[Bericht als Download]

Osnabrück, im Januar 2018
Bericht über meine Reise nach Addis Abeba (Dezember 2017)
1 € = 31 äthiopische Birr
DB = Debre Birhan, Universitätsstadt ca. 120 km NW von Addis

Liebe Sponsoren, Paten und Förderer unseres Äthiopienprojektes,

in Bezug auf die Entwicklung und Zukunftsplanung des Vereins möchte ich euch/Sie auf das Protokoll unserer Jahresversammlung 2017 verweisen, das allen zugestellt wurde. In diesem Bericht werde ich die neu in die Förderung aufgenommenen Studierenden sowie förderungswürdige Projekte im Zusammengang mit Aus- und Weiterbildung vorstellen, und schließlich die neueste Entwicklung der von uns geförderten Kinder / Jugendlichen / Familien erläutern.

Allgemeines: Auch im Jahr 2017 haben sich die Lebensbedingungen leider nicht verbessert. Da ist zum einen die stetige Inflation, die leider nicht vom wieder erstarkten Euro aufgefangen wird. Andererseits wird wegen des ständigen Zuzugs aus ländlichen Regionen der Wohnraum in Addis rar und die Mieten steigen rasant. Auch hat sich die politische Lage im Jahr 2017 nicht beruhigt. Es gibt zwar keine Auseinandersetzungen nahe und in Addis, aber im Nordwesten ist es sehr unruhig. Ursache ist die aus Sicht der Bevölkerungsmehrheit ungerechte Verteilung der Machtverhältnisse sowie das leidige Problem ethnischer Auseinandersetzungen. Eine Minderheit (Tigray, ca. 6% der Bevölkerung) und die entsprechende Partei (EPRDF) besetzt sämtliche (!) Sitze im Parlament und stellte bis vor kurzem alle Minister. Bedingt durch die gewaltsamen Unruhen mit über tausend Toten wurde dann aber das Kabinett umgebildet und andere Ethnien beteiligt, die Schlüsselressorts verbleiben aber weiterhin fest in der Hand der EPRDF. Da bleibt nur die Hoffnung, dass die EU und die USA entsprechenden Druck aufbauen und die Demokratie zu schützen.

Duke und sein Bruder Yared führen weiterhin gemeinsam das Tagesgeschäft unseres Vereins vor Ort und beide ergänzen sich sehr gut.

Laptops, Kleidung etc.: Ich habe dieses Mal 2 Laptop, 2 Mobiltelefone, Englisch sprachige Bücher und ca. 40 kg Kleidung mitgenommen. Dazu kam reichlich Kleidung von Linda und Jost (Lufthansa), Jost hat zusätzlich noch 2 Laptops nach Addis gebracht. Herzlichen Dank an alle (Maria & Maria, Marianne & Freundinnen, Linda, Jost, etc.), die Kleidung etc. zur Verfügung gestellt haben!

Mittel- und langfristige Förderstrategie: Wir halten auch zukünftig an unserer Strategie „Fördern“ und „Fordern“ fest. Schüler und Studenten, die sich nicht an die Regeln halten, werden ermahnt, dann verwarnt und bei weiteren Verstößen von der Förderung ausgeschlossen. Nur so können Yared und Duke ihre Aufgaben neben dem Studium bewältigen.

Etablierung eines Netzwerkes in Addis: Hier bleiben wir am Ball, aber es braucht Zeit. Ein solches Netzwerk ist wichtig, wenn wir unseren Schul- und HochschulabsolventInnen bei der Suche nach einer guten Stellung helfen wollen. Immer mehr Hochschulen setzen eine zunehmende Zahl graduierter Absolventen frei und diese drängen auf den (begrenzten) Arbeitsmarkt. Leider greift Vetternwirtschaft immer weiter um sich und Beziehungen zu Entscheidungsträgern werden immer wichtiger. Über den Vorsitzenden des Deutsch-Äthiopischen Vereins (Hussein Ali Sherif), Linda van Alphen (trifft auf Flügen nach Addis immer wieder Geschäftsleute) und Kollegen an der Universität von Addis und DB bin ich mit einigen Personen in Kontakt getreten, die mir ihre Unterstützung zugesagt haben.

Technische Bemerkungen zum nachfolgenden Bericht: Zur besseren Übersicht habe ich nun Informationen über Parteien aus dem Bericht entfernt, die nicht mehr unter die Förderkriterien fallen, die aus disziplinarischen Gründen aus der Förderung genommen wurden, oder sich nicht mehr gemeldet haben bzw. verschwunden sind.

Der Bericht befasst sich (1) zunächst mit erfolgreich geförderten Personen, widmet sich dann (2) den neu in die Förderung aufgenommenen / zur Förderung vorgeschlagenen Studierenden bzw. Studienprojekten (P1, P2…) an der Universität von Debre Birhan, bevor ich dann (3) auf die aktuellen Entwicklungen der seit Jahren unterstützten Familien/Schüler und Studierenden eingehe.

Mittlerweile sind 17 von uns geförderte Personen in Lohn und Brot oder anderweitig versorgt, und dies sind für uns sehr gute Nachrichten:

13. Kidist Desalegne. Kidist (geb. 12.06.1993) geht in die 11. Klasse der Adventist-Akaki-Schule (Internat). Kidist möchte später gerne Krankenschwester werden. Sie steht momentan vor wichtigen Klausuren. Sie möchte in den Sommerferien freiwillig einen Englisch-Sprachkurs besuchen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Ein solches freiwilliges Engagement sollten wir fördern.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Kidist ist zwar immer noch sehr schüchtern, hat sich aber sehr gut entwickelt. Auf ihrem Zeugnis zu grade 11 hat sie einen Notenschnitt von 3.6 (4.0 ist die Bestnote). Im nächsten Schuljahr wird sich entscheiden, ob sie auf die Universität gehen kann. Ich bin hier sehr zuversichtlich. Um dieses Ziel auch sicher zu erreichen, haben wir für Kidist Fachbücher, einen wissenschaftlichen Taschenrechner und anderes Schulmaterial gekauft. Da offenbar in der Akaki- und Esperanza Schule gestohlen wird (Aussage der zuständigen Lehrer), haben wir Kidist einerseits die gestohlenen Sachen (Decke, Schuhe) ersetzt und andererseits wird sie einen verschließbaren Spind erhalten. Weiterhin benötigte sie Sportkleidung für den Sportunterricht und einen Satz „Zivilkleidung“. In den kommenden Sommerferien wird sie definitiv einen freiwilligen Englischsprachkurs belegen. Kidist hat als Kind schwere Verbrennungen am ganzen Körper erfahren und benötigt eine Spezialsalbe, die ein Arzt verschreiben wird.

Besuch September/Oktober 2013: Kidist geht es gut. Sie ist sehr fleißig und weiterhin auf Universitätskurs (score 67/100). Wir unterstützen ihren Eifer und beschaffen wichtige Lehrbücher (Chemie, Biologie, Mathematik, Physik).

Besuch Dezember 2014: Kidist konnte aufgrund ihres guten Schulabschlusses an der Akaki Schule ein Zahnmedizinstudium am Atlas College aufnehmen. Die zuvor sehr schüchterne Kidist ist mittlerweile eine selbstbewusste junge Dame, die bei ihrer Tante wohnt. Wie im einleitenden Teil meines Berichtes erläutert, habe ich in Ersatzvornahme für alle Studierenden (College und Universität) nunmehr einen realistischen Betrag für Transport, Fotokopien und Taschengeld ausgewiesen.

Besuch Dezember 2015: Kidist studiert auch weiterhin erfolgreich Zahnmedizin. Dank der Unterstützung von Maria & Maria konnte ich von einem mit den beiden Marias befreundeten Zahnarzt neues Zahnarztbesteck mitbringen. Kidist war hocherfreut. Diese Instrumente helfen ihr nicht nur bei ihrem Studium, sondern sie möchte mit diesem Besteck gleich nach ihrem Examen eine eigene Zahnarztpraxis eröffnen. Ich werde sie fragen, wie wir das benötigte Instrumentarium komplettieren können und hoffe hier wieder auf die Unterstützung von befreundeten Zahnärzten.

Besuch Dezember 2016: Kidist hat ihr zweites Studienjahr mit größtmöglichen Erfolg abgeschlossen und sie befindet sich nun im letzten Studienjahr. Sie wird voraussichtlich im August 2017 ihr Zahnmedizinstudium abschließen an absolviert zurzeit auf freiwilliger Basis Praktika in renommierten Zahnkliniken in Addis. Sie leidet aber immer noch unter den starken Verbrennungen, die sie auch bei der Arbeit behindern. Sie wird diesbezüglich einen Hautarzt aufsuchen.

Besuch Dezember 2017:Kidist hat ihr Studium der Zahnmedizin 2017 mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen und sie arbeitet nun in einer Zahnarztpraxis in Shashamene, ca. 250 km südöstlich von Addis. Außer Kidist arbeiten noch in der Praxis der Eigentümer (Manager), eine Assistentin und eine Rezeptionistin. Kidist steht nun nach vielen Jahren der Unterstützung auf eigenen Beinen!

 

49. Dawit Mamo. Er war Lehrer an der Fasil Schule, mit dem wir sehr eng und gut kooperiert haben. Die Regierungspartei nimmt immer mehr Einfluss auf das öffentliche Leben und versucht nun auch, Schlüsselpositionen im Lehrbereich zu besetzen. In diesem Zusammenhang ist Dawit durch einen linientreuen Parteigenossen ersetzt worden, der kein Interesse hat, mit unserem Verein weiter zusammenzuarbeiten. Er arbeitet bei einer non-profit NGO (worldwide orphans foundation Ethiopia) und er möchte ab Februar 2016 ein dreijähriges Masterstudium (human ressources and organisational development) an der AA University absolvieren. Er bittet uns, die Studiengebühren zu übernehmen, die sich auf 8000 Birr (ca. 360 €) pro Jahr belaufen, da er mit seinem schmalen Gehalt gerade einmal für die Lebenskosten für Frau und ein Kind aufkommen kann.

Besuch Dezember 2016: Ich habe mit Dawit telefoniert und es geht ihm gut. Er wird seine Masterarbeit im Mai 2017 abgeben und erlangt damit seinen Masterabschluss. Momentan arbeitet er neben seinem Studium an einer Privatschule (Fountain of Knowledge). Sollte er an dieser Schule bleiben, wird er mit einem Masterabschluss eine höhere Position mit entsprechendem Gehalt einnehmen können.

Besuch Dezember 2017:Dawit hat sein Masterstudium im Jahr 2017 erfolgreich abgeschlossen und er arbeitet nun dank seiner Weiterqualifizierung als Managing Director für die NGO „Hope For Children“ in Addis Abeba (http://www.hopeforchildrenethiopia.org/). In seinem Verantwortungsbereich liegt u.a. die Leitung und Verwaltung von drei Schulen.

 

16. Familie Manaye (2; Mutter und Sohn Israel). Israel ist 22 und er hat vor kurzem sein Englischstudium an der Universität von Mekelle erfolgreich abgeschlossen. Nachdem er zunächst bei einer NGO praktiziert hat, ist er nun fest eingestellter Lehrer an der Abuna Gorgorium Schule. Seine Mutter litt neben einer Herzinsuffizienz offenbar auch an einer ernsthaften Magen-/Darmerkrankung. Sie ist mittlerweile operiert worden und ihr geht es wieder gut. Wir haben uns an den Kosten beteiligt; den Rest hat Israel von seinen ersten Bezügen bezahlt. Israel studiert parallel zu seiner Lehrertätigkeit den Studiengang Master of Education an der Universität von Addis. Dieses Studium (2.5 Jahre) finanziert er von seinem Gehalt und qualifiziert ihn für Lehrertätigkeiten an höheren Schulen.

Besuch Dezember 2015: Ich habe Israel getroffen und es geht ihm und seiner Mutter sehr gut. Mittlerweile hat er das Masterstudium abgeschlossen und er arbeitet als Lehrer. Unsere Mission war erfolgreich und er kann seine Familie nun ernähren.

Besuch Dezember 2016: Ich habe Israel kurz getroffen und er hat sich zu einem stattlichen Mann entwickelt. Er ist Lehrer, mittlerweile verheiratet und hat ein eigenes kleines Heim gemietet.

 

19. Mawcha Gebrekidan. Mawcha ist 21 Jahre alt und sie hat gerade ein 12-monatiges Catering Training absolviert. Wenn sie eine Stelle findet, möchte sie im Hotelgewerbe arbeiten. Sie will unbedingt arbeiten und ihr eigenes Geld verdienen. Ich hoffe, dass wir sie unterbringen können. Allerdings ist sie nun hochschwanger (ein „Unfall“, sagt sie), was die Dinge nicht leichter macht. Zumindest steht der Vater des Kindes zu ihr und trägt 300 Birr zur Haushaltskasse bei.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mawcha hat mittlerweile einen Sohn bekommen (Kalab, geb. 06.12.2011). Yasin und auch Bekelle versuchen eine Stelle für Mawcha in einem Hotel zu finden. Allerdings muss das Gehalt über 500 Birr liegen, denn ansonsten fressen alleine die Bustransportkosten das Gehalt vollständig auf. Aber im Hilton Hotel kann sie mit Trinkgeld möglicherweise auf 1000 Birr kommen. Ihr Mann hat sein Studium (orthodoxe Theologie) beendet und er hospitiert momentan unentgeltlich in einer Kirche. In gut einem Jahr soll er dann als Priester in den Kirchendienst übernommen werden und spätestens dann endet unsere Förderung.

Besuch September/Oktober 2013: Mawcha hat Yared bei einem nicht angekündigten Besuch seinerzeit mitgeteilt, dass ihr Ehemann vorübergehend eine Stelle als Lastkraftfahrer angenommen hat und monatlich verdient 2000 Birr. Ich halte die Ehrlichkeit von Mawcha in Ehren, aber momentan braucht diese Familie unsere Unterstützung nicht.

 

23. Weynhareg Debalk ist 21 Jahre alt. Sie hat früher im Taitu-Hotel für 250 Birr monatlich gearbeitet. Sie hat nun einen Job in einem anderen Hotel gefunden und verdient nun 400 Birr. Hier hat ihr ein Englischsprachkurs nach Feierabend geholfen, den wir finanziert haben. Woynhareg macht zurzeit eine Art Fernstudium nach ihrer Arbeit und möchte das Abitur nachholen.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Hareg arbeitet zurzeit im Churchill Hotel. Parallel hat sie in einem Fernstudium (Alfa Distance Education) grade 10 nachgeholt und vor allem ihre Englischkenntnisse verbessert, die für die Arbeit in internationalen Hotels wichtig sind. Ab Oktober 2012 qualifiziert sie sich parallel zu ihrer Arbeit gezielt weiter und sie besucht das Royal College mit dem Schwerpunkt accounting (Buchhaltung).

Besuch September/Oktober 2013: Weynhareg arbeitet zurzeit im Monaco Hotel bei einem Gehalt von 400 Birr. Sie ist von ihrem alten Arbeitgeber (Churchill Hotel) gekündigt worden, da sie eine Woche krankheitsbedingt entschuldigt nicht arbeiten konnte. Was für ein rückständiges System – wer krank wird, fliegt raus. Parallel zu ihrer Arbeit besucht sie abends am Royal College das Fach Accounting (Buchhaltung).

Besuch Dezember 2014: Weynhareg hat wohl auch aufgrund ihrer guten Ausbildung einen gut ausgebildeten (Universitätsabschluss) äthiopischen jungen Mann geheiratet, der in einem großen Hotel arbeitet. Weynhareg hat im Sommer ein Baby bekommen, möchte aber ihre Ausbildung gerne beenden. Wenn es soweit ist, werden wir sehen, wie wir sie weiter unterstützen können. In jedem Fall prüfen wir auch, wieviel ihr Mann zur Ausbildung beitragen kann.

Besuch Dezember 2015: Aufgrund ihrer guten Ausbildung (Buchhaltung, Gastronomie) hat Weynhareg nun einen kleinen Laden eröffnet (Getränke, Gemüse, Obst; s. Fotos), der bereits im ersten Jahr gut läuft und etwas Gewinn abwirft. Hier hat sich unsere Unterstützung ausgezahlt und die kleine Familie steht auf eigenen Füßen.

Besuch Dezember 2016: Ich habe Weynhareg kurz getroffen. Ihre Tochter ist mittlerweile 2 Jahre alt und sie ist nun wieder schwanger. Sie hat Kinderkleidung bekommen. Der kleine Laden läuft gut, da sie das Angebot erweitert hat und sich ihr Geschäft somit von der Konkurrenz absetzt. Sie und ihr Mann haben es geschafft!

