am Tag. Ihr Mann starb vor drei Jahren. Sohn Eyob wurde am 28.06.2007 geboren. Tochter Fasika ist 11 Jahre alt und geht in die sechste Klasse. Sie leidet an Epilepsie und kann somit nicht regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Aus diesem Grunde gehört sie eher zu den schwächeren Schülerinnen in der Klasse. Wegen der prekären finanziellen Situation bekommen die Kinder lediglich Brot zu essen. Wegen der besonderen Schwere des Falls möchte ich diesbezüglich mit Jutta de Muynck zusammenarbeiten. Jutta habe ich in Addis kennengelernt. Sie hat das MCRC (Mother and Child Rehabilitation Centre www.mcrc-addisababa.org/) gegründet und leitet es mit großem Engagement. Jutta arbeitet mit Ärzten und Psychotherapeuten zusammen. Das können wir so nicht leisten. Zunächst ist eine medizinische Untersuchung und entsprechende Behandlung vorgesehen. Später kann die Mutter vielleicht im Rahmen des MCRC beschäftigt werden. Hier wird Kleidung genäht und allerlei kleinere Produkte hergestellt und in einem eigenen Geschäft von den Müttern verkauft.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: In meinen ersten Gesprächen mit Jutta konnte ich sie noch nicht überzeugen, Mamu und ihre Tochter Fasika aufzunehmen. Linda van Alphen, die mich auch mit Jutta de Muynck bekannt gemacht hat, wird diese Gespräche nun führen und auch versuchen, die Familie Alemu (43) bei MCRC zu integrieren.
Sollte und dies nicht gelingen, wird Yasins Schwester uns einen guten Arzt empfehlen, der Fasika gut versorgen kann. Fasika zeigt trotz der regelmäßigen epileptischen Anfälle einen leichten Leistungsanstieg in der Schule. Sie spielt gerne und sehr erfolgreich Volleyball und sie ist von der Stadt Addis und der Regierung für ihre besonderen Leistungen ausgezeichnet worden. Auch hier fehlte Kleidung und eine Wolldecke. Eyob geht es gut und er besucht seit 2012 den Kindergarten (Vorschule).
Besuch September/Oktober 2013:
Die Kapazitäten am MCRC sind leider begrenzt, so dass ich hier momentan keine Lösungsmöglichkeit sehe. Auch ist die Mutter sehr zurückhaltend, was eine medizinische Therapie angeht. Die von den Ärzten verschriebenen Epilepsiemedikamente haben angeblich sehr starke Nebenwirkungen, so dass man hier eher auf holy water (geweihtes Wasser) vertraut. Ich bin nun kein Mediziner und eine Beurteilung dieses Falles fällt mir schwer. Yasin hat uns eine gute Klinik empfohlen, aber wir können und wollen die Menschen ja nicht zwingen, dort hin zu gehen. Fasika zeigt trotzdem eine ansprechende Leistung in der Schule (27 von 41). Gerade im zweiten Schulhalbjahr ist eine deutliche Steigerung zu sehen (15 von 41), vielleicht ein gutes Zeichen für das nächste Zeugnis. Sie wünscht sich einen Volleyball, mit dem sie trainieren kann. Eyob ist nun sechs Jahre alt und sein Zeugnis weist 4 x A (sehr gut), 1 x B und 1 x C auf.
Besuch Dezember 2014: Die Epilepsieanfälle von Fasika nehmen zu (fast jeden zweiten Tag ein Anfall!) und das macht mir große Sorgen. Ich habe der Mutter dringend geraten, die von Yasins Schwester (Ärztin) empfohlene Klinik zu besuchen. Parallel werde ich nochmals mit Linda van Alphen sprechen und sie bitten, diese Familie bei MCRC (Jutta de Muynck, s.o.) unterzubringen. Diese Organisation verfügt über eigene Ärzte. Obwohl Fasika fast jeden zweiten Tag einen Anfall hat, konnte sie das Schuljahr doch erfolgreich abschließen. Sie spielt immer noch gerne Volleyball und würde sich sehr über einen Volleyball freuen, den wir ihr gerne geben. Bruder Eyob ist etwas besser als der Klassendurchschnitt und ich habe ihn ermahnt, intensiver für die Schule zu arbeiten. Die Mutter Mamu ist stark behindert und kann sich natürlich nur bedingt um ihre Kinder kümmern. Auch diesbezüglich wäre die Familie sehr gut bei MCRC aufgehoben.

