P5: Biologische Dekontamination von speziellen organischen Abfällen (Kaffeeschalen, Rosen) und Herstellung von hochwertigem Kompost

Besuch Dezember 2018: Initiator dieses Projektes ist mein Kollege Dr. Gezahegn von der DBU. Er ist Zoologe und er betreut auch das Projekt Kreislaufwirtschaft: Hühner-Fische-Gemüse der Universität von Debre Birhan. Bei Verarbeitung von Kaffeefrüchten werden nur die eigentlichen Kaffeebohnen berücksichtigt, das weiche Fruchtfleisch sowie die Hülle (husk) um die Bohnen (ca. 50 % der Ernte) werden i.d.R. nicht benötigt und es fallen große Mengen an organischem Abfall an, alleine in Äthiopien 192000 Tonnen pro Jahr! Dieses organische Abfallprodukt ist aber problematisch, enthält es doch für die Natur toxische Tannine und Phenole. Bislang gibt es weltweit noch keine befriedigende Lösung für die Entsorgung der gigantischen kontaminierten Kaffeeabfallprodukte. Gezahegn hat nun in langjährigen Versuchen herausgefunden, dass bestimmte Regenwürmer (Eisenia fetida, E. andrei, Dendrobaena veneta) überaus erfolgreich diese kontaminierten Abfalle zu hochwertigem Kompost umwandeln (coffee husk compost = CHC). Dabei entsteht aus 100 kg Kaffeeschalen 50kg Kompost.
Ähnliche Resultate ergab die Kompostierung von Rosenpflanzenabfällen unter Einsatz der oben angegebenen Würmer. Entsprechender Kompost erwies sich als Wachstums hemmend gegenüber parasitischen Boden-Nematoden, die als Hauptschädlinge in Rosenkulturen in Äthiopien gelten. Äthiopien hat mittlerweile Kenia und lateinamerikanische Länder als Hauptexporteur von Rosen überholt und es fallen riesige Mengen an organischem Abfall an. Wird der Kaffeeabfall andersartig kompostiert und dieser Kompost wieder den Kaffeepflanzen zugeführt, kommt es immer wieder zu Infektionen der Pflanzen mit der sog. Kaffeefruchtkrankheit (Kaffeerost, coffee berry disease), eine Infektion mit dem Pilz Colletotrichum kahawae. Nach ersten Erkenntnissen erfolgt bei Düngung mit dem speziellen Kompost aus Gezahegns Projekt eben keine Infektion der Kaffeepflanzen. Eine win-win Situation für alle Beteiligten!
Auch hier könnte die spezielle Kompostierungsmethode von Studierenden der DBU weiter optimiert werden. Ich stehe derzeit in regem Austausch mit Gezahegn und wir arbeiten Möglichkeiten aus, wie Studierende in dieses Projekt integriert werden können und somit auf eigenen Füßen stehen können.