 

26. Dr. Yasin Mohammed Yasin. Yasin ist nach seiner Promotion in Politikwissenschaften an der Universität Hamburg im Dezember 2010 wieder nach Addis zurückgekehrt. Zunächst hat er an einem College unterrichtet, seit Mitte 2011 arbeitet er für IGAD (Intergovernmental Authority on Development). Zu den Prioritäten der IGAD gehört eine verbesserte Kooperation humanitärer Angelegenheiten innerhalb der IGAD Mitgliedsstaaten Djibouti, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Somalia, Sudan und Uganda, um die regionalen Kapazitäten im Katastrophenrisikomanagement zu stärken. Yasin zahlt ab Januar 2012 in monatlichen Raten die Förderung durch unseren Verein zurück. Ferner wird er unserem Verein weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen. Vor allem hoffe ich, dass er uns durch seine Kontakte bei der Vermittlung von Schul- oder Universitätsabsolventen helfen kann. Eine Schwester von ihm ist promovierte Juristin, eine andere ist Ärztin und gerade aus den USA nach Addis heimgekehrt. Die Schwestern werden uns in medizinischen und juristischen Fragen beraten

 

29. Familie Mehari (3, Eltern und Tochter Helena). Im Jahr 2009 erlitt die Familie einen finanziellen Einbruch durch die ständigen Arztrechnungen für Tochter Helena. Ihr Mann Mehari ist ein tüchtiger Schreiner, fand aber nur unregelmäßig Arbeit. Wir haben mit dieser Familie einen neuen Weg beschritten. Wir haben dieser Familie ein Startkapital in Höhe der üblichen jährlichen Förderung für eine mehrköpfige Familie (12 X 650 Birr) zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld hat Mehari eine kleine Werkstatt gemietet und ein paar Werkzeuge sowie eine elektrische Säge gekauft. Und es hat geklappt! Mehari konnte 2010 und 2011 für die Familie sorgen; ich finde dies ist ein gutes Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe.

 

30. Helen Negusa. haben wir zwei Jahre unterstützt (Ausbildung Hotel und Cateringservice). Sie hat daraufhin eine Stelle in einem Hotel bekommen und dort einen amerikanischen Staatsbürger kennengelernt, den sie dann geheiratet hat. Helen lebt seit Ende 2010 in den USA, hat 2011 ein Kind bekommen und lässt unserem Verein per e-mail die besten Wünsche und ein herzliches Dankeschön für die Förderung zukommen. Helen hat sich noch einmal 2016 aus den USA gemeldet, unserem Verein alles Gute gewünscht und sich nochmals herzlich für unsere Unterstützung bedankt.

 

43. Familie Alemu (2; Mutter Tapharow, Tochter Betty). Wir haben die Mutter und ihre behinderte Tochter Betty nun fast ein Jahr unterstützt, aber wir können nichts Weiterführendes für das Kind tun, denn wir haben einfach nicht die entsprechenden Betreuungsmöglichkeiten. Ich habe mit Jutta de Muynck Kontakt aufgenommen. Momentan ist leider kein freier Platz vorhanden, aber ich bin hier zuversichtlich. Jutta hat das MCRC (Mother and Child Rehabilitation Centre www.mcrc-addisababa.org/) gegründet und leitet es mit großem Engagement. Jutta arbeitet mit Ärzten und Psychotherapeuten zusammen. Hier könnten Mutter und Kind medizinisch und psychologisch betreut werden.

 

45. Samuel Ergebelew Lantidru. Mesfen, der in der Nachbarschaft zu Samuel lebt und ihm ab und zu etwas Essen gibt, hat mir seinen Fall schon letztes Jahr geschildert. Samuel (geb. 23.06.1994) kam 2007 nach dem Tod seiner Eltern aus Debre Birhan nach Addis. Er hat dort keine Verwandten und ist völlig auf sich alleine gestellt. Er muss für etwas Essen und eine Schlafstätte den ganzen Tag arbeiten. Abends geht er dann, wenn er nicht zu schwach und hungrig ist, zur Schule. Er ist grade 10 und seine Leistungen befriedigend, was bei seiner Lebensweise auch nicht wirklich überrascht, denn er hat de facto keine Zeit zum Lernen. Samuel brennt darauf nach Erreichen von grade 11 eine praktische Ausbildung am Building Electric Installation College zu beginnen. Er macht auf mich einen sehr ehrgeizigen Eindruck und er wird diese Chance nutzen.

Besuch September/Oktober 2013: Mittlerweile besucht er erfolgreich im zweiten Jahr das Building Electric Installation College. Samuel wird wohl Ende 2014 das College abschließen. Duke und Yared haben sämtliche Angaben von Samuel direkt am College überprüft. Samuels Zeugnis liegt Yared mittlerweile vor und wird mir in Kürze gesendet.

Besuch Dezember 2014: Samuel hat mit einem guten Ergebnis die Ausbildung (Building Electrical Installation) beendet. Auch in Äthiopien werden solche praktischen Fachkräfte gesucht und es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis er eine gute Stellung bekommt.

 

46. Binyam (06.03.1994) und Bereket Wendemu (geb. 27.10.1992). Besuch September/Oktober 2013: Bereket ist der Bruder von Binyam und beide sind Neffen von Bekelle, der seit 2008 nach Förderung durch unseren Verein eine gute Stellung am Hilton Hotel inne hat. Beide studieren Ingenieurswesen. Binyam erreichte in seinem letzten Zeugnis den Wert 3.6 von 4.0 möglichen Punkten, Bereket einen Wert von 3.1. Beide leben bei der Familie, aber die Transport- und Kopierkosten machen der Familie schwer zu schaffen. Wir haben die Aufwendungen für Bus und Kopieren überschlagen und fördern nun Binyam und Bereket mit 500 Birr monatlich. Ich habe nun beiden ein Laptop mitgebracht, das sie sehr gut für ihr Studium nutzen können.

Besuch im Dezember 2014: Binyam ist im 3. Studienjahr, Bereket ist im 4. Studienjahr von insgesamt 5. Mit zunehmendem Semester steigen die Leistungsanforderungen. Insofern freue ich mich über 3.68 (von 4) Punkten bei Bereket und 3.73 bei Binyam. Zurzeit unterstützen wir Binyam mit 2000 Birr, damit er einen Führerschein machen kann. Die andere Hälfte der Kosten übernimmt die Familie. Mit dem Führerschein erwirbt Binyam eine Zusatzqualifikation, denn ein Ingenieur muss mobil sein, auch in Äthiopien. Binyam war während meines Besuchs an der Universität.

Besuch Dezember 2015: Ich habe Bereket angetroffen, während Benyam wegen einer wichtigen Lehrveranstaltung nicht abkömmlich war. Benyam ist nun im vierten und vorletzten Studienjahr mit einem tollen Zeugnis (3.46 von 4 Punkten). Bereket ist im letzten (fünften) Studienjahr und kann ebenfalls mit einem sehr guten Zeugnis aufwarten (3.33 von 4). Beide wollen den Masterstudiengang entweder in Addis oder in Deutschland bzw. in Europa absolvieren. Ich habe Bereket erläutert, dass es nicht einfach ist, ein Stipendium und ein Visum zu bekommen und dass unser Verein eine komplette Förderung im Ausland nicht übernehmen kann. Aber auch mit einem Masterabschluss in Ingenieurswissenschaften an der Uni Addis Abeba haben Absolventen hervorragende Chancen im Lande. Hier mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

Besuch Dezember 2016: Bereket hat im Juli sein Studium beendet und sofort einen Job in einem Bauunternehmen (Demissie Begashaw Construction) gefunden. Er wird zunächst einige Zeit dort arbeiten und eventuell später ein Masterstudium in diesem Fach aufzunehmen. Binyam ist in seinem letzten Studienjahr und er kann wieder ein sehr gutes Zeugnis vorlegen. In dieser Familie ist unsere Förderung wirklich gut angelegt.

Besuch Dezember 2017:Nun hat nach Bereket auch sein jüngerer Bruder Binyam sein Bachelorstudium an der Universität Addis Abeba (Institute of Technology) mit Auszeichnung abgeschlossen. Die beiden Brüder haben im Sommer 2017 ein eigenes Bauunternehmen gegründet und sie stehen nun auf eigenen Füßen. Ein großer Erfolg, auch für uns.

 

48. Abraham Zleke. Abraham (geb. 1986) musste 2006 nach dem Tod seiner Eltern die Schule verlassen. Er leidet am Grünen Star und eine Erblindung droht, wenn nicht operiert wird. Er würde sehr gerne wieder zur Schule gehen, denn er schlägt sich seit sechs Jahren durch. Zunächst als Tagelöhner und sie die Augen schlechter wurden, lebt und schläft er in einer Kirche auf dem nackten Boden. Etwas Essen bekommt er von Kirchgängern. Wir haben ihm Kleidung, Decke und Matratze zur Verfügung gestellt und er soll nach einer Augenoperation den Schulbesuch wieder aufnehmen. Yasin bespricht mit seiner Schwester (die Ärztin in Addis ist), in welchem Krankenhaus diese Standardoperation am besten durchgeführt werden kann.

Besuch September/Oktober 2013: Nach einem Besuch beim Augenarzt bekommt Abraham nun eine Brille. Damit ist er überhaupt in der Lage, einem Schulunterricht zu folgen. Zum nächstmöglichen Einstiegstermin wird Abraham die Schule besuchen.

Besuch Dezember 2014: Abraham hat sich in diesem Jahr anders entschieden und er hat eine praktische Ausbildung in einem Beauty Salon absolviert, die ihm offenbar großen Spaß gemacht hat. Er arbeitet mittlerweile hier und ist gut zufrieden.

 

50. Alemtsehay Siyoum (14.11.1990) hat einen Schulabschluss (Klasse 12) und möchte nun eine praktische Ausbildung an einer Fachschule für Gesichtspflege beenden, die sie zuvor aus Geldmangel abgebrochen hat. Sie will gleichzeitig einige Stunden in der Woche arbeiten, kann sich aber die Schulgebühren und die teuren

Materialien nicht leisten. Wir waren mit ihr an der Schule, haben sie registrieren lassen und haben alle Angaben überprüft.

Besuch Dezember 2016: Nachdem sie das einjährige Trainingsprogramm am Biogenic Skin Care & Massage Institute absolviert hat, hat sie eine Stellung in einem Beauty Saloon gefunden und steht nun auf eigenen Füßen. Ein schöner Erfolg für sie, aber auch für uns.

 

55. Helen Negussie (1990) Wir unterstützten Helen seit meinem kurzen Besuch in Addis (Zwischenstopp auf meiner Dienstreise nach Südafrika) im März 2016.

Besuch Dezember 2016: Vor kurzem hat sie ihre Ausbildung am Catering & Tourism Institute abgeschlossen und bereits einen Job als Advisor des Servicepersonals in einem Restaurant bekommen. Mit Trinkgeld beläuft sich ihr durchschnittliches monatliches Gehalt auf 4000-5000 Birr. Damit steht Helen nun auf eigenen Füßen.


Für zukünftige Förderung vorgesehene/seit kurzem geförderte Personen:

Wie bereits im Mai 2017 in einem Zwischenbericht erläutert, habe ich neben Likimset (53) fünf weitere hochbegabte und bedürftige Studentinnen an der Universität von Debre Birhan (DB) in die Förderung (800 Birr monatlich) aufgenommen. Das Büro für Gleichstellung und Soziales der Universität von Debre Birhan (DB) hat uns diese fünf Studierenden zur Förderung vorgeschlagen, wobei folgende Kriterien berücksichtigt wurden: Bedürftigkeit, Ehrlichkeit, Studieneifer sowie Leistungsvermögen.

Alle Kandidatinnen haben mehr als 3.5 Punkte (von 4 möglichen erreicht) und weisen damit sehr gute Leistungen nach! Alle fünf Studentinnen sind an der Universität als bedürftig registriert. Für alle Studierende sind zwar Kost und Logis auf dem Universitätscampus frei, aber die Qualität des Essens ist suboptimal (wenig Proteine und Vitamine). Für alle zusätzlichen Bedürfnisse (Fotokopien, Bücher, Schreibzeug, Papier, Transport, persönliche Hygiene, Früchte, Kino, etc.) bekommen sie vom Gleichstellungsbüro einen monatlichen Betrag von 100 Birr (= ca. 3€). Trotz einer höheren Kaufkraft in Äthiopien sind wir uns wohl alle einig, dass man mit 3€ im Monat nicht auskommen kann. Auf Anfrage nach ihrem monatlichen Bedarf haben diese Studierenden Beträge zwischen 500 und 900 Birr monatlich angegeben. Von März bis November 2017 haben wir diese 5 Studierenden mit einem monatlichen Betrag von 800 Birr gefördert.

 

57. Maregitu Andebet, geboren 29.07.1995 in Meket Woreda, Vater und Mutter sind frühzeitig verstorben. Maregitu hat 2 Brüder und 2 Schwestern und sie ist bei den Großeltern aufgewachsen bis die Großmutter während ihres10 Schuljahres starb. Da kein sicheres Familieneinkommen vorlag, haben Freunde und Lehrer die begabte Maregitu bis zur Hochschulreife unterstützt, und mit Studienaufnahme (Bachelor Natural Resource Management) erfolgte eine Förderung (100 Birr monatlich) durch das Büro für Soziales und Gleichstellung der Universität von Debre Birhan. In den Ferien arbeitet Maregitu und verdient sich etwas dazu. Später möchte Maregitu ein Masterstudium „Agroforestry“ anschließen.

 

58. Ruth Kehali, geboren 17.05.1998 als mittlere von drei Schwestern. Nach dem Tod des Vaters im Alter von sechs Jahren musste die Mutter bis spät abends arbeiten. Die Kinder waren somit tagsüber auf sich alleine gestellt. In dieser einsamen Zeit entwickelte Ruth ihr technisches und elektronisches Interesse, indem sie kaputte elektrische Geräte auseinanderbaute und die Funktionsweise untersuchte. Weil die Mutter die Miete nicht zahlen konnte, musste die Familie für Monate auf der Straße leben, bis sich wieder ein preiswerter Raum fand. Trotz dieser widrigen Umstände schloss Ruth das National Exam mit 93% Erfolg, gewann ein Stipendium für eine private Schule und erlangte schließlich mit 4 von 4 möglichen Punkten die Hochschulreife (beste Note in der Schulgeschichte). Wegen ihrer exzellenten Leistung hätte Ruth auch eine Universität in den USA besuchen können, aber das Stipendium hat nicht alle Kosten gedeckt. Momentan studiert sie mit sehr großem Erfolg (3.92 von 4 Punkten) an der Universität DB Computer Science im ersten Studienjahr. Ich bin mir sicher, dass diese begabte Studentin – bei entsprechender Förderung – eine große Zukunft vor sich hat. Sie spricht fließend Englisch und sie engagiert sich für leistungsschwächere Studierende.

 

59. Yemenashu Nigusse, geboren 25.08.1995 in Debre Birhan. Sie hat 6 Brüder, die Mutter war Hausfrau und der Vater arbeitete als Tagelöhner, bis sich die Eltern trennten. Für sechs Jahre besuchte sie die Baso Schule in Debre Birhan (diese Schule wird von uns gefördert; s. S. 9) und ging dann auf die Debre Birhan General Seconday School bis zur Hochschulreife. Während der Schulzeit kam die Mutter mit ihren sieben Kindern mehr schlecht als recht durch. Seit 2014 studiert Yemenashu nun das Fach „Civil Engineering“ und sie unterstützte gemeinsam mit ihren Brüdern ihre Mutter, die herzkrank war und schließlich 2016 verstarb. Bis März 2017 kümmerte sich einer ihrer Brüder um sie, aber die finanziellen und dann auch psychologischen Probleme nahmen zu. Wie soll man auch mit 100 Birr monatlich zurechtkommen? Mit unserer Unterstützung seit März 2017 geht es Yemenashu besser und dies spiegelt sich auch in Ihrem Zeugnis wider. Mit 3.66 Punkten(von 4) zeigt sie die beste Leistung im gesamten Fachbereich.

 

60. Kuri Yimenu Gebra, geboren 03.02.1990 in Ankober-Dorefo (Amhara Region, Nord Shoa). Mutter und Vater sind frühzeitig verstorben und Kuri wuchs mit ihren 3 Brüdern und 4 Schwestern auf. Von ihren Geschwistern konnte nur ihr älterer Bruder die Schule abschließen, während alle anderen Geschwister ohne Schulabschluss einfachsten Tagelöhner Tätigkeiten (Waschen, Putzen, Tragen, Tiere hüten etc.) nachgehen. Kuri konnte die Hochschulreife nur durch enormen Fleiß in der Schule und zusätzliche Arbeit erwerben. Seit Studienbeginn (Geologie; 3.61 von 4 Punkten) an der Universität von DB wird sie vom Büro für Soziales und Gleichstellung mit 100 Birr monatlich unterstützt. Aber wer kommt mit 3 € monatlich für alle Kosten (Lernbedarf, Schreibstifte, Bücher, Fotokopien, Seife und Hygieneartikel, Früchte, Tee/Kaffee, Transport etc.) außer Kost und Logis aus?