34. Familie Behailu (2; Mutter Fasika und Sohn Eremyas)
Die Mutter Fasika (geb. 1982) arbeitet als Tagelöhner und verdient ungefähr 300 Birr im Monat. Damit kann sie gerade die Miete (250 Birr) bezahlen; für Nahrung bleibt nicht viel. Deswegen kann ihr Sohn Eremyas (geb. 25.09.2006) auch nicht zur Schule gehen. Der Vater lebt nicht mehr. Die Mutter würde gerne als Näherin arbeiten.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Leider lassen momentan die Augen von Fasika keine Näharbeiten zu und sie arbeitet halbtags als Reinigungskraft. Mesfen wird mit ihr demnächst zum Augenarzt gehen. Sohn Eremyas geht seit September 2012 in die Vorschule. Ein erstes Zeugnis wird im Sommer vorliegen. Eremyas hatte bei meinem Besuch eine offene Entzündung am Kopf (s. Photos und Video auf der homepage) und einen total entzündeten Schneidezahn. Wegen der Dringlichkeit ist Eremyas noch während meines Aufenthaltes ärztlich und zahnärztlich behandelt worden.
Besuch September/Oktober 2013:
Eremyas hat immer noch ein Problem mit einem Zahn und er wird einen Zahnarzt aufsuchen. Seine Leistungen sind gut. Mittlerweile bestickt die Mutter traditionelle Gewänder und verdient monatlich 450 Birr.
Besuch Dezember 2014: Die Zahnprobleme von Eremyas sind gelöst und Mutter und Sohn geht es gut. Eremyas geht nun in die erste Klasse und seine Leistungskurve vom ersten zum zweiten Halbjahr zeigt nach oben. Die Mutter Behailu näht wieder ein wenig, wenn es Arbeit gibt. Diese Arbeit ist extrem anstrengend für die Augen.

35. Familie Abera (6; Eltern und Töchter Ejigayehu, Habil, Absalat sowie Sohn Yonathan)
Mutter Haimanot (geb. 1982), verkauft Lotterielose, der Vater Solomon (geb. 1972) arbeitet als Tagelöhner. Die Eltern sind Analphabeten; das monatliche Durchschnitts-einkommen beträgt 350 Birr. Sie überleben gerade so eben, weil die Miete Ihrer Behausung sehr niedrig ist. Der Schulbesuch hat nicht die höchste Priorität, da jedes Familienmitglied über kleine Hilfsarbeiten Geld zum Überleben beisteuern muss.
Tochter Ejigayehu (geb. 1998), siebte Klasse
Tochter Habil (geb. 2002), vierte Klasse
Sohn Yonathan (geb. 2005), erste Klasse
Tochter Absalat (geb. 2011)
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Alle sind wohlauf, allerdings benötigt Habil eine Brille. Die Leistungen von Habil (Rang 8 von 52) und Ejigayehu (Rang 13 von 44 sind gut, Yonathan fällt allerdings etwas ab. Dies werden wir verfolgen und ich erwarte, dass auch die Leistungen von Yonathan durch das Tutorium besser werden.
Besuch September/Oktober 2013:
Hier hat sich etwas in der Familienzusammensetzung verändert. Ejigayehu ist offenbar die Tochter der Schwester (Birhane) von Mutter Haimanot und hat nur vorübergehend in der Familie gelebt. Ejigayehu is nun mit ihrer Mutter Birhane zurück in den Süden Äthiopiens gezogen (Arussi). Somit leben nun 5 Personen im Haushalt Abera. Habil hat eine Brille bekommen und kann nun besser sehen. Ihre Leistungen sind gut. Yonathan hat sich erfreulicherweise in der Schule verbessert.
Besuch Dezember 2014: Der Familie geht es soweit gut und wir können mit den Leistungen in der Schule zufrieden sein. Habil (7. von 49 SchülerInnen) hat ein sehr schönes Zeugnis vorgelegt und auch das Zeugnis ihres Bruders Yonathan (12. von 40) ist gut. Habil benötigt Fachbücher (Physik), die Yared besorgen wird. Das Wellblechdach der Familie hat Löcher und in der Regenzeit gelangt Wasser in den Raum. Yared wird sich auch hier kümmern.

