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Bericht über meinen Besuch in Addis (10.10.09 – 15.10.09)
Insgesamt unterstützen wir 25 Kinder, Jugendliche und Studenten. Dazu kommen noch 14 weitere Familienmitglieder.
1.Ahmed Bodiya (m, 18) besucht die Schule in Kemissie, im muslimischen Norden Äthiopiens. Er geht in die 11. Klasse. Seine Familie gehört zum Volk der Afar und sie leben in dem kleinen Dorf Dawe, im Nordosten Äthiopiens, in Grenznähe zu Eritrea, Djibouti und Somalia. Nach seinem letzten Zeugnis sind seine Leistungen tadellos. Da er nicht in seinem Heimatdorf eine höhere Schule besuchen konnte, lebt er nun in Kemissie. Wir fördern ihn mit 600 ETB monatlich (= 33 €) für Unterkunft, Essen und Schulbedarf. Genau so wie unser Verein ihn heute unterstützt, möchte er später seiner Familie und anderen Bedürftigen helfen.

2.Bezawit Aregawi (w, 7) ist im ersten Schuljahr. Sie ist mit ihrer Mutter nun in einen Vorort von Addis gezogen, wo die Miete für einen kleinen Raum niedriger ist. Der Vater ist vor Jahren verschwunden und die Mutter war nicht in der Lage, mit ihrem geringen Lohn als Waschfrau das Überleben zu sichern. Mit unserer Unterstützung kann Bezawit nun sorgenfrei zur Schule gehen. Die Mutter möchte uns etwas in ihrer amharischen Muttersprache sagen: ” Ahun beki migeb enagegn’alen, Bezawit timaralech , ende diro bemigib itret ataleksm misgana l’ Dirijitu” In freier Übersetzung heißt das “ Nun haben wir genug zu essen und Bezawit muss nicht mehr vor Hunger weinen; dank der Unterstützung kann sie sogar zur Schule gehen“. Das erste Zeugnis weist Bezawit als eine exzellente Schülerin nach. Bislang hat Familie Aregawi 500 ETB monatlich bekommen. Anlässlich der dramatischen Preissteigerung für Lebensmittel haben wir diesen Betrag – auch für die anderen Familien – auf 650 ETB erhöht, das sind monatlich ca. 36 € für Unterkunft, Essen, Schulgebühren und sonstiger Schulbedarf.

3. Emebet Negussu ist ein aufgewecktes Mädchen (9), das zusammen mit ihrer kleinen Schwester Hanna (1) und ihren Eltern lebt. Der Vater ist blind und ging betteln. Emebet trug zum Einkommen der Familie bei, indem sie Lotterielose verkaufte. Sie erst kam erst abends nach Hause und an regelmäßigen Schulbesuch war nicht zu denken. Unser Verein hat sie von der Straße geholt und Emebet kann nun zur Schule gehen. Der Vater muss nun nicht mehr betteln und die Mutter kann durch kleine Tätigkeiten in der Nachbarschaft zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Ich habe auch hier unseren Beitrag auf 650 Birr monatlich erhöht (s. Begründung oben). Familie Negussu ist sehr glücklich, auch weil wir dem Vater einen besuch beim Augenarzt ermöglicht haben. Er weiß nun, dass er sein Augenlicht nie mehr erlangen wird, aber er ist glücklich darüber, dass jemand an ihn gedacht hat. Emebet ist jetzt in die dritte Klasse gekommen und sie ist eine gute Schülerin. Die Vermieter haben der Familie wegen Eigenbedarf den Raum mit 15 tägiger Frist gekündigt. Glücklicherweise hat Duke innerhalb von wenigen Tagen ein neues Zimmer in der Nähe gefunden.

4.und 5. Eyob Yohannes (7, m) und sein Bruder Kidus (5, m) leben zusammen mit ihrer Mutter Meseret. Eyob geht in die Schule und Kidus zum Kindergarten. Meseret arbeitet weiterhin in der Wäscherei des Taitu Hotels. Es ist ihr sehr wichtig, dass die Jungs sehen, dass ihre Mutter zum Lebensunterhalt beiträgt. Eyob gehört zu den besseren Schülern in der Klasse. Eyob möchte später gerne Fußballspieler warden, Kidus Arzt. Ich habe den Jungs einen Fußball gekauft, was zu Freudensausbrüchen führte.

