Protokoll der Jahresmitgliederversammlung des Vereins zur Förderung äthiopischer Schüler und Studenten e.V.

Sitzungsart: Jahresmitgliederversammlung Online
Datum: 30.11.2021 19:00 – 20:30,
Teilnehmer: Anwesend:
Hermann Albers
Barbara Bensmann
Gabriele Brümmer
Michael Gassel
Bernhard Klenke
Werner Lindwehr
Klaus Mummenhoff (im Text KM)
Siegmund Schmikale
Verteiler: Alle Förderer und Sponsoren
TOP Thema / Inhalt
1./ 2. Begrüßung und Feststellung der Tagesordnung:
Der erste Vorsitzende (Klaus Mummenhoff = KM) begrüßt im Namen des Vorstands pünktlich um 19:00 Uhr die Anwesenden und stellt die Tagesordnung vor. Die Tagesordnung wird einstimmig angenommen. Es wird festgestellt, dass keine weiteren Tagesordnungspunkte eingebracht werden.
3. Bericht des Vorstandes
Die geplante Reise nach Addis Abeba für das Frühjahr 2021 fand aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht statt.

Die politische Entwicklung in Äthiopien ist zurzeit extrem unsicher. Äthiopien wurde 1995 per Verfassung zu einem «ethnischen Bundesstaat», in dem den verschiedenen Ethnien weitgehende Selbstbestimmungsrechte zugesprochen wurden. Kleinere Minderheiten wurden dabei jedoch nicht berücksichtigt, ihre Autonomiebestrebungen wurden unterdrückt. Es gab immer Spannungen zwischen den einzelnen Regionen, aufgrund von Gebietsansprüchen und ethnischen Rivalitäten. Bis heute ist es schwierig, das Konfliktpotenzial auszubalancieren. Der zunehmende Machtanspruch der TPLF (Tigray People’s Liberation Front oder Volksbefreiungsfront von Tigray) führte ab etwa 2015 zu großen Protesten, bei denen Hunderte getötet und Tausende verhaftet wurden. Anfang 2018 trat der damalige Ministerpräsident Hailemariam (Tigray) zurück. Auf ihn folgte der jetzige Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed, der erste Oromo an der Regierungsspitze.

Die drei größten ethnischen Gruppen sind Oromo (ca.17 Mio.) Amharen (ca.16 Mio.) und Tigray (ca.3,3 Mio.), es gibt über 70 verschiedene Ethnien in Äthiopien, manche zählen nur eine Handvoll Menschen.

„Im August 2020 wurde die eigentlich turnusmäßig anstehende Parlamentswahl durch die äthiopische Regierung und die äthiopische Wahlkommission um ein Jahr verschoben, mit der offiziellen Begründung, dass eine reguläre Wahl unter der grassierenden COVID-19-Pandemie nicht möglich sei. Die in der Region Tigray regierende TPLF war nicht einverstanden. Die TPLF kündigte an, dass die Wahlen zum Regionalparlament von Tigray abgehalten würden und warf Premierminister Abiy Ahmed vor, die Amtsgeschäfte „illegitim“ zu führen. Danach verschärften die Spannungen zwischen Regional- und Zentralregierung. Die Regierung von Tigray betonte ihr Recht auf „Selbstbestimmung und Selbstregierung“ und ließ Aufmärsche, auch mit schweren Waffen bewaffneten Polizeikräfte in den Orten der Region abhalten. Nachdem eine regionale Armeebasis in Tigray durch Sicherheitskräfte der Regionalregierung übernommen worden war, ordnete Premierminister Ahmed am 5. November 2020 eine Militäroffensive gegen Tigray an. Über Tigray wurde ein sechsmonatiger Ausnahmezustand verhängt und die Telefon-, Strom- und Internetverbindungen (und Lebensmittellieferungen, Anmerkung) nach Tigray wurden unterbrochen. Am 2. November 2021 wurde infolge der Verschärfung des Bürgerkriegs der landesweite Ausnahmezustand ausgerufen“. (Info: wikipedia.de vom 02.12.2021)
Premierminister Ahmed hat nun, nach Informationen von Duke, die Stadtbevölkerung von Addis Abeba zur Bewaffnung aufgefordert. Bewaffnete Tigrayaner stehen etwa 200 km vor Addis, offenbar um die Stadt einzunehmen. Die Situation ist auf beiden Seiten sehr aufgeheizt und geprägt durch nationalistische und rassistische Strömungen, in dessen Folgen der Zivilbevölkerung viel Leid zugefügt wurde.

Unsere Schützlinge blieben weitestgehend verschont. Eine Studentin wurde verhaftet und war für einige Zeit verschwunden, ein weiterer Student wurde an seiner Uni von hinten mit einem Messer angegriffen. Beide sind nun in Sicherheit.
Universitäten und Schulen sind in den betroffenen Regionen derzeit geschlossen. Das heißt, es gibt keine Zeugnisse. Duke ist angehalten, soweit möglich, die Unterlagen zu beschaffen. Der Verein unterstützt selbstverständlich weiterhin alle in die Förderung aufgenommene Personen.
In den letzten 18 Monaten haben insgesamt acht Student*innen das Studium z.T. mit Auszeichnung beendet und einen Job bzw. eine Anschlussfinanzierung gefunden und scheiden nun aus der Förderung aus (zur Identifizierung der Schützlinge über Nummern siehe Berichte auf der Homepage):

Fasika (# 33) hat ihre Weiterbildung in Buchführung erfolgreich abgeschlossen und arbeitet in einem Hotel in der Buchführung.