 

61. Mahider Aweke, geboren 21.09.1996 in Dera-Wutemera (Region Gonder). Die Eltern sind einfache, arme Bauern und Mahider ist das sechste von 7 Kindern (2 Schwestern, 4 Brüder). Zwei Brüder und Schwestern sind verheiratet und sie leben wie ihre Eltern als einfache Bauern. Die restlichen Geschwister konnten weiter die Schule besuchen. Mahider liebte die Schule, obwohl sie jeden Tag 3 Stunden für den Schulweg benötigte. Bereits zu Schulzeiten hat Mahider mehrere Auszeichnungen für außergewöhnliche Leistungen bekommen und auch ihre Leistungen im ersten Studienjahr an der Universität DB (Public health/ Gesundheitswissenschaft) sind sehr gut (3.57 von 4 Punkten). Mahider möchte später gerne Kinderärztin werden.

 

Besuch Dezember 2017 an der Universität von Debre Birhan (DB): Bei meinem Besuch konnte ich nun auch den letzten vier dieser ersten Gruppe (53, 57-61) ein Laptop überreichen. Danke an Siegmund sowie Linda und Jost (Lufthansa), die neben Kleidung dieses Mal auch zwei Laptops für uns nach Addis gebracht haben. Weiterhin hatte ich dieses Mal für diese 6 Studierenden plus fünf weitere (s.u.) Kleidung mitgebracht.

 

Haimanot Bichil (Leitung des Büros für Gleichstellung und Soziales) hat mich im Vorfeld meines Besuchs gebeten, von den monatlichen Raten (800 Birr) für die 6 bereits geförderten Studentinnen (53, 57-61) je 300 Birr abzuziehen und mit diesem Geld weitere dringend bedürftige Studierende zu fördern. Ich habe diese Idee aufgegriffen und die 6 Betroffenen nach ihrer Meinung gefragt. Alle Studierenden haben sich sofort mit der Kürzung zugunsten von 5 neuen Studentinnen einverstanden erklärt. Dieses solidarische Verhalten hat mich tief beeindruckt. Somit habe ich mit Wirkung von Dezember 2017 fünf weitere Studierende in die Förderung aufgenommen und nach intensiver Beratung soll nun jede Studentin 600 Birr pro Monat erhalten.


Fünf ab Dezember 2017 geförderte Studentinnen:

62. Hamelmal Worku, geboren 1997, studiert Biologie im dritten Studienjahr mit einer Gesamtleistung von 3.69 von 4 Punkten. Die Eltern sind schon alt und sie können als einfache Bauern in der Region Gonder kaum ihre 8 Kinder (3 Brüder, 4 Schwestern) ernähren, geschweige denn finanziell unterstützen. Die Brüder und 2 Schwestern leben zuhause, haben aber keine Arbeit. Zwei Schwestern leben als Haushaltshilfe in anderen Familien, somit sind sie mit dem Nötigsten versorgt. Irgendwie hat es Hamelmal bis zur Hochschulreife gebracht, aber sie konnte sich lediglich auf die monatliche Unterstützung in Höhe von 100 Birr (ca. 3€) des Büros für Soziales und Gleichstellung verlassen. Hamelmal möchte später in der Biotechnologie arbeiten und den Ernteertrag und die Lebensbedingungen der einfachen Bauern in Äthiopien verbessern.

 

63. Merewa Salehe, geboren am 22.08.1998 als zweitältestes Kind von insgesamt 6 Kindern (3 Brüder, 3 Schwestern). Die 6 Kinder und eine psychisch kranke Tante leben im Haus der Eltern. Die Mutter führt den Haushalt während der (chronisch kranke) Vater über ein kleines Einkommen als Angestellter verfügt (monatlich 3000 Birr = 96€). Es ist natürlich mehr als schwierig, nur die Grundbedürfnisse der ganzen Familie mit weniger als 100€ zu decken (Wohnung, Essen, medizinische Behandlung, Transport, Kleidung). Da bleibt kaum etwas für die Ausbildung der Kinder übrig. Neben dem von der Universität für nachweisbar Bedürftige ausgezahlten monatlichen Zuschuss von 100 Birr arbeitet Merewa als Putzfrau und verdient weitere 300 Birr monatlich. Diese zusätzliche Arbeit kollidiert natürlich mit ihren Studien und droht sich auf ihre Leistungen auszuwirken, die bislang ausgezeichnet waren (Computer Science: 3.8 von 4 Punkten). Merewa kann sich nun dank unserer Unterstützung voll auf das Studium konzentrieren. Nach Masterstudium und Doktorarbeit möchte Sie in der Softwareentwicklung arbeiten. Ich halte es für unbedingt wichtig, dass sie als sehr gute Studentin der Computerwissenschaft zeitnah einen leistungsfähigen Laptop bekommt. Merewa nimmt an Programmierwettbewerben teil und sie hat Ideen zur Entwicklung einer App für einen besseren Verkehrsfluss in der chronisch verstopften Hauptstadt Addis Abeba.

 

64. Besnt Alagaw, geboren am 05.03.1996. Besnts Vater ist frühzeitig verstorben und sie ist mit einem Bruder und zwei jüngeren Schwestern aufgewachsen. Die Mutter ist krank (kann einen Arm und ein Bein nicht bewegen) und findet deswegen keine bezahlte Arbeit. Die beiden Schwestern gehen zur Schule, während der Bruder als einfacher Bauer die Familie eher schlecht ernährt. Die Familie besitzt einfach zu wenig Land und kann sich keinen Dünger leisten, um dem kargen Boden genug abzuringen. Besnt arbeitete neben der Schule (Wäsche waschen bei Nachbarn) und trug so zum Überleben der Familie bei. Nun ist sie im zweiten Studienjahr im Fach Pflanzenwissenschaften an der Universität von DB eingeschrieben und ihr Zeugnis ist trotz widriger Umstände sehr gut ausgefallen (3.27 von 4 Punkten. Nach dem Bachelor-studium möchte Besnt ein Masterprogramm nachlegen.

 

65. Betelhem Alemu, geboren 17.01.1996 in Esetye (Gonder Distrikt) als jüngstes Kind von insgesamt 4 Schwestern und 3 Brüdern. Die Eltern haben sich bereits vor 20 Jahren getrennt und Betelhem ging mit ihrer Mutter zu deren Familie zurück, während alle anderen Kinder beim Vater blieben. Mit Unterstützung ihrer Großmutter konnte Betelhem die Schule abschließen und sich für Medizin (Fachrichtung Anästhesie) an der Uni von DB einschreiben. Betelhem ist im dritten Studienjahr mit einer Durchschnittsnote von 3,33 von 4 möglichen Punkten. Mutter und Großmutter verpachten 2 Hektar Land und erzielen dabei eine Pacht von 1200 Birr pro Monat (ca. 39 €), ein Betrag, von dem man eigentlich kaum überleben kann. Da helfen auch die 100 Birr kaum weiter, die vom Büro für Soziales und Gleichstellung monatlich ausgezahlt werden. Betelhem benötigt medizinisches Instrumentarium für ihr Studium, ein Laptop und eine Wolldecke für die sehr kalten Nächte in DB (was ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen kann).

 

66. Yitayish Abeza, geboren 04.08.1997 in Debre Work, eine Kleinstadt in der östlichen Gojjam Region. Zur Familie gehören insgesamt 9 Personen (Eltern, Tante, 3 Schwestern und 4 Brüder). Das wenige karge Land, das von den Schwestern und den Eltern bestellt wird, kann die Familie kaum ernähren und somit steht kein Geld für die Ausbildung zur Verfügung. Während ihrer Schulzeit wurde ihre Begabung von einigen Lehrern bemerkt und sie wurde durch Sachspenden (Hefte, Bücher, Fotokopien) unterstützt. Yitayish ist mittlerweile kurz vor dem Bachelorabschluss im Studienfach Elektrotechnik (Gesamtnote bislang 3.36 von 4 Punkten).

 

Ich habe alle 11 Studierenden der Universität DB gebeten, ihre jeweilige Geschichte darzustellen, so dass wir uns ein besseres Bild von ihnen machen können. Die komplette Auflistung der persönlichen Geschichten würde hier den räumlichen Rahmen sprengen, aber die Selbstdarstellungen aller Studierenden aus DB kann ich gerne an alle Interessierten senden. Aus meiner Sicht verdienen sie alle eine Förderung durch unseren Verein.


Für zukünftige Förderung vorgesehene/seit kurzem gefördert Projekte:

P1: Baso Schule in Debre Birhan (Ausstattung der naturwissenschaftlichen Klassenräume).
Wie im Protokoll der Jahresversammlung (24.04.2017) sowie in einem Zwischenbericht (09.06.2017) erläutert wurde, wurde von Seiten der Baso-Schule eine Wunschliste erstellt, die nach Diskussion mit unserem Verein modifiziert und gekürzt wurde (siehe Anhang meiner Email vom 09.06.2017, Prioritätenliste; Gesamtwert ca. 4.500,0 €). Nachdem ich mich nun bei meinem Besuch der Schule im März 2017 (19 KW) von der Notwendigkeit überzeugt habe, wurden nun die letzten Gegenstände in der (22 KW) von Duke (Vertreter unseres Vereins) und zwei Lehrern der Baso-Schule in einem entsprechenden Fachhandel in Addis Abeba gekauft.

Besuch Dezember 2017:Bei meinem Besuch habe ich den nun ausgestatteten Klassenraum besichtigt und alle gekauften Gegenstände am Platz vorgefunden (s. entsprechende Fotos und Video auf unserer Homepage). Zusätzlich hat der Präsident der Universität von DB – nachdem er von unseren Aktivitäten an der Schule hörte – den Chemieklassenraum mit Computern (aus Beständen der Universität) ausstatten lassen. Weiterhin wurden zwei Computerexperten der Universität abgestellt, die die Hardware installiert / vernetzt haben sowie spezielle Software installiert, die einen virtuell-experimentellen Chemieunterricht ermöglicht. Ich habe mich selber von den Möglichkeiten überzeugt. Somit kann an der Baso-Schule nun ein moderner naturwissenschaftlicher Unterricht stattfinden.
Bei meinem Besuch ergab sich aber noch eine andere, dringliche Investition. Die gesamte Schule mit 1800 Schülern/Schülerinnen verfügt gerade einmal über 8 plus 8 Toiletten. Natürlich ist diese Anzahl zu gering, aber das Hauptproblem ist das Fehlen von funktionierenden Wasseranschlüssen zum Spülen und Händewaschen. Somit können sich Infektionskrankheiten wie Durchfall und typhoide Erkrankungen schnell ausbreiten. Nach Auskunft des Schuldirektors gibt es eine Wasserleitung, die ist aber defekt. Ich habe den Direktor gebeten, die Instandsetzung dieser Wasserleitung gemeinsam mit meinem Kollegen Worku (Universität DB) zu kalkulieren. Vielleicht können wir das Problem lösen.

 

P2: Förderung von zwei Imkerinnen.
Ich habe das Projekt „Imker für Imker“ bereits auf unserer Jahresversammlung am 24.04.2017 vorgestellt, das Dr. Jürgen Greiling (assoziiert mit der TU Stuttgart-Hohenheim und der deutschen Botschaftsschule in Addis) leitet. Bislang entstanden 30 Patenschaften für Frauen im Studium bzw. mit Universitätsabschluss. Ziel ist neben der Vermittlung von fachlichem Wissen im Bereich der Imkerei auch wirtschaftliches Know-How aufzubauen. Die jungen Frauen stellen u.a. einen Business Plan zur Erlangung eines (Neben)Erwerbs auf. Unser Verein hat das Projekt im Jahr 2017 mit zwei Patenschaften (Sisay und Elisabeth; je 200€ jährlich) gefördert.

Besuch Dezember 2017:Herr Dr. Greiling hat mich nun zu den Bienenstöcken von Elsa und Sisay am Stadtrand von Addis geführt. Das Gelände (ca. 3000 m2) ist umzäunt, liegt in einem Akazien- / Eukalyptuswald nahe der französischen Botschaft und beherbergt 30 Bienenstöcke. Elsa und Sisay, die beide Natural Resource Management studiert haben und die Imkerei nun zu einem festen Einkommen ummünzen möchten, haben mir ihre Pläne vorgelegt. Auf diesem Gelände soll nun ein Raum zur Reinigung und Veredlung von Honig entstehen. Hierzu soll nicht nur der eigene Rohhonig verwendet werden, sondern es soll auch von Farmern zugekauft werden, so dass über das ganze Jahr Honig und Honigprodukte (Kerzen) angeboten werden können. Weiterhin planen die beiden den Verkauf wichtiger Infrastrukturartikel für die Imkerei auf dem Lande (Schutzkleidung, Mittelwände aus Wachs mit vorgefertigten Wabenmustern). Elsa und Sisay sollten nach Auskunft von Herrn Greiling weitere Trainings- und Ausbildungskurse absolvieren und er bittet für die vielfältigen Aufgaben und Planungen um Verdopplung unserer Beitrags (insgesamt 800 €) für 2018. Ich halte dieses Projekt für nachhaltig und förderungswürdig.

 

P3: Kreislaufwirtschaft: Hühner-Fische-Gemüse Projekte an der Universität von DB
a. Dieses Projekt ist unter Federführung meines Kollegen Dr. Gezahegn von der DB Universität (Fachbereich Naturwissenschaften) entstanden. Es handelt sich um ein interessantes Projekt, in dem auf dem Universitätscampus Hühner- und Fischanzucht und Gemüsebau eng und nachhaltig miteinander verzahnt sind. Zwei Hühnerställe sind je zur Hälfte der Grundfläche über je einen künstlichen Teich gebaut worden, so dass die Hühnerexkremente in den Teich fallen. Dort werden Karpfen oder Welse angezogen, die sich direkt oder indirekt (Plankton, Algen und sonstige organisches Material) von den Hühnerexkrementen ernähren. Das zusätzlich von den Fischausscheidungen hochgradig mit Nährstoffen angereichertes Wasser wird auf direkt benachbarte Ackerflächen gepumpt und mit diesem Flüssigdünger werden Gemüse auf dem ansonsten kargen Boden angebaut. Ein Teil dieses Gemüses wird wiederum an die Hühner verfüttert. Der Kreislauf ist nicht vollständig geschlossen, da sowohl mit Hühner- und Fischfutter zugefüttert werden muss. Insgesamt gesehen handelt es sich aber um eine win-win Situation, denn Eier, Hühner, Fische und Gemüse werden bereits erfolgreich an örtliche Hotels, Restaurants und auf dem heimischen Markt Gewinn bringend verkauft und 7 Studierende leben zurzeit von diesem Projekt! Leider ist die Wasserpumpe, die von der DB Universität zur Verfügung gestellt wurde, nicht mehr funktionstüchtig. Die Anschaffung einer neuen Wasserpumpe und ein Wassertank zur Vorratshaltung von Frischwasser (Wasser ist knapp in Äthiopien) würde das Projekt wieder ankurbeln. Für weitere Details siehe Anhang meiner Email vom 09.06.2017 (Dokumente zu poultry-fish-vegetables). Aus veterinärmedizinischer Sicht wird das Projekt von Experten der Universität DB überwacht.

Besuch Dezember 2017:Nachdem Duke bereits vor ein paar Wochen entsprechende Angebote eingeholt hatte, haben wir eine 1 PS starke Wasserpumpe mit Schlauch und Anschlüssen sowie einen 10.000 L Tank zur Wasservorratshaltung gekauft (Gesamtkosten 1160,00 €). Für den Transport des Tanks war ein LKW nötig. Mittlerweile sind die Pumpe und der Tank installiert und die Gemüsefelder werden bereits wieder bestellt, da nun Wasser gepumpt werden kann (s. entsprechende Fotos auf unserer Homepage).

b. Gemeinsam mit Dr. Gezahegn habe ich ein ähnliches Projekt ca. 130 km nördlich von DB besucht. Hier in den Bergen ist Wasser kein Problem und in den wasserdurchströmten Teichen werden Tilapiabarsche angezogen. Da das Wasser in diesen Teichen nicht so stark mit Nährstoffen angereichert ist wie im entsprechenden Projekt auf dem Campus der Universität von DB (s.o.), kommen hier zusätzlich speziell optimierte Regenwürmer zum Einsatz. Diese Würmer wandeln Rosenabfälle (Äthiopien ist mittlerweile eines der größten Rosenanbaugebiete der Welt) und organischen Abfall aus dem Kaffeeanbau in einen ausgezeichneten Kompost um, der gemeinsam mit dem eutrophen Wasser aus den Teichen für den Gemüseanbau (Salat, Kohl, Karotten, Zwiebeln, Mangold) verwendet wird. Ein direkt benachbartes Dorf wird über einen Teichüberlauf mit nährstoffreichem Wasser für den Ackerbau versorgt – wieder eine win-win Situation. Das Projekt, von dem 3 Highschool Studenten, 2 landlose Bauern sowie der Projektleiter (Mesfin Tsegaye) leben, wurde erst im November 2017 gestartet. Momentan fehlen dem Projekt wegen Finanzknappheit 400 Hühner. Bei einem Preis von 60 Birr für ein 45 Tage altes Hühnchen wäre das für uns eine einmalige Investition von 750,00 €.