6. Genet Asnake (18, w) hat das nationale Examen an der Akaki-Schule bestanden und geht jetzt in die sog. Vorbereitungsklasse für die Universität. Besteht sie im nächsten Jahr auch das zweite Nationalexamen, kann sie die Universität besuchen. Genet möchte später Psychologie studieren und den Mädchen helfen, die – wie sie damals – am Abgrund der Prostitution stehen.

7. Gizachew Degefe (19, m). Ebenso wie Genet hat Gizachew das nationale Examen bestanden und bereitet sich in der Vorbereitungsklasse auf die Universität vor. Obwohl Gizachew manchmal mit der Disziplin auf Kriegsfuß steht, gehört er zu den besten Schülern seiner Klasse.

8. Habil Erku (17, w) besucht die 7. Klasse und sie lebt zusammen mit ihrer Mutter Serkalem. Der Vater starb vor langer Zeit und die Mutter ist HIV positiv und kann somit nur kleine und unregelmäßige Arbeiten übernehmen. Dies ist ihr sehr wichtig. Sie möchte nicht nur von Almosen leben. Bevor wir die Verantwortung übernahmen, befanden sich die beiden in einem Teufelskreis. Serkalem war oft krank und die Tochter hat sie gepflegt, aber genau deswegen konnte Habil auch nicht zur Schule gehen. Ihr Zeugnis weist sie als eine der besten Schülerinnen ihrer Klasse aus.

9. Helen Negussie (25, w). Unser Verein hat Helen einen mehrmonatigen Kurs für Hotel- und Restaurantfachkräfte finanziert. Momentan hat Sie nun eine Anstellung in einem kleinen Restaurant.

10. Hermela Girma (6, w) gehört zu unseren Schützlingen der ersten Stunde. Wenn ich sie besuchen komme, stürmt sie heran und fällt mir um den Hals. Hermela kommt bald in die Schule und sie freut sich darauf. Ihre Mutter Abebech ist auch sehr herzlich. Sie arbeitet als Putzfrau und sie hat alles im Griff. Von den früher nicht zu übersehenden Zeichen von Unterernährung und daraus resultierenden Mangelerkrankungen ist nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Hermela ist sehr lebhaft und vital.

11. Israel Manaye (m,19) studiert Englisch an der Mekelle Universität im Norden Äthiopiens. Letztes Jahr habe ich ihm ein Laptop (Spende von Sabine) mitgebracht, das ihm für seine Studien sehr nützlich ist. Er bedankt sich ausdrücklich für dieses Geschenk.

12. Kalkidan Araya (8, w) ist gerade in die zweite Klasse gekommen. Sie zählt zu den aufgeweckten Schülerinnen. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter Emebet jetzt in Nazreth, ca 100 km von Addis entfernt. Emebet ist HIV positiv und kann nur bedingt arbeiten. Emebet lässt ausrichten, dass sie sehr glücklich über die Unterstützung des Vereins ist.

13. Kidist Desalegn (17, w) besucht die 8. Klasse auf der Akaki-Schule. Sie möchte später einmal Krankenschwester werden. Momentan hat sie ein Augenproblem, dass sie nun von einem Facharzt untersuchen lässt.

14. und 15. Lilina Fekadu (11, w) geht in die 4. Klasse und ihre Schwester Maklit (7) in die zweite. Lilena möchte gerne Biologielehrerin werden, Maklit Englischlehrerin. Ihr Vater arbeitet als Fahrer und die Mutter versorgt den Haushalt. Das Gehalt des Vaters reicht aber gerade für Essen und Wohnen; Schulgebühren und Schulmaterialien für Lilena und ihre Schwester Maklit übernehmen wir.

16. 17. Meramawit Wondwossen (w,7) geht in die erste Klasse 1, ihre Schwester Tsewon (14) in die 7. Klasse. Laut ihren letzten Zeugnissen sind beide sehr gute Schülerinnen. Sie leben zusammen mit ihrer Großmutter Lakesh Amenu (76), die Verantwortung für ihre Enkelkinder übernommen hat.