Helen(# 52) hat ihr Bachelorstudium (accounting) beendet. Sie hat einen Job in einem Hotel in Bahar Dar im Rechnungswesen.

Ruth (# 58) hat ihren Bachelor in Computerwissenschaft und Informatik bestanden und hat ein EU-Erasmus Stipendium für „Medizinische Bildgebung und Anwendungen“ in Frankreich (seit Aug.2021 dort), Italien und Spanien erhalten.

Yimenashu (Nr.59) hat nach Abschluss ihres Bachelorstudiums als Ingenieurin eine Dozentenstelle im Fachbereich Technik an der Universität Debre Birhan.

Hamelmal (# 62) ist nach ihrem Bachelor Studium in Biologie als Assistenzdozentin an der Uni in Debre Birhan beschäftigt.

Merewa (# 63) hat ihr Bachelorstudium (Computer Science) mit der der exzellenten Note (3.75 von 4 möglichen Punkten) abgeschlossen. Sie macht gerade ein bezahltes Traineeprogramm bei Ethiopian Airlines mit dem Berufsziel Aeronautical information management officer.

Bethelhem Alemu (# 65) hat ihr Bachelorstudium (Medizin, Anästhesie) erfolgreich abgeschlossen und sie arbeitet nun als junior lecturer an der Universität von Arba Minch im Süden Äthiopiens.

Tewodros (# 70) arbeitet nach seiner Fortbildung als Tourist Guide in Lalibela, seiner Heimatstadt.

Die finanziellen Zuwendungen an die Schützlinge erfolgen nach wie vor regelmäßig. Duke hat zu allen Schützlingen weiterhin Kontakt und auch KM hat zu einigen Student*innen E-Mail Kontakt. Eine Reise nach Äthiopien muss allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

4. Bericht des Kassenwarts
Der Kassenwart Siegmund Schmikale stellt den Kassenbericht und die GuV Berechnung für das Jahr 2020 vor.
5. Bericht des Kassenprüfers
Die Prüfung erfolgte durch den Kassenprüfer Bernhard Klenke und wurde am 30.11.2021 sachlich und rechnerisch richtig gezeichnet.
6. Entlastung des Vorstandes
Nach dem Vortrag des Vorstandes wurde die Entlastung des Vorstands beantragt. Die Entlastung erfolgte einstimmig.
7. Haushaltsplan siehe Punkt 8
8. Jahresplanung/ Vorschau auf Vereinsaktivitäten
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die den Verein mit ihren regelmäßigen Spenden fördern. Diese Einnahmen sind die finanzielle Grundlage für die Aufrechterhaltung der monatlichen Unterstützung unserer Schützlinge.
Besten Dank auch an alle, die mit außergewöhnlichen Zuwendungen unsere Arbeit unterstützen. Dies sind sowohl Einzelpersonen mit ihren Aktivitäten (wie z.B. Flohmärkte) als auch Zuwendungen durch private Anlässe (Geburtstage), deren Erlöse gespendet werden. Aber auch ein großes Dankeschön an die Unternehmen, die immer wieder Beträge überweisen.
Geplante Aktivitäten (soweit unter der Maßgabe von Bürgerkrieg und Corona möglich):

  1. Die Universität in Debre Birhan hat zusammen mit dem ehemaligen Doktoranden von KM (Said Mohammed Hassen, jetzt dort Professor) eine Liste von 15 Bachelor Studentinnen zusammengestellt, die gute Note aufweisen und gleichzeitig extrem wenig Geld zur Verfügung haben, um sich Bücher, Schreibmaterial aber auch Toilettenartikel oder Kleidung leisten können. Eine Unterstützung durch unseren Verein würde die angespannte Lebens- und Lernsituation entscheidend entschärfen. Die Liste soll geprüft und ausgesuchte Studentinnen gefördert werden. Derzeit ist die Universität kriegsbedingt geschlossen.
  2. In der Nähe von Debre Birhan befindet sich die Dibut-Schule. Es gibt dort z.T. keine Fenster in den Klassenräumen, viele Räume haben kein Mobiliar zum Sitzen und Lernen. Wesentlich ist jedoch, dass es dort keinen Wasseranschluss gibt. Die Kinder müssen Wasser von zuhause mitbringen, d.h., sie laufen zum Teil sehr lange und müssen zusätzlich ca. 5l Wasser tragen. Der Ort für die Toilette ist eine lose zusammengenagelte Wellblechhütte.
    KM hat Said gebeten, mit dem Bürgermeister Kontakt aufzunehmen, auch Unternehmer wurden von ihm bereits aufgesucht. Es liegt nun ein erster Kostenvoranschlag vor. Der Bürgermeister ist bereit, die Kosten für die Bohrung zu übernehmen, wenn wir die Kosten für die technische Anlage (Pumpen, Wasserreservoir etc.) tragen.
    Vor dem Hintergrund der explosiven politischen Lage ist es im Moment sicherlich nicht sinnvoll, dieses Projekt zu verfolgen (Verwüstung, Zerstörung, Diebstahl von z.B. Solarpumpe, etc. nicht auszuschließen). Erst nach Entschärfung der Situation können konkretere Planungen erfolgen, die Finanzierung geprüft und eine Ortsbegehung durchgeführt werden. Berücksichtigt werden sollten auch die Kosten für Wartung und Instandhaltung.
    Siegmund wird einen Bekannten ansprechen, der eventuell als Sponsor für das Gesamtprojekt gewonnen werden könnte.
9. Verschiedenes
Keine Wortmeldungen
Ende der Sitzung um 20:20 Uhr

Protokollantin: G. Brümmer