36. Familie Shemeles (4; Mutter und Tochter Alemnesh und Sohn Yonas and Abera)
[Im Video irrtümlich als Familie Agesse bezeichnet] Die noch junge Mutter Habtam (geb. 1984) ist HIV positiv und verdient – soweit es ihre gesundheitliche Verfassung zulässt – ca. 210 Birr monatlich mit Wascharbeiten. Tochter Alemnesh (geb. 2000) geht in die fünfte Klasse und bessert das Einkommen durch den Verkauf von Lotterielosen auf. Dies geht natürlich auf Kosten der Schularbeiten. Sie ist in der vierten Klasse auf Rang 28 von 54 SchülerInnen. Alemnesh ist HIV negativ. Sohn Yonas (geb. 2008) hat einen anderen (HIV positiven) Vater. Auf unseren Wunsch wurde Yonas nun getestet und er ist negativ! Die Mutter ist überglücklich; sie hatte zunächst nicht den Mut für einen Test.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Dieser Besuch entpuppte sich als echte Überraschung, da Mutter Habtam uns ihren zweiten Sohn Abera (geb. 2004, grade 1) vorstellte, der zuvor bei Verwandten auf dem Land gelebt hat. Mesfen muss hier noch einmal nachhaken, zumal die Mutter die Zeugnisse der Kinder nachreichen muss.
Besuch September/Oktober 2013:
Die Familie ist – abgesehen von der HIV Infektion der Mutter Habtam – wohlauf.
Das Zeugnis von Abera könnte besser sein; insbesondere der Leistungsabfall im zweiten Halbjahr sollte kompensiert werden. Alemnesh zeigt eine recht positive performance im vergleich mit dem Vorjahr, nach Auffassung der Lehrer könnte sie noch besser sein. Die Mutter ist allerdings Analphabetin und kann die Kinder diesbezüglich nicht fördern. Hier bietet sich auch ein Schultutorium an. Yared wird dies einleiten.
Besuch Dezember 2014: Die Familie hat einen neuen, etwas größeren Raum bezogen. Abera hat im letzten Schuljahr gut abgeschnitten (10/31) und sie möchte später einmal Ärztin werden. Sie braucht einige Schulbücher und ein Wörterbuch (Englisch/Amharisch). Alemnesh ist auf Rang 13/38, ein durchaus akzeptables Ergebnis. Sie benötigt Biologie- und Chemiebücher.

37. Familie Masresha (6; Eltern, Söhne Muluken, Alemayehu, Yabsra und Tochter Seritu)
[Im Video 2011/2012 irrtümlich als Familie Tareke bezeichnet] Mutter Abenet (geb. 1982)
Vater Masresha (geb. 1973), Tagelöhner, monatliches Einkommen ca. 250-300 Birr.
Die Eltern kamen vor 15 Jahren aus Gonder, um in Addis Arbeit zu finden. Zuerst lief es ganz gut. Seit fünf Jahren lebt die Familie aber in einer von Plastikfolien zusammengehaltenen Hütte. Eigentlich kann man nicht mehr von leben oder wohnen sprechen. Hier fehlt es an fast allem: sie haben keine Matratze und keine warmen Decken. Addis Abeba liegt auf über 2000m Höhe und nachts wird es empfindlich kalt.
Tochter Seritu (geb. 1999) lebt wegen häufiger sexueller Übergriffe in diesem Slum in der Hütte ihres Onkels an einem sicheren Ort. Sie geht in die fünfte Klasse
Die Söhne Muluken (geb. 2002) und Alemayehu (geb. 2004) gehen in die dritte und zweite Klasse. Der jüngste Sohn Yabsra wurde 2011 geboren. Die Mutter hat uns gegenüber versichert, dass keine weiteren Kinder geplant sind und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.
Trotz der mehr als widrigen Umstände sind die Kinder erfolgreich in der Schule und dies ist – ein besseres Umfeld vorausgesetzt – noch ausbaufähig.
Seritu ist die sechsbeste von 45 Schülern, Muluken der zweitbeste von 39 und Alemayehu der zwölftbeste von 59!
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Familie Masreshan hat uns in meiner Unterkunft besucht. Mesfen (geschweige denn ich selber) kann auch diese Familie nicht mehr in ihrer Hütte besuchen, da der Vermieter sofort Geld wittert und die Miete anhebt. Das Zeugnis von Seritu (Rang 6 von 64) und Muluken (4 von 50) ist sehr gut, das von Alemayehu (16 von 50) gut. Wir warten das nächste Zeugnis (nach Besuch des Schultutoriums) ab; vielleicht kommt eines der Masresha Kinder auch für die Akaki- oder Esperanza-Schule in Frage. Für alle Kinder muss eine Wolldecke, Kleidung und Schuluniformen gekauft werden.
Besuch September/Oktober 2013:
Ich habe dieses Mal die Familie unauffällig besucht. Alle sind wohlauf. Seritu ist in der Schule etwas abgefallen (11 von 53), aber immer noch gut, Muluken ist wieder sehr gut (5 von 40) und Alemayehu ist gleich gut geblieben (18 von 47). Die Kinder werden ein Schultutorium besuchen.
Besuch Dezember 2014: Der Familie Masresha geht es gut. Die Zeugnisse von Sohn Muluken (6/56) und Tochter Seritu (18/68) sind erfreulich ausgefallen, während Sohn Alemayehu durchschnittlich (26/52) abgeschnitten hat. Die Lehrer sind der Ansicht, dass Alemayehu mit mehr Einsatz bessere Leistungen abrufen könnte. Das habe ich auch angemahnt.

38. Familie Tereza (2; Mutter und Sohn Zerihun)
Mutter Sinke ist 35 Jahre alt (geb. 1976) und HIV positiv. Nach ihrem Bericht hat sie sich bei ihrem Ehemann vor ca. zehn Jahren infiziert. Der Mann ist vor acht Jahren verschwunden. Die Familie lebte im Westen von Addis in Ambo. Vor sieben Jahren ist die Mutter gemeinsam mit ihrem Sohn Zerihun (geb. 1997) nach Addis gekommen, um hier eine Arbeitsstelle zu finden. Sie leben in Akaki, einem Vorort von Addis Abeba. Die Mutter ist, wie die meisten Eltern in unserem Projekt, Analphabet. Sie verdient durch gelegentliches Wäschewaschen in der Nachbarschaft ca. 10 Birr am Tag. Der Junge geht in die neunte Klasse und erscheint sehr aufgeweckt. Er tauscht die Geldmünzen der Minibusfahrer in Geldscheine und bringt monatlich 200 Birr nach Hause. Natürlich kann er so nicht regelmäßig zur Schule gehen. Dennoch ist er von 60 Schülern auf Rang 21. Das ist sicherlich ausbaufähig.
Die Mutter möchte nicht zu Hause sitzen und auf unser Geld warten. Sie möchte einen kleinen Gemüsestand aufbauen oder in einem Beautysaloon (Friseurladen) arbeiten. Dazu benötigt sie eine kleine Ausbildung. Sie wird uns über die Kosten informieren und Mesfen wird dies kritisch prüfen. Wir haben bereits Erfahrung mit diesen Mikroinvestitionen. Zenash Derebe hat auch mit unserer Hilfe erfolgreich einen kleinen Gemüsestand aufgebaut und dies gibt den Frauen Selbstwertgefühl und ein kleines Einkommen.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mutter uns Sohn sind wohlauf. Das Zeugnis von Sohn Zerihun wird nachgereicht. Zerihun benötigt Schulbücher, Sportzeug, Schuhe und einen Satz Kleidung.
Besuch September/Oktober 2013:
Yared hat mit der Mutter gesprochen. Der Familie geht es gut und das Zeugnis von Zerihun ist positiv ausgefallen (17 von 46). Zerihun hat ein Englisc/Englisch Wörterbuch bekommen sowie Schule und ein Dress für den Sportunterricht.
Besuch Dezember 2014: Die HIV positive Mutter ist sehr anfällig für Krankheiten (z.Z. Gastritis, Magengeschwüre), aber der behandelnde Arzt kann nicht viel für sie tun. Das ist sehr traurig. Zerihun konnte sich erfolgreich am SOS-College für Fahrzeugtechnik einschreiben. Er ist ein stiller junger Mann, der sehr unter dem Schicksal seiner Mutter leidet. Seine Mutter wünscht sich nichts mehr, als dass Zerihun durch seine Ausbildung der unerträglichen Armut entkommt. Er gibt sein Bestes und wir unterstützen ihn dabei.

39. Helen Demilew
Helen (geb. 07.08.1983) lebt in Bahar Dar bei ihren Eltern.
Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Helen hat im Dezember 2012 eine zweijährige praktische Ausbildung zum Reparieren von Mobiltelefonen am Technical Training Institute in Bahar Dar beendet. Der Arbeitsmarkt erwartet aber auch theoretische Kenntnisse, so dass sie seit Januar 2013 am Senait Computer Training Institut (Bahar Dar) ihre Ausbildung vervollständigt.
Besuch September/Oktober 2013:
Helen hat ein schwieriges Jahr hinter sich (Malaria, Unfall) und sie musste ihre Ausbildung unterbrechen. Jetzt ist alles OK und sie hat den Unterricht wieder aufgenommen.
Besuch Dezember 2014: Helen geht es wieder gut und sie ist in allen Fächern „kompetent“. Somit geht sie erfolgreich in das nächste Studienjahr.

40. Familie Eredow (6; Vater Belete, Töchter Beziaho, Bethlehem, Macdes; Söhne Wendante, Nadnel)
Die Mutter ist 2007 an TB gestorben, eine Krankheit, die sich mit einem guten Antibiotikum gut heilen lässt. Aber hier fehlt es an den elementarsten Dingen (s. Video). Vater Belete arbeitet als Tagelöhner (wenn es Arbeit gibt) und verdient nicht mehr als 200 Birr monatlich. Mesfen hat diese Familie vor einer Kirche gefunden, wo die gesamte Familie um ihr Überleben bettelte. Geschlafen hat die Familie vor der Kirche. Mesfen hat dem Vater ab Juni 650 Birr zur Verfügung gestellt, was das Überleben gesichert hat. Auch hat der Vater mit diesem Geld (entspricht ca. 25 €) eine ärmliche Behausung gemietet. Decken oder eine Matratze gab es nicht. Die Kinder waren völlig erkältet und sahen nicht gut aus
Die Schulkassenzugehörigkeit wird noch von Mesfen geklärt. Die Zeugnisse sind wegen des gelegentlichen Schulbesuchs noch suboptimal. Hier erwarten wir jedoch Besserung, da alle Kinder sich auf einen regelmäßigen Schulbesuch freuen.
Töchter:
Beziaho, geb. 14.05.1999, grade 6
Bethlehem, geb. 05. 2005, Vorschule/Kindergarten
Macdes, geb. November 2008, Vorschule/Kindergarten
Söhne
Wendante, geb. September 2004, grade 1
Nadnel, geb. April 2007, Vorschule/Kindergarten
Wendante hatte einen Armbruch erlitten und die Bruchstelle ist schief zusammengewachsen; dies hat eine Schiefstellung des Unterarms zur Folge. Wir fördern diese Familie sechsköpfige Familie nun mit 1200 Birr (= 48 €) monatlich
Besuch September/Oktober 2013:
Der Vater hat es echt schwer, seine fünf Kinder zu betreuen. Anscheinend muss Beziaho den ganzen Haushalt führen, was natürlich zeitaufwendig ist. Diese Zeit fehlt dann für die Hausaufgaben. Die Zeugnisse aller Kinder sind nicht gut, allerdings fördern wir die Familie auch erst seit acht Monaten. Hier müssen wir noch etwas Geduld haben. Mit der Haushaltsführung müssen wir uns etwas einfallen lassen.
Vielleicht finden wir eine preiswerte Haushaltshilfe, so dass Beziaho entlastet ist.
Die Situation ist offenbar noch dramatischer, da der Vater offenbar an Lungenkrebs leidet. Yasin klärt gerade ab, ob es staatliche Unterstützung für Krebskranke gibt.
Besuch Dezember 2014: Die Diagnose Lungenkrebs hat sich Gott sei Dank als falsch herausgestellt. Wir wissen aber immer noch nicht die Ursache für die Schmerzen des Vaters im Brustbereich. Den fünf Kindern geht es gesundheitlich gut und sie gehen wirklich vertraut miteinander um. Die Kinder bekommen ausreichend zu essen und sie frieren nachts nicht mehr. Das Problem sind die durchschnittlichen bis eher schlechten Zeugnisse. Die Lehrer mahnen an, dass der Vater sich mehr um die Hausarbeiten der Kinder kümmern soll. Der Vater muss allerdings auch arbeiten (um eigenes Geld zu verdienen), die kleinen Kinder zur Schule bringen und abholen und er beteiligt sich auch am Haushalt. Das ist sicher nicht einfach, aber es muss eigentlich in der Schule besser laufen. Wir haben die älteste Tochter Beziaho gebeten, ihre jüngeren Geschwister zu unterstützen.

41. Familie Mossu (5; Vater Belete, Mutter Emebet, Töchter Yodit, Hanna, Sohn Woredework)
Der Vater Belete ist außergewöhnlich alt (68 Jahre alt; geb. 1944) und ist seit dem Kindesalter blind. Er hat sein ganzes Leben als Bettler verbracht und ist seit einer Infektion einer Wunde bettlägerig. Mutter Emebet ist 1982 geboren und arbeitet bei Gelegenheit als Wäscherin. Manchmal trägt Sohn Woredework seinen Vater auf dem Rücken zur nächsten Kirche, wo er ein paar Birr erbettelt.
Woredework hat bis zu unserer Förderung nachts als Parkwächter gearbeitet. Die Schule leidet natürlich, da der Junge morgens zur Schulzeit völlig übermüdet ist.
Insgesamt hatte die Familie ein monatliches Durchschnittseinkommen von ca. 250 Birr; zu wenig zum Leben – zu viel zum Sterben. Wir fördern diese Familie nun mit monatlich 1000 Birr, haben eine Matratze und Wolldecke gekauft sowie notwendige Kleidung
Besuch September/Oktober 2013:
Nachdem wir diese Familie nun seit ca. 10 Monaten fördern, haben sich die Dinge stabilisiert. Der Familie geht es gut und die Leistungen der Kinder liegen im Mittelfeld. Sohn Woredework beklagte sich über häufig ausfallenden Unterricht an der stattlichen Schule. Er möchte gerne auf eine leistungsstärkere Privatschule gehen. Woredework muss nun mit seinen Zeugnissen zu einer Privatschule und die Aufnahmekriterien erfüllen. Ich werde über den Ausgang seiner Bewerbung berichten und dann selber mit den Lehrern der Privatschule sprechen. Der Vater leidet unter einem kleinen Geschwür am Bein, das ihn ans Bett bindet. Er hat mittlerweile eine medizinische Behandlung erhalten und wir hoffen, dass er mittelfristig wieder mobil ist und zum Unterhalt der Familie beitragen kann.
Yodit (grade 6, Rang 33 von 54) legt ein passables Zeugnis vor und Hana geht noch in den Kindergarten.
Besuch Dezember 2014: Dem Vater geht es nach der kleinen Operation deutlich besser. Woredework, der älteste Sohn, ist ein vielversprechender Schüler, der zur Unterstützung der fünfköpfigen Familie fast vier Stunden am Tag arbeiten geht (Autowäsche, und weitere Hilfsarbeiten). So sehr ich seinen Einsatz schätze, würde ich es momentan besser finden, wenn er sich auf die Schule konzentrieren würde. Ich habe vorgeschlagen, für das nächste Jahr der Familie die von Woredework verdienten 240 Birr (ca. 9€) zur Verfügung zu stellen, damit sich der Junge voll auf den Unterricht konzentrieren kann. Momentan ist er auf Rang 11 von 35. Yodit konnte sich leider nicht verbessern. Laut Aussage der Lehrer benötigt sie elterliche Begleitung und Überprüfung. Das sagt sich leicht, aber die Eltern sind Analphabeten und die Kinder somit auf sich allein gestellt. Wir haben intensiv mit Yodit gesprochen und sie hat versprochen, mehr für die Schule zu arbeiten.

42. Familie Lemma (4; Vater Abera, Mutter Mamu, Tochter Tiringo, Sohn Esubalow)
Der Vater (geb. 1972) ist stark sehbehindert und kann kaum gehen. Er bettelt und verkauft ein paar Lotterielose. Die Mutter (geb. 1980) hat Diabetes und ist an das Bett gebunden.
Tochter Tiringo (geb. 27.05.1998, grade 7) musste mehr oder weniger den Haushalt führen und dem Vater zum Betteln führen. Da ist kein regelmäßiger Schulbesuch möglich und das Zeugnis fällt dementsprechend aus. Sohn Esubalow (geb. 08.05.2002) musste auch Lotterielose verkaufen. Mit vereinter Kraft kommen monatlich vielleicht 350 Birr zusammen.
Wir fördern diese Familie zunächst für ein Jahr und warten die Zeugnisse ab. Mesfen wird auch mit den Lehrern sprechen. Wir haben die Familie aber mit Kleidung, einer Matratze und Wolldecke ausgestattet.
Besuch September/Oktober 2013:
Die Mutter ist leidet schwer unter Diabetis und benötigt teure Medikamente (Glibenclamide). Yasin hat nun herausgefunden, dass die Behörden für die Kosten aufkommen, wenn sie Familie nachweisen kann, dass sie arm ist. Wir werden diese Angelegenheit verfolgen, denn die Medikation kostet 400 Birr pro Monat.
Die schulischen Leistungen der beiden Kinder sind in Ordnung.
Kurz nach meiner Abreise ist die Mutter leider verstorben und hier stellt sich nun auch das Problem der Haushaltsführung. Ansonsten muss die älteste Tochter diese Arbeit übernehmen, was zu Lasten der Schule geht. Diesbezüglich müssen wir mit 350 Birr monatlich (14 €).
Besuch Dezember 2014: Nach dem Tod der Mutter sind beide Kinder traumatisiert und in der Schule abgesackt. Sie wollen sich beide nun in der Schule anstrengen. Der Vater kann kaum noch sehen (und auch nicht arbeiten!) und wird nun einen Augenarzt aufsuchen. Wenn er wieder besser sehen kann, wird er auch die Hausaufgaben der Kinder kontrollieren können und auch arbeiten gehen. Damit kann er zumindest etwas zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und das gibt ihm nach dem Schicksalsschlag im letzten Jahr etwas Würde zurück.

46. Binyam (06.03.1994) und Bereket Wendemu (geb. 27.10.1992).
Siehe auch unter: Neu in die Förderung aufgenommene Studenten
Besuch September/Oktober 2013:
Bereket ist der Bruder von Binyam und beide sind Neffen von Bekelle, der seit 2008 nach Förderung durch unseren Verein eine gute Stellung am Hilton Hotel inne hat. Beide studieren Ingenieurswesen. Binyam erreichte in seinem letzten Zeugnis den Wert 3.6 von 4.0 möglichen Punkten, Bereket einen Wert von 3.1. Beide leben bei der Familie, aber die Transport- und Kopierkosten machen der Familie schwer zu schaffen. Wir haben die Aufwendungen für Bus und Kopieren überschlagen und fördern nun Binyam und Bereket mit 500 Birr monatlich. Ich habe nun beiden ein Labtop mitgebracht, das sie sehr gut für ihr Studium nutzen können.
Besuch im Dezember 2014: Binyam ist im 3. Studienjahr, Bereket ist im 4. Studienjahr von insgesamt 5. Mit zunehmendem Semester steigen die Leistungsanforderungen. Insofern freue ich mich über 3.68 (von 4) Punkten bei Bereket und 3.73 bei Binyam. Zurzeit unterstützen wir Binyam mit 2000 Birr, damit er einen Führerschein machen kann. Die andere Hälfte der Kosten übernimmt die Familie. Mit dem Führerschein erwirbt Binyam eine Zusatzqualifikation, denn ein Ingenieur muss mobil sein, auch in Äthiopien. Binyam war während meines Besuchs an der Universität.

47. Familie Mergia Dereje (4; Mutter Mekdes, Töchter Saron, Abigal und Santa)
Seitdem der Vater eine andere (jüngere) Frau kennengelernt hat, lebt die Mutter mit ihren drei Kindern alleine. Früher hat Mekdes als Kellnerin in einem Restaurant gearbeitet, aber sie kann nun nicht mehr den ganzen Tag arbeiten, da sie den Haushalt führen muss und sich um die Kinder kümmert. Sie arbeitet stundenweise als Wäscherin oder Putzfrau und verdient 300 Birr monatlich, was natürlich vorne und hinten nicht ausreicht. Die Kinder, deren Leistung bereits gut bis sehr gut ist (s.u.), brauchten dringend eine Wolldecke, Kleidung und Schulbücher.
Saron (geb. 16.08.1998), grade 7, Rang 5 von 38 SchülerInnen
Abigal (geb. 1999), grade 5, Rang 9 von 27 SchülerInnen
Santa (geb. 2003), grade 2, Rang 3 von 26 SchülerInnen
Besuch September/Oktober 2013:
Die Mutter arbeitet als Putzfrau (Lohn 500 Birr monatlich) und trägt somit zum Lebensunterhalt der Familie bei. Alle Kinder haben sehr gute Zeugnisse:
Abigal (12 von 58)
Saron (1 von ?)
Santa (4 von 49)
Saron konnte sich gut mir mit auf Englisch unterhalten. Ich bin der Meinung, dass wir diese Kinder unbedingt fördern sollten und wir haben sie zügig auf einer nahe gelegenen Privatschule angemeldet (Elbetel Schule). Diese Schule kostet pro Kind nun 6000 Birr pro Jahr. Ich schaue mir die nächsten Zeugnisse genau an und wir werden sehen, ob meine Einschätzung richtig war.
Besuch Dezember 2014: Die begabten Kinder sind nun ein Jahr auf der Privatschule und mussten wegen der höheren Leistungsanforderungen zunächst einmal Anschluss bekommen. Bei Saron ist dies voll und ganz gelungen. Sie ist die drittbeste Schülerin in der Klasse. Schwester Abigal konnte ihren Rang halten während die jüngste Schwester Santa etwas abgefallen ist. Hier mache ich mir keine Sorgen, denn die Kinder mussten sich erst einmal auf der neuen und leistungsstärkeren Schule einfinden. Saron wird sich auch um ihre jüngeren Schwestern kümmern. Ich habe den Kindern empfohlen, BBC zu hören und auch englische Bücher zu lesen. Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass alle drei Kinder Probleme mit dem Fach „Computer“ haben. Dies liegt wohl daran, dass sie nicht – wie ihre Mitschülerinnen – zu Hause am Computer üben können. Wir sollten in Erwägung ziehen, diese Familie mit einem Computer auszustatten. Das macht Sinn.


Ich möchte schließen mit einem herzlichen Dankeschön für euer/Ihr Vertrauen und den besten Wünschen für 2015.

Bleiben Sie / bleibt unserem Projekt auch weiterhin gewogen und helfen Sie/ helft bitte bei der Suche nach neuen Sponsoren.

Euer / Ihr

Klaus Mummenhoff

PS: Die Spendenbescheinigungen für 2014 werden Ende Januar /Anfang Februar 2015 per e-mail zugestellt.

Entsprechende Photos und Videos mit Bildunterschriften (Vor- und Nachnamen) werden dank Konstantins freundlicher Hilfe bald auf unserer Homepage („Wem wir helfen“ anklicken) hinterlegt sein.