 

P4: Herstellung und Vertrieb von Briketts aus Abfallprodukten (erneuerbare Energien, save trees – use wastes, alternative Holzkohle). In diesem komplexen Projekt geht es um die Herstellung von Briketts aus ständig anfallenden organischen Abfallprodukten (Blätter, Gras, Sägespäne und andere Abfälle aus Sägewerken/Schreinereien, Altpapier, Kaffeepulverreste). Unter der Anleitung des Chemikers Dr. Yoseph Shiferaw (DB Universität) hat eine Gruppe von Studierenden ein Verfahren entwickelt, das die Nutzung echter Holzkohle zum Kochen erübrigt. Eigentlich ist das Fällen von Bäumen in Wäldern und die Herstellung von Holzkohle in Äthiopien verboten (extreme Erosionsgefahr, CO2 Freisetzung), aber aufgrund von Korruption und einem hohen Bedarf an Feuerholz/Holzkohle kochen mehr als 50% der Bevölkerung, vor allem im ländlichen Raum, mit Holz oder Holzkohle. Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Entwaldung, Erosion, CO2 Freisetzung und starke Gesundheitsschädigung durch Verbrennen von Holz/-kohle in geschlossenen Räumen (nach Schätzung der WHO sterben daran jährlich weltweit mehr als 1.45 Millionen Menschen; indoor pollution).
Auch dieses Projekt repräsentiert eine win-win Situation, denn aus Abfällen, die bislang entweder unkontrolliert verbrannt wurden oder einfach in die Umwelt entsorgt wurden, wird nun eine saubere und handhabbare Energiequelle erzeugt. Nach Angaben unabhängiger Kontrolllabore sind diese Produkte preiswerter, leichter zu transportieren und sie repräsentieren einen saubereren und effizienteren Energieträger als traditionell verwendete Biomasse (Holz/Holzkohle). Vorgesehen ist für 2018 die Serienproduktion von 1000 t Briketts und ca. 5.000 spezielle Verbrennungseinrichtungen dieser Briketts pro Jahr. Momentan leben auf der Basis einer geringeren Kapazität 6 graduierte Studierende vom Projekt, aber zukünftig soll die Anzahl der Beschäftigten bei weiterer Automatisierung steigen. Die Hälfte des in der Aufbauphase benötigten Kapitals ist ein Darlehen der Universität von DB. Für die Aufnahme der Serienproduktion werden nun finanzielle Mittel zum Kauf von Maschinen benötigt (s. Anlage meiner Email vom 09.06.2017, Business Plan und Hintergrund Projekt erneuerbare Energien/Brikettprojekt, Punkt 18). Für alle näher Interessierten verweise ich auf die der Email vom 09.06.2017 angehängten Dokumente zu erneuerbare Energien, die ich bei Interesse und bedarf noch einmal versenden kann (s. auch Fotos und Video auf unserer Homepage).

Meine Empfehlung ist hier, dass wir zunächst eine Pressmaschine finanzieren und schauen, ob dadurch das Projekt angekurbelt werden kann. Ich bin überzeugt, dass diese Investition (ca. 4.000€) gut ausgebildeten jungen äthiopischen Studierenden den Weg in die Selbständigkeit und damit die Chance einer sicheren beruflichen Zukunft ermöglicht. Hilfe zur Selbsthilfe, dass war und ist unser Credo.


Von uns bereits geförderte Kinder/Jugendliche/Familien
Hier werde ich nur Neuigkeiten aus 2017 berichten. (blau geschrieben)

3. Familie Kassahun (3; Mutter Emebet, Sohn Getachew, Tochter Tigist)
Die Familie hat bis vor sieben Jahren in der Provinz Shoa im Dorf Dera als Bauern gearbeitet, als der Vater 2003 starb. Zuvor hat die Familie ihre Lebensgrundlage (zwei Kühe) zur Begleichung von Arztrechnungen verkauft und sie hat ihr Glück in Addis gesucht. Hier hat die Mutter Emebet (geb. 1987) die Familie durch Gelegenheitsarbeiten über Wasser gehalten. Beide Kinder Getachew (m, grade 5, geb. 17.09.2000) und seine Schwester Tigist (w, geb. 05.02.2002, grade 3) trugen aber auch durch den Verkauf von Lotterielosen zum Familieneinkommen bei. Auch in dieser Familie reichte es mit 230 Birr monatlich so gerade zum Durchkommen und an regelmäßigen Schulbesuch war nicht zu denken. Nun sind sie seit zwei Jahren in der Förderung und arbeiten sich in der Schule so langsam nach vorne. Getachew möchte gerne Pilot werden, Tigist liebt Zahlen und möchte gerne Mathematiklehrerin werden

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Die Familie ist gesund. Obwohl wir die Familie unterstützen, die Kinder nicht mehr arbeiten müssen und sich somit voll auf die Schule konzentrieren können, sind die schulischen Leistungen schwächer geworden. Ich habe mit sehr klaren Worten erläutert, dass wir dieses so nicht akzeptieren. Wir erwarten zum nächsten Halbjahreszeugnis im Sommer eine klare Trendwende. Es kann nicht sein, dass wir Kindern den Rücken frei halten und diese dann faul werden. Um eventuell andere Gründe für den Leistungsabfall zu erfahren, wird Mesfen sich auch mit den Lehrern von Kassahun und Tigist treffen.

Besuch September/Oktober 2013: Tigist und Getachew geht es gut. Beide Kinder haben sich erfreulicherweise in der Schule verbessert, obwohl es durchaus noch Luft nach oben gibt. Hier haben meine mahnenden Worte offenbar gefruchtet. Die Kinder haben ein Wörterbuch erhalten sowie eine warme Decke.

Besuch Dezember 2014: Die Familie ist wohlauf, aber mit den schulischen Leistungen können wir nicht zufrieden sein. Obwohl beide nicht mehr neben der Schule arbeiten müssen, sind die Leistungen durchschnittlich (Getachew, 19/40) bis bis nicht zufriedenstellend (Tigist, 28/40). Ich habe hier klare Worte gefunden, um diese beiden Jugendlichen auf den richtigen Weg zu bringen. Wir werden im nächsten Jahr sehen…

Besuch Dezember 2015: Leider hat die Mutter Emebet die beiden Kinder (gegen deren Wunsch) im Sommer 2015 verlassen und ist nach Djibouti gegangen, angeblich um hier Geld für die Familie zu verdienen. Auch Yared wurde nicht von der Mutter informiert. Dieses Verhalten ist verantwortungslos; sie ruft nur alle zwei Monate an und hat den Kindern bislang noch kein Geld gesendet. In diesem Zusammenhang wundert es nicht, wenn das Zeugnis von Kassahun schlechter ausgefallen ist. Überraschenderweise ist das Zeugnis von Tigist besser als im Vorjahr; Schwächen zeigt sie in Sport, obwohl sie aktiv in einer Volleyballmannschaft spielt. Ungemach droht nun auch vom Vermieter, der den beiden Kinder gekündigt hat. Ich denke, wir haben hier eine besondere Verpflichtung.

Besuch Dezember 2016: Nachdem die Mutter zwischenzeitlich wieder aufgetaucht war, ist sie trotz unserer Warnung – auch gegen den Willen der Kinder – Mitte September 2016 wieder nach Djibouti verschwunden. Ein völlig unverantwortliches Benehmen. Aber sollen dafür die Kinder büßen? Getachew musste aus Geldmangel einen Job als Assistent eines Sammeltaxis annehmen. Er arbeitete jeweils am Samstag und Sonntag und verdiente monatlich ca. 600 Birr. Natürlich hat seine Leistung in der Schule etwas darunter gelitten, obwohl er das National Exam bestanden hat. Unsere bisherige Unterstützung betrug 1200 Birr, das reichte gerade für die Miete. Wir geben nun zunächst für das kommende Jahr 800 Birr zusätzlich, dafür gibt Getachew seinen Job auf und konzentriert sich auf die Schule und unterstützt diesbezüglich auch seine kleinere Schwester.

Besuch Dezember 2017:Leider sind meine Worte auf keinen fruchtbaren Boden gefallen. Getachew ist durchgefallen. Möglicherweise hat er seinen Job nicht aufgegeben und konnte sich somit nicht ausreichend auf die Schule konzentrieren. Anscheinend leben die Geschwister auch nicht mehr zusammen. Tigist legt allerdings ein passables Zeugnis vor. Ich schlage vor, die Förderung für Getachew auszusetzen, aber Tigist (nach Rücksprache mit ihr) weiter zu fördern.

 

4. Familie Worku (3; Mutter Abebech, Tochter Hermela und Sohn Leuel)
Hermela (01.05.2003) ist mittlerweile 8 Jahre alt, geht in die dritte Klasse und einer unserer ersten Schützlinge. Nach anfänglichen gesundheitlichen Problemen (Leber, Verdauung) hat sie sich prächtig entwickelt (s. Fotos), das Zeugnis kann sie sicher noch verbessern und ich habe die Mutter ernsthaft darauf hingewiesen. Abebech trägt mit einem monatlichen Einkommen von knapp 400 Birr zum Haushalt bei. Dies wird ausdrücklich von uns begrüßt.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Senait, die Schwester von Abebech hat sich im März 2012 das Leben genommen, als sie erfuhr, dass sie HIV positiv ist. Ihr Mann war auch positiv und ist bereits vor drei Jahren gestorben. Sie hinterlässt einen kleinen Jungen (Leuel, geb. 2009), den Abebech nun als ihren Sohn aufzieht. Wir werden zunächst klären, ob Leuel HIV infiziert ist.

Besuch September/Oktober 2013: Leuel ist erfreulicherweise HIV negativ. Hermela geht es soweit gut, hadert aber mit der Schule (10 von 18), insbesondere mit dem Fach Englisch. Ich habe ihr klar gemacht, dass sie Englisch lernen muss, wenn sie mit mir sprechen möchte. Das hat ihr eingeleuchtet. Für den Englischunterricht werden wir ihr ein Wörterbuch kaufen und sie hat versprochen, mehr zu lernen. Hier ist natürlich auch Mutter Abebech gefragt. In jedem Fall besucht Hermela ab Oktober ein Schultutorium.
Ich erfahre soeben von Yared, dass Hermela wieder Probleme mit der Verdauung hat. Sie wird mit ihrer Mutter zum Arzt gehen.

Besuch Dezember 2014: Hermela kann auf dem rechten Auge nicht gut sehen und sie wird mit ihrer Mutter die Merzo Augenklinik besuchen. Sie fehlte deswegen an 18 Tage im ersten Halbjahr (57.5% Leistungspunkte) in der Schule und möglicherweise ist deswegen auch das Zeugnis nicht ganz so gut ausgefallen (13/24). Im zweiten Schulhalbjahr (73.4% Leistungspunkte) zeigt die Leistungskurve erfreulicherweise wieder deutlich nach oben! Leuel leidet derzeit an einer Mandelentzündung, nichts Schlimmes.

Besuch Dezember 2015: Der Familie geht es gut. Hermelas Probleme haben sich nach Konsultation von Fachärzten erledigt. Ihr Zeugnis ist erfreulicherweise auch besser geworden. (65%, 10/39). Abebech verdient ein bisschen mehr Geld (700 Birr) und kann somit auch zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

Besuch Dezember 2016: Wir wussten, dass Abebech geheiratet hat und das hat sie auf Anfrage auch bestätigt. Ein Zeichen von Ehrlichkeit. Ihr Mann hat aber kein regelmäßiges Einkommen und er hilft wo er kann. Hermela zeigte uns völlig überraschend ein deutlich besseres Zeugnis als im Vorjahr und ich habe ihr zur weiteren Motivation ein paar Sportschuhe versprochen. Sie braucht auch neue Schulbücher und ein Oxford English/English Wörterbuch. Leuel ist immer noch im Kindergarten und offenbar an einer chronischen Mandelentzündung. Sie hat einen Facharzt aufgesucht und der rät zur Entfernung der Mandeln. Soweit das möglich ist, holen wir uns bezüglich einer OP die Expertise eines Kinderarztes in Deutschland ein.

Besuch Dezember 2017:Der Familie geht es gut, nur können wir mit der Leistung von Hermela nicht zufrieden sein. Belegte sie letztes Jahr noch mit 68% Rang 9 von 34 SchülerInnen, erreichte Hermela dieses Schuljahr nur noch 57%, was Rang 27 von 47 entsprach. Obwohl sie in die 10. Klasse versetzt wurde, liegen ihre Leistungen in drei Fächern (Mathematik, Physik und Biologie) unter 50%! Das kann natürlich so nicht weitergehen. Offenbar hat Hermela nicht aus eigenem Antrieb bei Yared nach benötigten Schulbüchern nachgefragt. Dies könnte die schwache Leistung erklären und diese Bücher werden von uns umgehend geliefert. Dann werden wir nächstes Jahr sehen…

 

5. Familie Mengiste (4; Mutter Belaynesh, Tochter Kalkidan, Schwester Yalemwork und Nichte Haregeweyn)
Belaynesh arbeitet als Putzfrau im Taituhotel für 150 Birr monatlich. Ihre Schwester Yalemwork (geb. 1995) kam vor 3 Jahren aus der Provinz zu ihrer Schwester in die Stadt und war zunächst völlig verschüchtert. Sie hat sich toll entwickelt und geht in die siebte Klasse, wo sie zunächst einen guten Platz im Mittelfeld einnahm. Mittlerweile ist sie auf Rang 22 von 64. Kalkidan (09.06.2006), die Tochter von Belaynesh ist sehr aufgeweckt und sie geht in den Kindergarten (grade 2). Mittlerweile hat die Familie ein weiteres Mitglied. Haregeweyn ist die Tochter des Bruders von Belaynesh; die Familie lebte in Gojjam nahe Bahar Dar, ca. 500 km nordwestlich von Addis Abeba. Beide Elternteile verstarben letztes Jahr und das einzige Kind kam so im September 2011 zu ihrer Tante Belaynesh. Sie ist 2001 geboren und ging bis zum Tod ihrer Eltern in die erste Klasse. Sie ist etwas unterernährt, erholt sich aber langsam. Ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen und Mesfen gebeten, ihre gesundheitliche Verfassung regelmäßig zu prüfen. Wir übernehmen Haregeweyn mit sofortiger Wirkung in die Förderung und sie geht auch wieder zur Schule.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Bei meinem Besuch am 30.12.12 konnte ich mich persönlich vom guten Zustand von Haregweyn überzeugen. Sie hat sich gut entwickelt und ist sehr offen (siehe Video: Mengiste Familie_05_Haregweyn und Kalkidan singen das ABC Lied). Die beiden anderen Kinder Kalkidan und Yalemwork entwickeln sich auch sehr gut.

Besuch September/Oktober 2013: Allen scheint es sehr gut zu gehen (s. auch Fotos und Video). Während Kalkidans Zeugnis sicher verbesserungswürdig erscheint, ist das Zeugnis von Yalemwork (Rang 22 von 64) und Haregweyn sehr erfreulich (Rang 3 von insgesamt 52 SchülerInnen). Leider habe ich Yalemwork (versetzt in die 8. Klasse) nicht angetroffen. Nach intensivem Nachfragen (bestätigt durch die Nachbarin (Lakech Amenu, # 6) kam heraus, dass Yalemwork sich der Kontrolle ihrer älteren Schwester Belaynesh entzogen hat und nicht mehr zur Schule gehen wollte. Schließlich ist sie abends nicht mehr nach Hause gekommen und ist am Ende blindlings einem Mann aufs Land gefolgt. Das ist für uns ein Rückschlag, aber Jugendliche in diesem kritischen Alter sind manchmal unberechenbar.

Besuch Dezember 2014: Der Familie geht es gut. Sehr zu meiner Überraschung hat Mutter Belaynesh ein Baby bekommen. Der Junge (Benyam, 27.07.2014) ist nun vier Monate alt. Wie wir das schon kennen, ist der Vater verschwunden, als sich die Schwangerschaft abzeichnete. Ich habe Belaynesh freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass weitere Kinder mehr Verantwortung bedeuten, die sie eigentlich gar nicht übernehmen kann. Sie hat die Botschaft verstanden. Kalkidan kann sich sicher noch in der Schule verbessern, während Haregeweyn das Schuljahr sehr gut (5/49) abgeschlossen hat.

Besuch Dezember 2015: Der kleinen Familie geht es soweit gut. Kalkidans Zeugnis ist eher durchschnittlich, während Haregweyn ein erfreulich gutes Zeugnis vorlegen kann (87% von 100 Punkten erreicht, 10/49). Sie wünscht sich einfache Geschichten auf Englisch. Ich halte das für eine sehr gute Idee und werde nächstes Mal solche englischen Texte mitbringen.

Besuch Dezember 2016: Allen geht es gut. Mutter Belaynesh hat ein kleines Einkommen (wäscht für die Nachbarschaft, ca. 600 Birr monatlich). Haregweyn hat sich weiter positiv entwickelt, sie ist hochgradig motiviert und begegnet mir sehr offen und vertraut. Sie hat 88 von 100 möglichen Punkten erreicht und gehört somit zu den Klassenbesten. Sie hat sich sehr über die einfachen englischen Texte gefreut, die ich mitgebracht habe (Originalimport aus England von Lucille). Kalkidans Zeugnis ist ordentlich ausgefallen, sie hat aber versprochen, im nächsten Jahr ein besseres Zeugnis vorzulegen

Besuch Dezember 2017:Was macht nur Mutter Belaynesh für Sachen! Da muss die Familie das kleine Zimmer wegen einer drastischen Mieterhöhung verlassen, findet keine neue Unterkunft und lebt mehrere Monate unter Plastikfolie auf der Straße, ohne Yared oder Duke davon zu informieren. Schließlich finden sie in einer öffentlichen Massenunterkunft Unterschlupf. Ich war dort. Ein sehr großer Raum, abgetrennt durch Plastikfolie in kleinste Einheiten für jede Familie, ein hoher Lärmpegel und Gestank von den offenen Latrinen. Hier kann man nicht leben und vor allem können Kinder hier nicht lernen. Entsprechend sehen auch die Zeugnisse der beiden Kinder aus. Es ist schon fast ein Wunder, dass beide noch in die nächsthöhere Klasse versetzt wurden. Ich habe Belaynesh Hilfe zugesagt, damit sie umgehend nach einem neuen Zimmer suchen kann. Ich gehe davon aus, dass es dann auch den Kindern besser geht und sie zurück in die Spur finden. Positiver Lichtblick: Belaynesh verdient ein wenig Geld durch den Verkauf von Gemüse am Straßenrand.

 

6. Familie Amenu (3; Großmutter Lakech, Enkel Tsewon und Mariamawit)
Die Großmutter (geb. 1933) hat die beiden Enkel bei sich aufgenommen, nachdem sowohl die Mutter als auch der Vater Wondwossen verschwunden sind. Es ist rührend und bewundernswert, wie die alte Frau Lakech für ihre Enkelkinder sorgt. Dank unserer Unterstützung geht Tsewon (17, w) in Klasse 6, Mariamawit (7, w) in die 3. Klasse. Mariamawit ist die viertbeste Schülerin von insgesamt 53; eine tolle Leistung. Stolz hat mit Mariamawit ihre Schülerlotsenmütze gezeigt (s. Fotos Homepage). Mit Tsewon hat die Großmutter Lakech leider Probleme. Sie hat mehrfach die Schule geschwänzt. Ich habe ein sehr ernstes Wort mit ihr gesprochen und ihr die Konsequenzen erläutert, sollte sie ab jetzt nicht regelmäßig zur Schule gehen. Sie hat es mir dann schließlich unter Tränen versprochen. Wir werden das kontrollieren und an der Schule nachfragen.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mariamawit hat ein gutes Zeugnis bekommen (Rang 17 von 50) obwohl sie gegenüber dem letzten Jahr etwas abgefallen ist. Sie und Ihre Großmutter sind wohlauf. Leider hat sich unser Vertrauen in Tsewon nicht ausgezahlt. Obwohl sie uns hoch und heilig versprochen hat, regelmäßig zur Schule zu gehen, ist sie den Verlockungen des (aus ihrer Sicht) unbeschwerten Lebens auf der Straße ohne jegliche Verpflichtungen erlegen. Es ist traurig und für uns ein Rückschlag. Sie kommt nicht mehr nach Hause. Mariamavit wird ab jetzt das Schultutorium besuchen. Großmutter Lakech kann kaum noch sehen und wir möchten ihr eine neue Brille kaufen.

Besuch September/Oktober 2013: Hier konnte ich feststellen, dass es Undichtigkeiten am Dach gibt und das Hab und Gut nass wird. Unter diesen Umständen kann Tochter Mariamawit natürlich nicht gut für die Schule arbeiten. Großmutter Lakech hat bereits Preise für die Reparatur eingeholt, die sich um die 500 Birr bewegen wird. Jetzt muss sie auf die Reparaturgenehmigung des Eigentümers warten. Mariamawit konnte durchaus mit guten schulischen Leistungen überzeugen (Rang 11 von 54)

Besuch Dezember 2014: Der Großmutter Lakech geht es trotz ihres hohen Alters gut, sie braucht lediglich eine neue Lesebrille. Die Leistung von Enkelin Mariamawit ist durchschnittlich und hier gibt es sicher noch Luft nach oben. Dies habe ich auch angemahnt. Mariamawit möchte später Ingenieur werden.

Besuch Dezember 2015: Großmutter Lakech hat eine neue Lesebrille bekommen und sie ist damit glücklich. Endlich kann sie wieder in ihrer Bibel lesen. Mariamawit geht es gut und sie hat auch ein gutes Zeugnis vorgelegt mit einem leichten Schwachpunkt in Englisch. Das kann sie sicher verbessern. Sie spielt Fußball in einer Jungenmannschaft und ist insgesamt ein eher ruhiges und zurückhaltendes Mädchen. Das ist natürlich bei ihrer Familiengeschichte (s.o.) keine Überraschung.

Besuch Dezember 2016: Überraschenderweise habe ich Tsewon angetroffen, die ihrer Großmutter wieder zu Hand geht. Sie hat eine 2-jährige Tochter (Makiba) und lebt mit dem Vater zusammen, der offenbar auch die Großmutter Lakech bei Arbeiten unterstützt. Mariamawit legt ein etwas schlechteres Zeugnis vor und machte auf mich einen schüchternen und traurigen Eindruck. Die Großmutter berichtet, dass sie sehr unter der Abwesenheit der Eltern leidet (s.o.). Tsewon motiviert ihre kleine Schwester Mariamawit, doch intensiv für die Schule zu arbeiten und nicht ihren eigenen Fehler zu wiederholen (s.o.). Lakech braucht eine neue Brille. Sowohl Linda/Jost als auch ich haben Brillen mitgebracht. Vielleicht passt eine.

Besuch Dezember 2017:Der Großmutter Lakech und ihrer Nichte Mariamawit geht es gut. Leider hilft keine Brille mehr, Lakech kann wohl nie mehr lesen. Aber sie ist ansonsten gesund und glücklich und kümmert sich rührend um ihre Enkel und Urenkel, da Enkelin Tsewon mittlerweile zwei eigene kleine Kinder hat. Erfreulicherweise ist Mariamawits Zeugnis besser geworden, obwohl sie ab Klasse 7 die Schule wechseln musste. Und – was für mich noch mehr zählt – sie wirkt offener und fröhlicher als im letzten Jahr. Sie kommt offenbar mit dem Verlust ihrer Eltern (s.o.) besser zurecht. Mariamawit spielt Volleyball, Handball und Fußball und sie wünscht sich einen Fußball. Vielleicht können wir diesen Wunsch ja bald erfüllen.

 

8. Familie Emebet Woldemicheal (2; Mutter und Tochter Kalkidan)
Beide leben in Nazreth, ca. 120 km von Addis entfernt. Die Mutter ist HIV positiv aber gesundheitlich stabil. Die Mutter möchte nicht nur von unserem Geld abhängig sein und möchte einen Kredit bei uns aufnehmen, um einen kleinen Marktstand zu eröffnen. Sie hilft bislang bei ihrer Nachbarin aus und hat alles über den Handel mit Hühnern gelernt. Ich stehe diesem Vorhaben positiv gegenüber, geben wir doch diesen Menschen die Chance, auf eigenen Beinen zu stehen und auch selber für ihre Kinder zu sorgen. Ferner sollten wir berücksichtigen, dass HIV positive Menschen in Äthiopien von der Gesellschaft isoliert werden und selten Beschäftigung erhalten. Da bleibt nur der Weg in die Selbständigkeit. Kalkidan (11 Jahre alt) ist in ihrer Klasse (5) von Rang 20 von 56 SchülerInnen auf Rang 4 vorgerückt; eine tolle Leistung. Kalkidan möchte gerne Ärztin werden. Dieses Mal haben wir Kalkidan und ihre Mutter in Nazreth besucht. Sie haben sich beide unglaublich gefreut und uns mit einem traditionellen Essen (Injera mit scharfer Chilisauce) bewirtet. Als ich mich verabschiedete, hat Kalkidan geweint. Das hat mich sehr gerührt. Am Abend hat sie mich noch einmal angerufen und gefragt, ob wir sicher in Addis angekommen sind. In der Tat ist die Frage nicht abwegig, gilt doch die Fernstrasse von Djibouti nach Addis als Todesstrecke. Ich habe dort schon mehrere furchtbare Verkehrsunfälle gesehen.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mutter und Tochter geht es sehr gut. Das Hühnergeschäft (Ankauf von Küken, Aufzucht, Verkauf der Hühner und Eier) floriert (s. Videos auf unserer homepage). Emebet versorgt mittlerweile 17 Hühner! Aus dem erzielten Profit hat sie bereits ein Schaf gekauft und weitere 20 Hühner sollen jetzt angeschafft werden. Das Konzept scheint aufzugehen und Ende 2013 beginnt Emebet mit der Rückzahlung ihres Minikredits. Allerdings engagiert sich Tochter Kalkidan wohl auch so sehr im Hühner-Business, so dass sie die Schule etwas aus den Augen verloren hat. Sie hat mir aber versprochen, nächstes Mal mindestens Rang 7 zu erreichen. Kalkidan wird auch das Schultutorium besuchen. Sie benötigt auch ein paar Schulbücher, eine Wolldecke und eine Matratze.

Besuch September/Oktober 2013: Aus Zeitgründen konnte ich die Familie in Nazreth dieses Mal nicht besuchen. Kalkidan hat ihr Versprechen eingehalten, sich in der Schule zu verbessern und sie ist immerhin schon auf Rang 12 (von 42) vorgerückt. Mutter Emebet zeigt sich als erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie verfügt momentan über 25 Hühner und 2 Schafe. Kalkidan hat nun die Schulbücher, eine Decke und Matratze bekommen. Außerdem besucht sie ein Tutorium.

Besuch Dezember 2014: Emebets Hühner-Geschäft hat einen Rückschlag erlitten. Sie hatte bereits 55 Hühner, als durch ein Nachbarhuhn die Hühnerpocken in ihrem Stall 35 Hühner dahin gerafft haben. Sie wird weiter mit ihren 20 Hühnern arbeiten und so einen Teil des Lebensunterhalts bestreiten. Zwischenzeitlich hatte Emebet 3 Schafe, die sie aber verkauft hat und einen kleinen gebrauchten Fernseher angeschafft hat. Dies erschien der Mutter wichtig, da Kalkidan zuvor am frühen Abend zu Nachbarn ging, um dort Fernsehen zu schauen. Ich finde die Idee gut, eröffnen sich doch nun Möglichkeiten, BBC zu schauen und dabei Englisch zu lernen. Kalkidan (9/41) hat sich gegenüber dem letzten Schuljahr verbessert, obwohl sie wegen einer (echten) Grippe einige Tage in der Schule versäumt hat. Sie benötigt ein Mathematikbuch.

Besuch Dezember 2015: Ich fahre immer wieder gerne nach Nazreth, um die willensstarke Emebet und ihre zielorientierte Tochter Kalkidan zu besuchen. Beiden geht es gut. Emebets Hühnerzucht hat sich von der Hühnerpest im letzten Jahr erholt und das Geschäft läuft wieder gut. Nebenbei hält sie noch zwei Schafe. Kalkidan hast sich wie versprochen in der Schule verbessert (80%; 6/41) und sie lernt gerne. Sie braucht einige Schulbücher und sie versprach, im nächsten Jahr ein noch besseres Zeugnis vorzulegen, um dann auf eine Privatschule gehen zu dürfen. Wenn Kalkidan diesen Leistungsstand hält, ist sie sicher eine gute Kandidatin für eine Privatschule.

Besuch Dezember 2016: Kalkidan hat ihr Versprechen wahr gemacht und sie ist nun tatsächlich Klassenbeste. Trotz dieser sehr guten Leistung versprüht sie eine Zuversicht und Leichtigkeit, und selten habe ich eine so aufgeräumte und gut organisierte 16-jährige in Äthiopien gesehen. Kalkidan soll nun auf die beste Privatschule in Nazreth gehen, die St. Joseph School. Sie möchte sich intensiv auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten und benötigt 5 Fachbücher. Spätestens ab dem nächsten Schuljahr braucht Kalkidan einen Laptop. Später möchte sie Medizin studieren. Wir können durchaus davon ausgehen, dass sie das realisiert. Der Mutter geht es gesundheitlich gut und ihr Hühnergeschäft ist erfolgreich. Neben den Hühnern hält Emebet jetzt 2 Schafe und 2 Ziegen.

Besuch Dezember 2017:Wieder einmal bin ich gerne nach Nazreth zu dieser dynamischen und freundlichen Familie gereist. Mithilfe des Laptops hat sich Kalkidan bestens auf der leistungsstarken Privatschule etabliert und sie schließt mit 3.4 von 4 Punkten (Rang 3 von 51) das National Exam (grade 10) ab. Das ist eine ausgezeichnete Leistung. Kalkidan benötigt ein Physikbuch, Schuhe und Kleidung sowie einen Schulrucksack. Kalkidan möchte Humanmedizin studieren und ich zweifle nicht eine Sekunde daran, dass sie dieses Studium erfolgreich absolviert. Die Mutter (HIV positiv) wirtschaftet immer noch klug mit Hühnern (momentan 15) und 3 Schafen. Somit hat sie eine Aufgabe und freut sich des Lebens.

 

10. Bizunesh Fentahun
Bizunesh ist 22 Jahre alt, hat bis vor drei Jahren noch auf dem Lande gelebt (bis ihre Eltern verstorben sind) und sie hat die 10. Klasse erfolgreich absolviert. Sie leidet an Epilepsie und verletzt sich bei den Anfällen regelmäßig. Sie liest gerne in der Bibel. Derzeit besucht sie eine Näh-Fachschule. Bizunesh ist mit Duke verheiratet.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Ihre Epilepsie ähnlichen Anfälle haben nach Konsultation eines Spezialisten in Addis deutlich abgenommen. Unglücklicherweise ist ihre Behausung undicht, so dass es zur Regenzeit immer wieder zu Wassereinbrüchen in ihre kleine Hütte kommt. Sie ist weiterhin in einer praktischen Ausbildung zur Näherin am Sebat Sewing und Embroidery Training Institute.

Besuch September/Oktober 2013: Bizunesh besucht immer noch erfolgreich eine Nähschule (Sebat Sewing und Embroidery Training Institute). Die Ausbildung wird sie Ende 2014 beenden.

Besuch Dezember 2014: Bizunesh geht es soweit gut, wenn man einmal von den immer wieder auftretenden Epilepsieanfällen absieht. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge wird sie ihre Ausbildung Ende April 2015 abschließen und hoffentlich einen guten Job finden.

Besuch Dezember 2015: Leider werfen die epileptischen Anfälle Bizunesh immer wieder in der Schule zurück, so dass sie einige Kurse wiederholen muss. Hier müssen wir Geduld haben.

Besuch Dezember 2016: Bizunesh geht es gesundheitlich nicht besonders gut. Neben den regelmäßigen Epilepsieanfällen leiden beide, Bizunesh und Duke, immer wieder an Paratyphus. Ich habe angeregt, dass sich Duke nach einer Möglichkeit der Wassersterilisierung umschaut, denn so kann es nicht weitergehen. Außerdem soll Duke sich nach neuen Möglichkeiten der Epilepsiemedikation informieren, denn so kann Bizunesh nicht am öffentlichen Leben teilnehmen. Sie hat ihre Ausbildung abgeschlossen, kann aber wegen ihrer chronischen Krankheit nicht regelmäßig arbeiten. Ich schlage vor, dass sie mit Duke einen Businessplan ausarbeitet und wir dann evtl. in eine Nähmaschine für sie investieren. Sie kann dann Schuhe nähen und ihr eigenes Geld verdienen.

Besuch Dezember 2017:Bizunesh und Duke haben im September 2017 ein Baby bekommen. Weiteres siehe unter Duke (Nr. 27).

 

11. Daniel (Gezachew) Degefu Zhingeta
Gezachew (geb. 08.10.1992) wird 20 Jahre alt. Er gehörte zu den besten Absolventen des landesweiten Abiturs, das er am Internat (Adventist-Akaki-Schule) absolviert hat. Somit kann er eine staatliche Universität besuchen. Er wurde dem Fachbereich Ingenieurwissenschaften der Universität von Mekelle (800 km nördlich von Addis) zugewiesen und hat sein Studium im Wintersemester 2011/2012 aufgenommen. Die Berufsaussichten sind gut, da Ingenieure in Äthiopien dringend gebraucht werden. Wir hatten es nicht immer einfach mit Gezachew. (Ich habe ihn vor sechs Jahren von der „Strasse“ geholt). Es ist das Verdienst vom Mesfen, der ihm durch sein konsequentes Verhalten aber auch durch viel Verständnis soziale Kompetenzen vermittelt hat. Gezachew spielt gerne Volleyball und er liebt romantische Romane.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Gezachew studiert in Mekelle, ca 800 km nördlich von Addis. Ich habe mehrfach von Addis aus mit ihm telefoniert. Er spricht mittlerweile gutes Englisch und er geht in seinem Studium auf. Wenn ich mich noch daran erinnere, wie ich ihn zum ersten Mal gesehen habe (er schlief als Straßenkind in einer Holzkiste) hat er demgegenüber eine enorme persönliche Entwicklung erfahren. Ich bin mir sicher, dass Gezachew seinen Weg machen wird.

Besuch September/Oktober 2013: Leider konnte ich auch dieses Mal Gezachew nicht in Mekelle besuchen, das über 1000 km nördlich von Addis liegt. In den Semesterferien kommt er nach Addis und er besucht dann auch seine Familie auf dem Lande. In Addis wird er dann von Yared mit neuer Kleidung versorgt. Gezachew kommt gut mit seinem Ingenieursstudium zurecht. Er fragt jetzt vorsichtig nach einem Laptop, was ein Student der Ingenieurwissenschaften sicherlich benötigt.

Besuch Dezember 2014: Ich habe ausführlich mit Gezachew telefoniert, da Mekelle mit ca. 1000km zu weit von Addis entfernt liegt und somit ein Besuch mit dem Auto nicht in Frage kam. Gezachews Zeugnis ist mit 3.58 von 4 Punkten sehr gut ausgefallen. Hier zeigt sich, dass er mit Hilfe des neuen Laptops, dass er von uns im Frühjahr erhalten hat, seine Leistung steigern konnte. Eine gelungene Investition.

Besuch Dezember 2015: Ich habe ausführlich mit Gezachew in Mekelle telefoniert. Er hat in 2015 ein mehrmonatiges Praktikum in einem Unternehmen in Addis absolviert, das Aufzüge in Neubauten installiert. Er ist auf einem guten Weg und wird wohl in 2016 sein Bachelorstudium abschließen.

Besuch Dezember 2016: Gezachew (eigentlicher Name Daniel) hat das Studium mit 3.36 von 4 Punkten abgeschlossen, ein sehr gutes Ergebnis. Er hält sich derzeit in Addis auf und bewirbt sich intensiv auf Stellen. Über einen Freund von Yasin (Yasin ist früher von uns gefördert worden) ist ihm eigentlich eine Stelle bei Tracon Construction Consultancy zugesagt worden, aber die Dinge verzögern sich. Ich habe nochmals mit dem entsprechenden Mitarbeiter dort telefoniert und er versprach mir, sein bestes zu versuchen. Ich habe noch weitere Telefonate mit Firmen geführt und seine Bewerbungsunterlagen per Email weitergeleitet. Jetzt müsste es doch eigentlich klappen!

Besuch Dezember 2017:Leider hat es trotz intensiver Bemühungen immer noch nicht mit einem Job geklappt. Wir setzten nun unsere Hoffnungen auf einen Geschäftsmann mit guten Kontakten (Awol, Bruder der Frau meines äthiopischen Doktoranden Said), der sich Daniels Fall annehmen will. Daniels Bewerbung an der Universität von Debre Birhan war leider nicht erfolgreich, da aus 52 Bewerbern nur drei ausgewählt wurden. Zwei dieser drei Bewerber hatten einen Masterabschluss, während Daniel nur einen Bachelorabschluss hat.

 

12. Genet Asnake (CPU College)
Genet (geb. 17.09.1992) absolvierte wie Gezachew das nationale Abschlussexamen, allerdings an der Esperanza Schule in Akaki. Nach erster Berechnung gehörte sie auch zu den besten Absolventen landesweit und sie hätte eine staatliche Universität besuchen können. Dann hat das Ministerium aber die Messlatte nachträglich höher gelegt und Genet ist dann knapp gescheitert. Sie hat sich dann für ein „Accounting“ Studium am CPU College in Addis entschieden. Dieser Studiengang ist betriebswirtschaftlich ausgelegt und hat einen Schwerpunkt im Bereich Rechnungs-wesen und Buchhaltung. Wie ich mich persönlich vor Ort überzeugen konnte, lebt Genet zurzeit im Hause eines Freundes ihres Vaters in Addis. Unglücklicherweise hat der aber gerade seine Arbeit verloren. Genet lebt zusammen mit den fünf Kindern der befreundeten Familie in einem Zimmer; das andere Zimmer wird von den Eltern der fünf Kinder bewohnt. Genet klagt, dass sie wegen der Unruhe und des Lärms (5 andere Kinder belegen mit ihr das Zimmer) nicht richtig lernen kann. Die Eltern der befreundeten Familie haben mir auch zu verstehen gegeben, dass sie wegen der Arbeitslosigkeit des Mannes Genet nicht viel länger Wohnraum anbieten können. Wir haben Genet geraten, zusammen mit einer Studienfreundin ein Zimmer zu teilen. Sie freut sich sehr über diese Aussicht, ein neues, ruhiges Zimmer beziehen zu können.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Genet teilt sich ein kleines erschwingliches Zimmer am Stadtrand von Addis mit einer Kommilitonin, die auch am CPU College studiert. Ich habe sie dort besucht (s. Video auf unserer homepage). Genet beklagte auf Anfrage – wie fast alle anderen Familien auch – die große Kälte in der Nacht, die einen erholsamen Schlaf unmöglich macht. Da Genet bislang auch keine warme Unterlage besaß, haben wir eine Wolldecke und Matratze gekauft. Pro Monat fallen alleine 300 Birr für den Bustransport vom und zum College an. Da Genet nur einen Satz Kleidung besitzt, haben wir einen angemessenen Betrag für Kleidung zur Verfügung gestellt und zwei Fachbücher angeschafft. Genet hat eine stark geschwollene Schilddrüse, die sie nun zeitnah bei einem guten Arzt (Kontakt über Yasins Schwester) untersuchen lässt.

Besuch September/Oktober 2013: Genet geht es soweit gut. Leider hat Genet bis dato keine Matratze und Decke von Mesfen erhalten. Wir haben dies sofort nachgeholt. Zur Verbesserung ihrer Englischkenntnisse möchte sie in den nächsten großen Ferien eine English-summer-school besuchen. Dem habe ich gerne zugestimmt, denn englische Sprach-kenntnisse sind bei der späteren Suche nach einem guten Job einfach wichtig. Genet kommt in ihrem accounting Studiengang vorschriftsmäßig voran.

Besuch Dezember 2014: Genet hat in diesem Jahr ihr „Accounting“ Studium am CPU College abgeschlossen und sucht nun nach einem Job. Es hätte fast geklappt, aber dann hat man einen Universitätsabsolventen genommen. Wir werden Genet zunächst drei weitere Monate (bis März 2015) unterstützen. In dieser Zeit wird sie sich intensiv um eine Stellung bemühen, aber ohne Beziehungen ist dies in Addis schwierig. Ich arbeite ja daran, ein Netzwerk mit Geschäftsleuten in Addis aufzubauen, aber das dauert. Plan B sieht vor, das Fach „Accounting“ auf einem höheren Niveau (Bachelor) zu studieren. Wir können Genet auch auf diesem Weg weiter begleiten, aber sie sollte dann während des Studiums einen kleinen Job und somit Verantwortung übernehmen und auf diese Weise zu ihren Lebenskosten beitragen.

Besuch Dezember 2015: Genet hat das Studium „Accounting“ abgeschlossen und zu unserer großen Freude eine Stelle bei einer Finanzbehörde bekommen und sich dabei gegen 170 Mitbewerbern durchgesetzt. In der Zwischenzeit und als Alternativplan hatten wir Genet einen kleinen Kredit gewährt, mit dessen Hilfe sie das Equipment für ein start-up eines mobilen Cafés erworben hat. Nun wird ihre Mutter dieses transportable Café betreiben und vom Erwerb das Aufbaustudium (dreijähriges Abendstudium an der Admas Universität) von Genet mit finanzieren. Da Genets Anfangsgehalt noch sehr niedrig ist (1300 Birr; aber mit dem nächsten Studienabschluss steigen wird), werden wir die Studiengebühren (1000 Birr pro Semester) übernehmen. Genet bedankt sich herzlich bei uns! Ihre Geschichte zeigt uns, dass man es von ganz unten schaffen kann.

Besuch Dezember 2016: Genet macht einen sehr zufriedenen Eindruck und das kann sie auch, nach dieser Entwicklung. Sie arbeitet 40 Stunden/Woche in ihrem Job als Buchhalterin und studiert in den Abendstunden am Wochenende (Bachelor, Accounting). Sie ist im zweiten von insgesamt 3 Studienjahren. Sie braucht ein Laptop für ihr Studium. Die Mutter betreibt auch weiterhin ein „mobiles Café“ und trägt mit ca. 600-900 Birr monatlich zum Lebensunterhalt bei.

Besuch Dezember 2017:Genet geht es gut und ich habe sie in ihrem Zimmer besucht, das sie nun mit ihrer Schwester bewohnt. Ihr Zeugnis ist befriedigend, was aber nicht überrascht, da sie voll berufstätig ist und das College am Abend und am Wochenende besucht. Genet wird ihr Studium im nächsten Jahr abschließen.

 

15. Familie Yohannes (3; Mutter Meseret und die Söhne Kidus und Eyob)
Meseret arbeit in der Wäscherei des Taitu Hotels und verdient monatlich 180 Birr. Ohne unsere Unterstützung reichte das weder zum Leben noch zum Schulbesuch der Kinder. Aber sie setzt ein Zeichen für ihre Kinder, dass sie auch etwas Geld verdient. Meseret hat offenbar ein Problem mit der Schilddrüse, soweit ich das beurteilen kann. Sie wird das von einem Arzt klären lassen. Kidus (7 Jahre alt) und Eyob (11) entwickeln sich prächtig. Das Zeugnis von Kidus könnte aber besser sein. Da die Mutter tagsüber arbeitet, büchst er häufig aus und verbringt den Nachmittag mit Fußballspielen. Eyob ist ernster und nicht so verspielt wie sein Bruder Kidus und er malt und zeichnet sehr gerne. Beide haben aber das Herz auf dem rechten Fleck.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Der Familie geht es gut (s. Videos und Fotos auf unsere Homepage). Allerdings könnte das Zeugnis der Kinder besser sein. Da Meseret ganztägig arbeitet, wird hier das Schultutorium einen positiven Einfluss auf Eyob und Kidus haben. Beide Kinder benötigten Kleidung und eine Schuluniform.

Besuch September/Oktober 2013: Diese beiden Burschen Kidus und Eyob haben es in sich; nichts lieben sie mehr als Fußball und draußen herumtollen. Dennoch sollten sich diese beiden liebenswürdigen Burschen etwas mehr auf die Schule konzentrieren und ich bin diesbezüglich auch etwas böse geworden. Leider hat Mesfen es nicht geschafft, die beiden bei einem Tutorium anzumelden. Da holen wir jetzt schnellstens nach. Mutter Meseret hat offenbar ein ernstes Problem mit der Schilddrüse. Sie hat zunächst Medikamente bekommen und sollte sich bald einer kleineren Operation unterziehen. Wir bleiben hier am Ball.

Besuch Dezember 2014: Nach der Schilddrüsenoperation ist Mutter Meseret wieder völlig gesund und sie kann wieder arbeiten gehen. Den beiden Jungs geht es auch gut. Eyob hat sich in der Schule verbessert und das sind gute Nachrichten. Bei Eyob lassen sich lediglich kleinere Schwächen in Mathe und Englisch erkennen. Da kann man gezielt ansetzen. Leider kann ich das von Kidus Leistungen nicht sagen. Er besetzt Rang 52 von 59. Auch die Mutter verzweifelt an diesem völlig verspielten Burschen. Ich habe dieses Mal Klartext mit ihm gesprochen. Fußball hin oder her, die Schule muss mindestens die gleiche Priorität wie Spielen haben. Ich werde Kidus im Auge behalten.

Besuch Dezember 2015: Mutter und die beiden Söhne sind wohlauf. Kidus zeigt sich leicht verbessert, obwohl sein Zeugnis noch nicht gut ist, während Eyob wieder ein gutes Zeugnis (18/59) vorlegt. Beide benötigen Bücher. Eyob soll wg. seiner guten Leistungen die von ihm benötigten Sportschuhe und Sportdress bekommen. Dies ist vielleicht ein Ansporn für Kidus, es seinem Bruder gleichzutun.

Besuch Dezember 2016: Der sympathischen Familie geht es gut. Eyob konnte seine gute Leistung vom letzten Jahr nicht ganz wiederholen. Aber auch hier gibt es eine nachvollziehbare Begründung: sämtliche Fächer wurden neuerdings auf Englisch gelehrt. Dieses Jahr hat mich endlich einmal Kidus positiv überrascht. Sein Zeugnis ist besser geworden, allerdings ist da noch eine Menge Luft nach oben.

Besuch Dezember 2017: Während Eyob ein passables Zeugnis vorlegen kann, hat Kidus gerade noch die Versetzung in die nächsthöhere Klasse geschafft. An diesem Burschen verzweifle ich noch. Mutter Meseret versucht alles, die beiden Bengels zu motivieren und bei Eyob schafft sie das auch. Aber sie ist berufstätig und Kidus ist einfach zu faul. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich nicht mehr um ihn kümmern werde, sollten seine (chronisch schlechten) Leistungen nicht besser werden.

 

17. Famile Erku (2, Mutter Serkalem und Tochter Habil)
Serkalem ist HIV positiv, aber sie hat sich gesundheitlich gefangen, sodass sie wieder 200 Birr monatlich als Reinigungskraft verdient. Habil ist 16 Jahre alt und geht in die 8. Klasse, wo sie die zwanzigbeste von 83 MitschülerInnen ist. Habil möchte später gerne Architektur studieren oder in einer Bank arbeiten.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mit einem Notendurchschnitt von 2,5 sind ihre Leistungen ganz ordentlich. Sie benötigt aber in den zukünftigen Zeugnissen einen Notenschnitt von 2.8 – 3.0 (4.0 ist die Bestnote). Habil wird nun auch das Tutorium an der Schule besuchen, um den geforderten Notendurchschnitt zu erreichen, der zum Besuch der Universität berechtigt. Wir haben auch Fachbücher für Mathematik, Biologie und Chemie gekauft.

Besuch September/Oktober 2013: Mutter Serkalem (HIV positiv) geht es leider immer wieder schlecht und sie kann nicht arbeiten. Das bedeutet für Habil, dass sie in dieser Zeit den Haushalt übernehmen muss und sich dann konsequenterweise nicht ausreichend mit Hausaufgaben etc. befassen kann. Da aber dieses Schuljahr (National Examination) für Habils Zukunft entscheidend ist (hier wird festgelegt, wer weiter in Richtung Universität geht), fördern wir die Familie mit zusätzlich 300 Birr für Haushaltshilfe. Beide benötigen warme Kleidung und Regenschutz.

Besuch Dezember 2014: Beiden geht es gut. Aufgrund ihrer guten Leistungen in der Schule besucht kann Habil seit September 2014 die Addis Abeba University (Fachbereich Konstruktionstechnik und Management) besuchen. Die Studien-gebühren betragen 1660 Birr (ca. 66€) pro Semester bei drei Semestern pro Jahr. Habil braucht Fachbücher: Sie liest gerne englische Romane und das wird ihre Englischkenntnisse verbessern. Wie im einleitenden Teil erläutert, habe ich in Ersatzvornahme unseren Beitrag für alle Studierenden erhöht.

Besuch Dezember 2015: Habil ist seit Mai 2015 in Beirut (Libanon). Leider hat sie diesen Schritt nicht mit uns abgestimmt und auch ihre Mutter war dagegen. Dank der guten Fach- und Englischkenntnisse hat sie eine Stelle bekommen, aber sie hätte sich mit uns absprechen müssen. Auch hat sie ihrer Mutter noch kein Geld gesendet, so dass Serkalem ohne uns kein Dach mehr über dem Kopf hätte. Duke wird Habil in Beirut anrufen und ihr mitteilen, dass unser Verein eigentlich nicht für ihre Mutter sorgen kann und dass sie zeitnah Geld überweisen sollte.

Besuch Dezember 2016: Habil ist wieder zuhause und die Mutter ist überaus glücklich darüber. Habil hat ihren Fehler eingesehen und um eine zweite (letzte) Chance gebeten. Der Grund für ihren Ausbruch nach Beirut war ihr Studium (Konstruktionstechnik und Management), das sie nicht im Griff hatte. Anstatt uns zeitnah mitzuteilen, dass dieses Studium nicht für sie geeignet ist, hat sie es weiter versucht und ist dabei nicht glücklich geworden. Sie studiert nun „Accounting“ am Rift Valley College und dieses Studium macht ihr nun Spaß.

Besuch Dezember 2017:Bei meinem Besuch habe ich nur Habil angetroffen, da Mutter Serkalem (HIV positiv) arbeiten musste. Eine Arbeit zu haben, ist für Serkalems Selbstwertgefühl wichtig. Beiden geht es soweit gut, auch gesundheitlich. Habil macht das Studium viel Freude und das spiegelt sich auch in sehr guten Noten wider (3.11 von 4). Der von uns zur Verfügung gestellte Laptop ist für ihr Studium sehr wichtig.

 

18. Familie Aregawi (2, Mutter Mehret und Tochter Bezawit)
[Im Video 2011/2012 irrtümlich als Familie Gebreselassie bezeichnet]

Mehret produziert Korbwaren und verdient durch den Verkauf monatlich ca. 150 Birr. Sie argumentiert, wenn sie kochen lernen würde, könnte sie gut eine Stelle in einem Hotel bekommen. Das würde ein deutlich besseres Einkommen bedeuten und wir könnten unsere Förderung entsprechend reduzieren. Dies wäre auch ein Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe. Ihre kleine Tochter heißt Bezawit (geb. 07.12.2002) und sie geht in die zweite Klasse. Ihre Leistungen sind gut; Sie hat Rang 19 von 67 SchülerInnen inne. Bezawit hat aber – wie so viele andere auch – ein Problem mit den Augen. Sie wird derzeit von einem Augenarzt betreut und hat eine Brille bekommen. Seitdem hat sie keine Probleme mehr.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mehret hat vor 5 Monaten eine Ausbildung zur Köchin angetreten. Diese Ausbildung dauert noch ein Jahr (s. Fotos auf unserer homepage). Unserer Meinung nach eine sehr gute Wahl, denn in Addis werden zahllose Hotels gebaut, die gut ausgebildetes Küchenpersonal benötigen. Auch haben wir einen Kontaktmann (Bekelle) im Hilton, neben dem Sheraton das führende Hotel in Addis. Tochte Bezawit geht es sehr gut. Mit ihrer Brille hat sie auch langfristig gesehen keine Augenprobleme mehr. An Bezawits Schule wird leider kein Tutorium angeboten, so dass wir uns hier für eine private Lösung entschieden haben. Hier kommt ein Lehrer täglich für eine Stunde zu Bezawit nach Hause.

Besuch September/Oktober 2013: Mit der neuen Brille geht es Bezawit sehr gut (siehe Foto) Allerdings hat sie ein Problem an ihrer Schule. Die Mutter bestätigt, dass sie sehr fleißig lernt, aber bei den Klausuren nicht abrufen kann. Sie fühlt sich von den Lehrern an der jetzigen Schule stark unter Druck gesetzt und sie entwickelt Angst, unter diesem Druck Fehler zu machen. Das Ergebnis ist eine Blockade. Wir haben Bezawit jetzt auf einer nahe gelegenen Privatschule angemeldet, wo weniger SchülerInnen auf einen Lehrer kommen (Schulgebühren 4800 Birr pro Jahr). Mutter Mehret hat ihren Koch- und Gastronomieservicekurs erfolgreich abgeschlossen und hofft nun, einen qualifizierten Job zu finden.

Besuch im Dezember 2014: Wir haben Bezawit direkt an ihrer neuen Schule besucht und bei dieser Gelegenheit mit ihren Lehrern/Lehrerinnen gesprochen. Bezawit hat in der Schule immer wieder eine Art epileptischer Anfälle und kann dann nicht mehr am Unterricht teilnehmen. Derzeit wird sie traditionell behandelt. Wenn sich keine Besserung einstellt, sollte sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Bedingt durch den höheren Leistungsstandard an der neuen Schule und der krankheitsbedingten Abwesenheit vom Unterricht konnte ihr Zeugnis wohl nur durchschnittlich ausfallen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie schnell wieder gesund wird und mit Hilfe eines Tutors den Stoff aufholt.
Mutter Mehret hat ihren Kochkursus erfolgreich bestanden und hätte auch schon eine Stelle bekommen, wenn ihre Englischkenntnisse nicht so schlecht wären. Sie vertraut voll und ganz auf ihre Qualitäten und möchte gerne mit Hilfe eines Mikrokredits ein sehr kleines Geschäft eröffnen, in dem sie einfache lokale Speisen anbietet. Ich favorisiere momentan aber die (preiswertere) Variante, ihre Englisch-kenntnisse in einem Sprachkurs zu verbessern und zunächst einmal Erfahrungen als Köchin in einem Restaurant oder privaten Haushalt zu sammeln.

Besuch Dezember 2015: Mutter und Tochter geht es gesundheitlich gut. Dank ihrer Ausbildung und des Englischkurses hat die Mutter nun eine Stellung gefunden. Sie arbeitet an drei Tagen in der Woche als Köchin und verdient 700 Birr. Eine kleine Erfolgsgeschichte. Bezawit zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr in der Schule verbessert und benötigt nun einige Schulbücher.

Besuch Dezember 2016: Hier ist alles in Ordnung und die Leistung von Bezawit auf einer Privatschule ist konstant. Wir haben Bezawit auch ein einfaches englisches textbook übergeben, für das sie sich interessiert hat. Bezawit scheibt selber Gedichte und sie interessiert sich für Lyrik. Sie möchte gerne mehr über Lyrik wissen und auch Gedichtsbände lesen.

Besuch Dezember 2017:Mutter Mehret und Tochter Bezawit sind wohlauf und glücklich. Die Mutter kocht 3 x wöchentlich in einem privaten Haushalt und putzt 1 x in der Woche in einem Krankenhaus. Mit dem Lohn von 900 Birr trägt sie zum Lebensunterhalt der kleinen Familie bei und das ist wichtig. Bezawit macht die Schule Spaß, was sich wieder in einem ordentlichen Zeugnis ausdrückt. Sie hat dieses Mal zwei eigene Gedichte vorgetragen. Diese Familie macht uns viel Freude.

 

20. Familie Fekadu (5; Vater Fekadu, Mutter Melesu, Töchter Lilena und Maklit sowie ein männliches Baby)
Lilena (12, grade 6) und Maklit (8, grade 3) möchten beide Ingenieur werden. Die Zeugnisse sind vielversprechend: Lilenas Zeugnis ist gut und sie ist auf Rang 13 von 45 MitschülerInnen, Maklits Zeugnis ist ebenfalls gut Rang 11 von 47).
Der Vater war in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt und steht deshalb vor Gericht. Er musste für die Dauer des Gerichtsprozesses für ca. ein Jahr ins Gefängnis und die Familie hatte kein Einkommen mehr. Jetzt hat sich vor Gericht herausgestellt, dass er unschuldig ist. Was für ein ungerechtes System. Wichtig ist, dass er nun wieder als Fahrer arbeiten kann.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Vater Fekadu arbeitet wieder als Fahrer und war auch während meines Besuchs unterwegs. Das Gerichtsverfahren ist immer noch nicht abgeschlossen. Die Familie hat im Juni 2012 Nachwuchs bekommen, ein kleiner Junge, für den noch kein Name gefunden wurde. Mutter Melesu hat mir von sich aus gesagt, dass die Familie nun komplett sei und keine weiteren Kinder dazu kommen. Ausnahmsweise gibt es an der Schule von Maklit und Lilena kein Tutorium. Wir testen hier ein privates Tutorium und schauen uns in einem Jahr das Ergebnis an.

Besuch September/Oktober 2013: Der kleine Junge heißt Ebenezer. Alle sind wohlauf, Vater Fekadu war wieder als Fahrer unterwegs. Das Tutorium hat positive Wirkungen gezeigt. Beide Kinder benötigen moderne Fachbücher und sie fragten nach einem Computer, der sicherlich für eine moderne Ausbildung wichtig ist. Ich werde diesen Punkt auf unserer Jahresversammlung zur Diskussion stellen. Die Mädchen besuchen beide weiter das Tutorium, aber wir erwarten auch eine Leistungsverbesserung.

Besuch Dezember 2014: Die Familie ist wohlauf. Maklit konnte sich gegenüber dem letzten Zeugnis verbessern (22/50), zeigt aber leichte Schwächen in Englisch und Mathe. Sie wird Bücher zum Selbststudium in beiden Fächern bekommen. Die ältere Schwester Lilena wird hier helfen. Lilena hat sich von Rang 17 auf Rang 5 vorgearbeitet. Das ist eine respektable Leistung und hier hat sich das Tutorium wirklich gelohnt.

Besuch Dezember 2015: Familie Fekadu geht es gut. Lilena kann ihren positiven Trend fortsetzen und legt ein sehr gutes Zeugnis vor (81%; 4/33). Im kommenden Jahr steht das National Exam (11 Klasse) an, das über den Zugang zu einer staatlichen Universität entscheidet. Ich bin sehr zuversichtlich. Auch Maklit hat sich gut entwickelt (76%; 16/40). Beide betonen, dass sie einen Computer benötigen, um in der Schule kompetitiv sein zu können. Beide benötigen ebenfalls einige Schulbücher.

Besuch Dezember 2016: Maklit habe ich dieses Mal nicht angetroffen (sie war in der Schule und musste eine Klassenarbeit schrieben), dafür habe ich seit einigen Jahren wieder den Vater Fekadu getroffen, der ansonsten als Lastwagenfahrer unterwegs war. Maklits Zeugnis ist mit 67/100 in Ordnung. Lilena hat im National Exam (grade 10) mit 3 von 4 möglichen Punkten ein gutes Ergebnis erzielt. Diesbezüglich war sicher der Laptop, den beide Kinder im März 2016 erhalten haben, hilfreich. Lilena möchte später „Economy“ studieren.

Besuch Dezember 2017:Ich habe beide Mädchen und die Mutter angetroffen. Vater Fekadu (Lastkraftfahrer) war unterwegs. Lilena hat ein sehr gutes Zeugnis vorgelegt (90 von 100 Punkten; Rang 4 von 45 SchülerInnen). Sie benötigt einige Schulbücher für das laufende Schuljahr. Maklits Leistung ist ebenfalls sehr gut (84.4 von 100 Punkten), so dass wir sehr zufrieden sein können.

 

24. Yared Demilew
Yared (22) hat erfolgreich an der Universität von Bahar Dar Journalismus und Kommunikation studiert (Abschlussnote 2.3). Zusätzlich hat er eine praktische Ausbildung als Klempner absolviert. Jetzt hoffen wir, dass er eine gute Stelle bei einer Zeitung, Rundfunk oder beim Fernsehen bekommt. Er würde aber auch als Klempner arbeiten.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Seit einem Jahr nun sucht Yared nach einem Job als Journalist oder Klempner. Ich habe in Addis diesbezüglich mit Yasin gesprochen. Er wird einen Freund beim Fernsehen kontaktieren. Dies ist die erste Priorität. Sollte es hier nicht klappen, wird Yasin Freunde im Baugewerbe ansprechen, um eine Anstellung als Klempner zu bewirken.

Besuch September/Oktober 2013: Ab September führt Yared die Arbeit von Mesfen weiter. Nachdem wir trotz intensiver Suche für Yared keinen Job im Bereich Journalismus gefunden haben (Äthiopien hat de facto keine freie Presse und deswegen sind die Arbeitsmöglichkeiten beschränkt), hat es sich nun für einen sehr angewandten Studiengang (Rural Development = Ländliche Entwicklung) eingeschrieben. Gerade die Weiterentwicklung der Infrastruktur in den Agraregionen des Landes ist lebenswichtig für einen modernen Staat. Auch sind diesbezüglich viele NGOs eingebunden, die später als Arbeitgeber in Frage kommen.

Besuch Dezember 2014: Mit Yared stehe ich im ständigen Kontakt. Wir telefonieren regelmäßig und besprechen aktuelle Vorhaben. In seinem Studium läuft es gut und er ist sehr engagiert bei der Sache.

Besuch Dezember 2015: Yared hat Anfang 2015 seinen schwerkranken Vater auf dessen ausdrücklichen Wunsch für mehrere Wochen in Bahar Dar besucht. Deswegen hat er wichtige Klausuren versäumt und konnte das Semester nicht mehr erfolgreich abschließen. Unglücklicherweise gibt es kein nachrückendes Semester, in das Yared einsteigen konnte, so dass er sich gezwungen sah, einen neuen Studiengang aufzunehmen. Er selber bedauert dies am meisten. Yared studiert seit September 2015 Soziologie an der AA University.

Besuch Dezember 2016: Neben seinem Studium an der Universität von Addis Abeba hat Yared im letzten Jahr auch ein Trainingsprogramm als Klempner abgeschlossen. Derzeit erweitert er seine Chancen auf ein zusätzliches Einkommen, indem er ein Trainingsprogramm für die Installation von Fernseher-Satelliten-schüsseln absolviert. Um ein Nebeneinkommen zu generieren, benötigt er ein elektronisches Gerät, um die Satellitenschüsse optimal und schnell auszurichten. Yared führt seine Arbeit für unseren Verein vertrauensvoll, ruhig und mit großer Genauigkeit durch.

Besuch Dezember 2017:Yared, einer unserer beiden Mitarbeiter in Addis, geht es mittlerweile wieder besser. Er ist im letzten Jahr immer wieder von Typhus ähnlichen Symptomen heimgesucht worden und konnte häufig sein Zimmer nicht verlassen. Dies hat sich natürlich auch auf seine Studienleistungen ausgewirkt. Wir haben nun ausführlich diskutiert, wie solche Erkrankungen zu vermeiden sind. Das Stichwort lautet sauberes Wasser und mehr Vitamine durch Obst und Gemüse, um das Immunsystem zu stärken. Ich gehe davon aus, dass im nächsten Studienjahr seine Leistungen wieder den alten Stand erreichen werden und Yared sein Studium planmäßig abschließen wird. Yared führt das Tagesgeschäft für unseren Verein mit sehr großem Engagement und zu unserer vollsten Zufriedenheit.

 

25. Familie Derebe (2, Mutter Zenash und Tochter Mehret)
Mesfen hat Mutter Zenash (geb. 25.07.1982) mit ihrem Kind (geb. 10.11.2007) in einer verzweifelten Lage angetroffen. Beide lebten unter einer Plastikplane im Dreck am Straßenrand. Zenash ist HIV positiv, aber Mehret Gott sei Dank nicht. Der Vater hat Mutter und Kind vor zwei Jahren verlassen. Mittlerweile haben sie ein schützendes Dach über dem Kopf und die Mutter wird medizinisch versorgt. Wir haben beide schwer erkältet angetroffen, denn die Nächte sind in Addis auf ca. 2200 m Höhe sehr kalt. Aus meinem mitgebrachten Fundus haben wir Mutter und Kind sofort mit warmer Kleidung versorgt. Am Tag darauf wurde eine große Wolldecke beschafft. Die Mutter hat die Schule nach der vierten Klasse verlassen müssen. Mehret hat nun eine echte Chance. Wir haben Zenash vor einigen Monaten einen kleinen Verkaufstisch und Gemüse finanziert. Damit hat sie sehr geschickt ein kleines Geschäft aufgebaut und kann nun mit ihren eigenen Händen auch einen Teil zur Versorgung ihrer Tochter beitragen. Mittlerweile verkauft sie Holzkohle, getrockneten Kuhdung (als Brennstoff), Tomaten, Chili und Zwiebeln.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Seit dem Tod des Premierministers Menes reagiert die Polizei aktiv auf nicht angemeldete Verkaufsstände Somit ist der kleine Gemüseverkaufsstand von Zenash auch betroffen, denn eine Lizenz ist sehr teuer und lohnt sich erst bei größeren Umsetzten. Sie wartet jetzt ab, bis sich die Lage einigermaßen beruhigt und nimmt dann den Straßenverkauf wieder auf. Alternativ verkauft sie von ihrer Wohnung aus Holzkohle an die Nachbarn. Der Verkaufserlös ist allerdings deutlich geringer. Tochter Mehret geht es gut und beide frieren nachts nicht mehr, seitdem sie eine Wolldecke haben.

Besuch September/Oktober 2013: Mutter und Tochter sind wohlauf. Mehret hat eine kleinere Entzündung am Ohr, der wir medizinisch nachgehen werden. Mehret geht in die dritte Kindergartenklasse und macht sich dort gut. Mutter Zenash hat den Straßenverkauf wieder aufgenommen und verdient monatlich ca. 200 Birr. Aktuell hat Tochter Mehret ein Magenproblem. Yared kümmert sich darum.

Besuch Dezember 2014: Mutter Zenash (HIV positiv) leidet momentan an Rückenproblemen, die wohl die Folge der Nebenwirkungen eines HIV Medikamentes sind. Der Arzt hat ein neues Medikament verordnet und wir hoffen nun, dass die Rückenschmerzen nachlassen. Tochter Mehret geht es gut, obwohl sie vor ein paar Tagen bei einer Tanzvorführung in der Schule gestürzt ist und eine Verletzung unter dem Auge hat. Mehret ist in der ersten Klasse und von 52 SchülerInnen die Achtbeste. Eine feine Leistung.

Besuch Dezember 2015: Mutter Zenash leidet immer noch an Rückenschmerzen und sie hat ein Baby bekommen (Kidist, im Oktober 2015 geboren). Der Vater (Dessiewu) arbeitet als Wachmann und lebt mit der Familie zusammen. Hier müssen wir aufpassen, dass unsere Unterstützung nicht zweckentfremdet wird. Auch habe ich Zenash nahegelegt, die Familie nicht noch weiter zu „vergrößern“. Mehret leidet an einer Hautentzündung und wird einen Arzt aufsuchen. Ihr Zeugnis ist gut und sie benötigt einige Schulbücher.

Besuch Dezember 2016: Die kleine Familie hat wegen der immer weiter steigenden Mieten eine Hütte weit vor den Toren der Stadt gemietet. Die Hautentzündung von Mehret ist überstanden, aber nun hat sie Verletzungen an den Zehen, die sie sich auf dem sehr langen Schulweg auf scharfem Schotter ohne feste Schuhe zugezogen hat. Ein Arzt wird sich die Füße anschauen und wir werden ihr robuste Schuhe kaufen sowie einige Schulbücher. Mehret hat ein gutes Zeugnis (88,7/100 Punkte) bekommen und sie macht auf mich einen aufgeweckten Eindruck. Leider wurde in der neuen Wohnung eingebrochen und die Bettdecke, Schuhe und Kleidung gestohlen. Mutter Zenash wird von uns für die Anschaffung der nötigsten Dinge einen Kredit bekommen, den sie mit 50 Birr monatlich zurückzahlen wird. Zenash braut zuhause ein spezielles Bier, was sie in der Nachbarschaft verkauft und somit ca. 140 Birr monatlich erwirtschaftet.

Besuch Dezember 2017:Mehret konnte leider den guten Notendurschnitt vom letzten Jahr nicht halten und sie hat das letzte Schuljahr mit 78 von 100 möglichen Punkten aber immer noch ordentlich abgeschlossen. Sie klagt über häufige Nackenschmerzen, verursacht durch unsachgemäß entfernte Warzen, die zu einem Konzentrationsverlust beim Lernen führten. Ein Arztbesuch soll nun Abhilfe schaffen. Mehret benötigt zwei neue Schulbücher (Amharisch, Mathematik).

 

27. Mesfen Demilew Betewa (genannt Duke)
Duke ist zur Zeit in Osnabrück und er studiert hier an der FH International Business and Management. Ich hatte schon berichtet, dass Duke nach dem Besuch seiner kranken Frau in Addis sein Studium nach dreimonatiger Unterbrechung an der FH Osnabrück zum September 2011 wieder aufgenommen hat. Duke steht in fast täglichem Kontakt mit Mesfen in Addis und betreut von Deutschland aus unsere Projekte in Äthiopien. Wer möchte, kann jederzeit mit Duke Kontakt aufnehmen (mesfingesu@gmail.com; Tel. 017671943954). Duke studiert mit einem DAAD Sandwich Stipendium: 25% (=125€) zahlen wir, den gleichen Betrag der Bernward Clasen Verein und 50% der DAAD. Duke lebt im Studentenwohnheim am Jahnplatz und er fühlt sich sehr wohl in Deutschland.
Nach letzten Informationen liegt Duke mit seinen Leistungsnachweisen im Plan.

Besuch im Dezember 2014: Leider kann Duke sein Studium in Osnabrück nicht weiter fortsetzen. Er hat eine Klausur endgültig nicht bestanden und die Prüfungsordnung sieht hier keine Ausnahmen vor. Ich habe selber mit den Professorinnen gesprochen. Dies ist für alle Beteiligten eine große Enttäuschung, ganz sicher auch für Duke. Er ist mittlerweile wieder zurück in Addis und studiert dort aufbauend auf dem Studium in Osnabrück an der Unity University das Fach Development Economics mit dem Ziel eines Masterabschlusses. Das Studium dauert zwei Jahre. Seine Familie ist extrem enttäuscht und seine Mutter spricht nicht mehr mit ihm. Dies ist keine leichte Zeit für ihn. Ich plädiere stark dafür, ihm als Ausgleich für seine Arbeit für unseren Verein dieses Studium zu finanzieren. Im Wesentlichen fallen hier Transportkosten (zur 25km entfernt liegenden Universität), Studien-gebühren, Kopierkosten, und Taschengeld. Da sein sechs Jahre altes Laptop kaputt ist, müsste er auch ein neues bekommen.

Besuch Dezember 2015: Seine Studien gehen gut voran und er arbeitet auch weiterhin zuverlässig für unseren Verein.

Besuch Dezember 2016: Duke hat sich mittlerweile gut in Addis eingewöhnt, er leidet aber immer wieder unter Paratyphus. Hier muss Abhilfe geschaffen werden (s. Vorschläge unter Bizunesh, 10.). Duke befindet sich nun im letzten Studienjahr und er muss nur noch seine Master-Abschlussarbeit einreichen. Er ist zuversichtlich, mit allen seinen Qualifikationen eine gute Stellung zu bekommen. Während meines Aufenthaltes in Addis haben wir Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Gesellschaft besucht und dort die Bewerbungsunterlagen von Duke, Yared und anderen Absolventen eingereicht.

Besuch Dezember 2017:Am 30.09.2017 haben Duke und Bizunesh ein süßes Baby bekommen, das auf den Namen Lea getauft wurde. Da Duke während der Schwangerschaft wegen der regelmäßigen Epilepsieanfälle von Bizunesh kaum das Haus verlassen konnte, ruht seitdem die Abfassung seiner Masterarbeit. Momentan sieht die Situation besser aus und Duke wird sich zeitnah weiter mit seiner Studienabschlussarbeit befassen. Ansonsten ist Duke auch weiterhin der ruhende Pol unserer Arbeit vor Ort.

 

32. Familie Ayalew (4, Vater Ayalew, Tochter Zebider; Söhne Endalew, Befekadu)
Vater Ayalew ist 36 Jahre alt und blind. Seine Frau ist im Oktober 2010 verstorben und er lebte bis vor einem Jahr allein mit seinen drei Kindern in einer ärmlichen Hütte. Ayalew musste bislang mit 300 Birr monatlich auskommen, die er erbettelt hat. Seit dem Tod der Mutter konnten die Kinder nicht mehr zur Schule gehen. Ich konnte mich davon überzeugen, dass die Familie nun ein festes Dach über dem Kopf hat und die Kinder können nun wieder zur Schule gehen; Ihre Leistungen können sich durchaus schon sehen lassen.
Zebider (Tochter, 10 Jahre alt): Rang 19 von 56, Endalew (Sohn, 8): Rang 14 von 48, Befekadu (Sohn, 6): alle Fächer A = sehr gut (keine Rangfolge auf dem Zeugnis angegeben).
Dennoch mangelt es an warmer Kleidung und Decken für die Nacht. Warme Kleidung konnte ich direkt verteilen, zwei Wolldecken werden zeitnah beschafft.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Auch diese Familie konnten wir nicht zu Hause besuchen wegen der Gefahr der Mieterhöhung, wenn ein Europäer dort vom Eigentümer gesehen wird (s. auch Einleitung). Zebider (5 von 25) und Befekadu (6 von 49) haben ein sehr gutes Zeugnis, während demgegenüber Endalew (24 von 44) etwas abfällt. Alle drei Kinder sollen das Schultutorium besuchen. Wir warten das nächste Zeugnis ab, ob vielleicht Zebider und Befekadu mögliche Kandidaten für die Akaki- oder Esperanza-Schule sind.

Besuch September/Oktober 2013: Der blinde Vater hat wieder geheiratet (Wubanch, geb. 1983) und seine neue Frau macht nun den Haushalt. Die Familie hat eine neue Unterkunft bezogen, die ich „gefahrlos“ besuchen kann, ohne dass der Eigentümer aufgrund meines Erscheinens die Miete erhöht. Die 3 Kinder können sich voll auf die Schule konzentrieren und das zeigt sich in den z.T. stark verbesserten Leistungen.
Zebider: 3 von 34, Endalew: 3 von 44, Befekadu: 4 von 56. Diese Familie benötigt dringend neue Kleidung.

Besuch Dezember 2014: Der Familie geht es in ihrem neuen Raum gut. Zebider hatte ein Problem mit den Augen, dass aber nach einem Arztbesuch behoben ist. Alle drei Kinder zeigen sehr gute Leistungen, so dass sie – weitere Konstanz in den Leistungen vorausgesetzt – demnächst eine Privatschule besuchen sollten:
Zebider: 5 von 59; Berufswunsch: Ärztin, Endalew: 1 von 57; Arzt, Befekadu: 6 von 36; Lehrer

Besuch Dezember 2015: Die beiden Jungs legen wieder ein sehr gutes Zeugnis vor, obwohl sie auf eine leistungsstärkere Privatschule gewechselt haben (Endalew 1/35; Befekadu 4/28). Beide Burschen brauchen Schultaschen, Schuhe und Sportzeug. Sie interessieren sich für englische Texte und ich werde nächstes Jahr entsprechend Lektüre mitbringen. Unglücklicherweise gibt es Probleme mit Tochter Zebider, die zunächst ein sehr gutes Zeugnis aufweisen kann (4/41). In einem kritischen Alter (15 Jahre) gibt es immer wieder Probleme mit dem blinden Vater. Sie war mehrere Wochen nicht in der Schule und der Direktor hat Zebider und ihren Vater zu einem klärenden Gespräch gebeten. Ich konnte sie während meines Aufenthaltes nicht erreichen und sie lebt auch seit ein paar Wochen nicht mehr bei ihrem Vater. Sie ist so begabt und läuft Gefahr, ihre Zukunft zu ruinieren. Ich hoffe, dass sie sich bei Yared meldet und ihre Probleme mit ihm bespricht.

Besuch Dezember 2016: Die beiden Söhne legen jetzt auch in der leistungsstärkeren Privatschule konstant gute Zeugnisse vor. Allerdings beschwert sich der Vater über die aus seiner Sicht hohen Ausgaben für die Schule. Ich musste ihn deutlich daran erinnern, dass dieses Geld schließlich von uns kommt. Auch hier wieder die fatalistische Sichtweise, dass die Unterstützung verdient ist, regelmäßig ausgezahlt werden sollte und wohl keine Gegenleistung nötig ist. Hier müssen wir aufpassen und den Sachverhalt klarstellen. Die beiden Jungs haben Kleidung, Schuhe, Sportzeug sowie englische Texte zur Verbesserung der Sprache bekommen.

Besuch Dezember 2017:Der Familie um Vater Ayalew geht es gut. Der Vater zeigte sich dieses Mal sehr dankbar für unsere Unterstützung. Seine begabten Söhne legten wiederum sehr gute Zeugnisse vor (Privatschule!). Endalew: 94%, Rang 4; Befekadu: 83.3%, Rang 8. Endalew und Befekadu wünschen sich Schuhe und sie benötigen ein paar Schulbücher.

 

33. Familie Destaw (3; Mutter, Tochter Fasika und Sohn Eyob)
Die Mutter, Mamu Destaw, ist ca. 1963 geboren und kann nur noch mit Mühe an Krücken laufen. Dies ist die Konsequenz eines Unfalls als kleines Kind. Ein umstürzender Baum hat ihr die Beine gebrochen; dieser Bruch wurde aus Geldmangel nicht behandelt und die Knochen sind wohl schief zusammen gewachsen. Sie erbettelt vor einer Kirche ca. 15 Birr am Tag. Ihr Mann starb vor drei Jahren. Sohn Eyob wurde am 28.06.2007 geboren. Tochter Fasika ist 11 Jahre alt und geht in die sechste Klasse. Sie leidet an Epilepsie und kann somit nicht regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Aus diesem Grunde gehört sie eher zu den schwächeren Schülerinnen in der Klasse. Wegen der prekären finanziellen Situation bekommen die Kinder lediglich Brot zu essen. Wegen der besonderen Schwere des Falls möchte ich diesbezüglich mit Jutta de Muynck zusammenarbeiten. Jutta habe ich in Addis kennengelernt. Sie hat das MCRC (Mother and Child Rehabilitation Centre www.mcrc-addisababa.org/) gegründet und leitet es mit großem Engagement. Jutta arbeitet mit Ärzten und Psychotherapeuten zusammen. Das können wir so nicht leisten. Zunächst ist eine medizinische Untersuchung und entsprechende Behandlung vorgesehen. Später kann die Mutter vielleicht im Rahmen des MCRC beschäftigt werden. Hier wird Kleidung genäht und allerlei kleinere Produkte hergestellt und in einem eigenen Geschäft von den Müttern verkauft.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: In meinen ersten Gesprächen mit Jutta konnte ich sie noch nicht überzeugen, Mamu und ihre Tochter Fasika aufzunehmen. Linda van Alphen, die mich auch mit Jutta de Muynck bekannt gemacht hat, wird diese Gespräche nun führen und auch versuchen, die Familie Alemu (43) bei MCRC zu integrieren. Sollte und dies nicht gelingen, wird Yasins Schwester uns einen guten Arzt empfehlen, der Fasika gut versorgen kann. Fasika zeigt trotz der regelmäßigen epileptischen Anfälle einen leichten Leistungsanstieg in der Schule. Sie spielt gerne und sehr erfolgreich Volleyball und sie ist von der Stadt Addis und der Regierung für ihre besonderen Leistungen ausgezeichnet worden. Auch hier fehlte Kleidung und eine Wolldecke. Eyob geht es gut und er besucht seit 2012 den Kindergarten (Vorschule).

Besuch September/Oktober 2013: Die Kapazitäten am MCRC sind leider begrenzt, so dass ich hier momentan keine Lösungsmöglichkeit sehe. Auch ist die Mutter sehr zurückhaltend, was eine medizinische Therapie angeht. Die von den Ärzten verschriebenen Epilepsiemedikamente haben angeblich sehr starke Nebenwirkungen, so dass man hier eher auf holy water (geweihtes Wasser) vertraut. Ich bin nun kein Mediziner und eine Beurteilung dieses Falles fällt mir schwer. Yasin hat uns eine gute Klinik empfohlen, aber wir können und wollen die Menschen ja nicht zwingen, dort hin zu gehen. Fasika zeigt trotzdem eine ansprechende Leistung in der Schule (27 von 41). Gerade im zweiten Schulhalbjahr ist eine deutliche Steigerung zu sehen (15 von 41), vielleicht ein gutes Zeichen für das nächste Zeugnis. Sie wünscht sich einen Volleyball, mit dem sie trainieren kann. Eyob ist nun sechs Jahre alt und sein Zeugnis weist 4 x A (sehr gut), 1 x B und 1 x C auf.

Besuch Dezember 2014: Die Epilepsieanfälle von Fasika nehmen zu (fast jeden zweiten Tag ein Anfall!) und das macht mir große Sorgen. Ich habe der Mutter dringend geraten, die von Yasins Schwester (Ärztin) empfohlene Klinik zu besuchen. Parallel werde ich nochmals mit Linda van Alphen sprechen und sie bitten, diese Familie bei MCRC (Jutta de Muynck, s.o.) unterzubringen. Diese Organisation verfügt über eigene Ärzte. Obwohl Fasika fast jeden zweiten Tag einen Anfall hat, konnte sie das Schuljahr doch erfolgreich abschließen. Sie spielt immer noch gerne Volleyball und würde sich sehr über einen Volleyball freuen, den wir ihr gerne geben. