33. Familie Destaw

(3; Mutter, Tochter Fasika und Sohn Eyob)
Die Mutter, Mamu Destaw, ist ca. 1963 geboren und kann nur noch mit Mühe an Krücken laufen. Dies ist die Konsequenz eines Unfalls als kleines Kind. Ein umstürzender Baum hat ihr die Beine gebrochen; dieser Bruch wurde aus Geldmangel nicht behandelt und die Knochen sind wohl schief zusammen gewachsen. Sie erbettelt vor einer Kirche ca. 15 Birr am Tag. Ihr Mann starb vor drei Jahren. Sohn Eyob wurde am 28.06.2007 geboren. Tochter Fasika ist 11 Jahre alt und geht in die sechste Klasse. Sie leidet an Epilepsie und kann somit nicht regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Aus diesem Grunde gehört sie eher zu den schwächeren Schülerinnen in der Klasse. Wegen der prekären finanziellen Situation bekommen die Kinder lediglich Brot zu essen. Wegen der besonderen Schwere des Falls möchte ich diesbezüglich mit Jutta de Muynck zusammenarbeiten. Jutta habe ich in Addis kennengelernt. Sie hat das MCRC (Mother and Child Rehabilitation Centre www.mcrc-addisababa.org/) gegründet und leitet es mit großem Engagement. Jutta arbeitet mit Ärzten und Psychotherapeuten zusammen. Das können wir so nicht leisten. Zunächst ist eine medizinische Untersuchung und entsprechende Behandlung vorgesehen. Später kann die Mutter vielleicht im Rahmen des MCRC beschäftigt werden. Hier wird Kleidung genäht und allerlei kleinere Produkte hergestellt und in einem eigenen Geschäft von den Müttern verkauft.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013:
In meinen ersten Gesprächen mit Jutta konnte ich sie noch nicht überzeugen, Mamu und ihre Tochter Fasika aufzunehmen. Linda van Alphen, die mich auch mit Jutta de Muynck bekannt gemacht hat, wird diese Gespräche nun führen und auch versuchen, die Familie Alemu (43) bei MCRC zu integrieren.
Sollte und dies nicht gelingen, wird Yasins Schwester uns einen guten Arzt empfehlen, der Fasika gut versorgen kann. Fasika zeigt trotz der regelmäßigen epileptischen Anfälle einen leichten Leistungsanstieg in der Schule. Sie spielt gerne und sehr erfolgreich Volleyball und sie ist von der Stadt Addis und der Regierung für ihre besonderen Leistungen ausgezeichnet worden. Auch hier fehlte Kleidung und eine Wolldecke. Eyob geht es gut und er besucht seit 2012 den Kindergarten (Vorschule).

 

Destaw Familie: Mutter Mamu, Tochter Fasika und Sohn Eyob (04.01.2012)


Stand 01.1.2012/29.01.2013


 

Besuch September/Oktober 2013:
Die Kapazitäten am MCRC sind leider begrenzt, so dass ich hier momentan keine Lösungsmöglichkeit sehe. Auch ist die Mutter sehr zurückhaltend, was eine medizinische Therapie angeht. Die von den Ärzten verschriebenen Epilepsie-medikamente haben angeblich sehr starke Nebenwirkungen, so dass man hier eher auf holy water (geweihtes Wasser) vertraut. Ich bin nun kein Mediziner und eine Beurteilung dieses Falles fällt mir schwer. Yasin hat uns eine gute Klinik empfohlen, aber wir können und wollen die Menschen ja nicht zwingen, dort hin zu gehen. Fassika zeigt trotzdem eine ansprechende Leistung in der Schule (27 von 41). Gerade im zweiten Schulhalbjahr ist eine deutliche Steigerung zu sehen (15 von 41), vielleicht ein gutes Zeichen für das nächste Zeugnis. Sie wünscht sich einen Volleyball, mit dem sie trainieren kann. Eyob ist nun sechs Jahre alt und sein Zeugnis weist 4 x A (sehr gut, 1 x B und 1 x C auf.


Stand 10.12.2013


 

Besuch Dezember 2014:
Die Epilepsieanfälle von Fasika nehmen zu (fast jeden zweiten Tag ein Anfall!) und das macht mir große Sorgen. Ich habe der Mutter dringend geraten, die von Yasins Schwester (Ärztin) empfohlene Klinik zu besuchen. Parallel werde ich nochmals mit Linda van Alphen sprechen und sie bitten, diese Familie bei MCRC (Jutta de Muynck, s.o.) unterzubringen. Diese Organisation verfügt über eigene Ärzte. Obwohl Fasika fast jeden zweiten Tag einen Anfall hat, konnte sie das Schuljahr doch erfolgreich abschließen. Sie spielt immer noch gerne Volleyball und würde sich sehr über einen Volleyball freuen, den wir ihr gerne geben. Bruder Eyob ist etwas besser als der Klassendurchschnitt und ich habe ihn ermahnt, intensiver für die Schule zu arbeiten. Die Mutter Mamu ist stark behindert und kann sich natürlich nur bedingt um ihre Kinder kümmern. Auch diesbezüglich wäre die Familie sehr gut bei MCRC aufgehoben.


Besuch Dezember 2015: Leider hat der MCRC eine Zusammenarbeit wg. Überlastung abgelehnt. Dies ist nicht das erste Mal und wir werden uns nun nicht mehr an diese Organisation wenden. Insgesamt erleidet Fasika weniger Anfälle und ihr Zeugnis ist besser geworden (18/30). Sie hat leichte Schwächen in Biologie und Chemie und für diese Fächer wird sie nun Fachbücher bekommen. Ihre Volleyballmannschaft hat im letzten Jahr einige nationale Turniere gewonnen und wir möchten ihr nun in Anerkennung ihrer besseren schulischen Leistungen einen Ledervolleyball schenken. Der Plastikball vom Vorjahr hat leider nicht lange gehalten. Bruder Eyob hat leider ein schlechteres Zeugnis als im Vorjahr vorgelegt und er muss sich nun dringend verbessern.


Besuch Dezember 2016: Der Familie geht es soweit gut. Eyobs Zeugnis ist insgesamt etwas besser als im letzten Jahr, was erfreulich ist. Allerdings ist er im Fach Englisch durchgefallen. Hoffentlich hilft hier die mitgebrachte Englischlektüre. Fasika hat leider das National Exam nicht bestanden. Offenbar hat sie zu viel Zeit in den Volleyball investiert. Sie gehört allerdings zu den besten Spielerinnen in Addis und nimmt demnächst an einem internationalen Turnier teil. Sie hofft hier auf einen Kontakt zu einem ausländischen Club, der sie möglicherweise verpflichtet. Wegen der schwachen Leistung in der Schule steht sie nun unter Beobachtung. Momentan besucht sie ein College und studiert „Accounting“. Yared wird ihr Zwischenzeugnis genau analysieren und wir entscheiden dann, wie es weiter geht. Die Familie steht auch deshalb unter Beobachtung, weil sie die Note „Betragen“ im Zeugnis von Eyob plump geändert hat. Das geht so natürlich nicht.

 

2014 Mutter Sohn Eyob und Tochter Fasika 2012 Destaw Familie Mutter Mamu Tochter Fasika Sohn Eyob 2012 Destaw Familie Mutter Mamu Tochter Fasika Sohn Eyob