18. Tirunesh Getahun (17, w) kam einst vom Land nach Addis. Da sie dort nicht regelmäßig zur Schule gehen konnte, ist sie momentan erst in der 7. Klasse. Sie besucht ebenfalls die Akaki-Schule. Ihre Leistungen sind durchweg gut.

19. Yalemwork Mengiste (13, w) besucht die 4. Klasse und sie ist auch etwas „spät“ dran. Allerdings ging sie vor 2 Jahren noch in die 1. Klasse und hat dann wegen ihrer guten Leistungen eine Klasse übersprungen. Sie möchte später Ärztin werden. Sie lebt zusammen mit ihrer Schwester Belaynesh und deren Kind Kalkidan (3,w). Belaynesh arbeitet als Putzfrau in einem Hotel und trägt mit ihrem geringen Einkommen von 150 BIRR (weniger als 19 €) monatlich zum Einkommen bei.

20. Yared Demilew (21,m) studiert an der Universität von Bahar Dar Journalistik und Kommunikation im zweiten Studienjahr. Er möchte später ein kritischer Journalist werden. Wir bezahlen die Studiengebühren und die Transportkosten zur Uni.
21. Yasin (25, m) promoviert an der Universität Hamburg über Konfliktforschung am Horn von Afrika. Yasin kommt nun für seine letzten beiden Monate nach Hamburg, um dort im Dezember seine Dissertation zu verteidigen. Ab Januar 2009 hat Yassin eine Stelle an der Universität von Samara.

22. Ephrem (17, m) ist ein Schüler in Bahar Dar, der zuvor von Frau Tischer (Straßburg) unterstützt wurde. Frau Tischer möchte Ephrem in der Obhut und Kontrolle unseres Vereins sehen und macht seit zwei Monaten bei uns mit.

23. Girma Nestanet (38, m) ist Familienvater mit 3 Kindern und Grundschullehrer Er möchte sich an der Adama Universität weiter qualifizieren und an einer höheren Schule unterrichten. Mittlerweile hat Girma seinen Bachelorabschluß erhalten und hat eine neue Anstellung bekommen.

24. Weynhareg Debalke (19, w) ist neu bei uns im Projekt. Sie stammt aus Wolkite im Süden von Äthiopien. Sie lebt mit ihrem Bruder bei ihrer Mutter; der Vater ist in den Wirren nach dem Krieg mit Eritrea ums Leben gekommen. Weynhareg arbeitet ganztägig als Kellnerin und nur in ihrer Freizeit (abends, Wochenende) kann sie zur Schule gehen. Sie möchte sich weiter qualifizieren und mehr Zeit für die Schule haben. Yasin versucht gerade, ihr einen Halbtagsjob in einem Hotel zu besorgen, sodass sie den halben Tag zur Schule gehen kann. Wir unterstützen sie mit 350 Birr (20 €) monatlich.

25. Bizunesh (20, w) habe ich zunächst neu in unser Projekt aufgenommen. Sie stammt aus Addis Amba in der Region Wollo. Ihre Eltern waren arme Bauern, die nach einer verheerenden Viehseuche alles verloren haben und nach Addis Abeba gekommen sind. Dort arbeitete der Vater 10 Jahre lang als Nachtwächter für 100 Birr monatlich. Als Bizunesh 8 Jahre alt war, starb ihre Mutter an Malaria. Der Vater konnte diesen Verlust nicht verkraften und verfiel der Trunksucht. Bizunesh wurde zu ihrer Tante gebracht, wo sie als Hausbedienstete arbeitete. Das Versprechen, sie zur Schule zu schicken, löste die Tante nicht ein. Somit ging Bizunesh zurück aufs Land zu ihrem Großvater, wo sie nur sporadisch eine (sehr schlechte) Schule besuchen konnte, da sie immer wieder bei der Landarbeit helfen musste. Bizunesh ist sehr engagiert und intelligent und ich möchte sie auf eine gute Schule in Addis schicken. Sie hat die Vision, später als Anwältin die weiblichen Opfer männlicher Gewalt zu vertreten. Bizunesh ist in die 9. Klasse eingestuft worden. Da sie kein Einkommen hat, unterstützen wir sie mit 550 Birr monatlich.

Weitere Aktivitäten und Planungen
Medizinische Unterstützung:
Frau Dr. Astrid Böhm aus Rheine war so freundlich, Vitaminpräparate für Äthiopien zur Verfügung zu stellen. Ungefähr ein Drittel der Proben ist von Ali Mekla Dabala, dem lokalen Mitarbeiter der Organisation TARGET, im Norden von Äthiopien an Bedürftige verteilt worden. Das zweite Drittel habe ich vor allem den Familien mit kleinen Kindern gegeben und das letzte Drittel lagert bei Duke in Addis und wird später verteilt werden.

Förderung der Infrastruktur in einer Schule:
Am 14.10. habe ich mit Duke die staatliche Fasil-Schule in Addis aufgesucht, die von 600 Schülern besucht wird. Nach Rundgang und Diskussion mit den Lehrern besteht dringender Bedarf an Büchern für die Bibliothek sowie für die Ausstattung eines Klassenraumes für den naturwissenschaftlichen Unterricht (Laborgeräte und Reagentien, einfache Messgeräte). Man kann nicht Biologie, Chemie oder Physik ohne entsprechende Ausstattung unterrichten. Dies kann ich als Naturwissenschaftler nur unterstreichen. Die Fachlehrer sowie die Bibliothekarin wurden aufgefordert, eine Aufstellung und Angebot der essentiellen Ausstattung für den naturwissen-schaftlichen Unterricht sowie die wichtigsten Bücher vorzulegen. Duke wird dann anhand dieser Liste ein Vergleichsangebot einholen. Der Investitionsrahmen liegt ungefähr bei 2000 €. Ich werde das weitere Vorgehen mit dem Vorstand abstimmen

Unser neuer Flyer – Einwerbung weiterer Paten / Spenden: Wie aus den angehängten Texten hervorgeht, leidet Äthiopien seit zwei Jahren unter einer der höchsten Inflationsraten Afrikas (41%). Das bedeutet, dass sich Grundnahrungs-mittel drastisch verteuert haben. Ich möchte das am Brotpreis deutlich machen. Der hat sich nämlich innerhalb von 2 Jahren verzehnfacht, von 0.2 Birr auf 2 bis sogar 2.5 Birr. Vergleichbares gilt für andere Nahrungsmittel und tägliche Verbrauchsgüter. Ich habe aus diesen Gründen die monatlichen Beträge für unsere Schützlinge um 20-25% angehoben. Das gleicht noch nicht einmal den Wertverlust aus.
Mithilfe von Konstantin Obolenski (high standArt media) haben wir nun eine gelungene Infobroschüre gestaltet. Dank Dieter Tiemanns guten Kontakten konnten wir Christian Wulff als Schirmherren gewinnen, und MdB Martin Schwanholz, ein Förderer der ersten Stunde, protegiert uns ebenfalls. Mein herzlicher Dank geht an beide sowie an Konstantin und Dieter! Meine Hoffnung ist nun, dass wir mit unserer Infobroschüre weitere Paten gewinnen und Einmalspenden einwerben können. Wir hatten auf unserer letzten Vereins-versammlung folgende Strategie besprochen:
Wir wünschen uns von jedem Mitwirkenden im Projekt, dass er/sie mit Hilfe der Infobroschüre, dem Inhalt der Homepage und den regelmäßigen Berichten ein engagiertes Gespräch mit 5 Personen (Freunde, Bekannte, Nachbarn, Geschäfts-partner) führt mit der Zielsetzung einer (Teil)Patenschaft (erste Präferenz) oder Einmalspende. Diese Flyer werden Euch/Ihnen innerhalb der nächsten 14 Tage zugestellt.

Schließlich möchte ich mich bei allen Förderern für das entgegengebrachte Vertrauen und allen, die aktiv mitgearbeitet haben, für eine engagierte Zusammenarbeit danken. In diesem Zusammenhang möchte ich insbesondere unserem Mitarbeiter vor Ort in Addis (Duke) und Horst Grabow für die penibel genaue Buchführung danken.
Allen wünsche ich eine besinnliche Adventszeit, ruhige Weihnachtstage und auch Erfolg bei der Ausbreitung unserer Idee.

Mit den besten Grüßen
Euer/Ihr

Klaus Mummenhoff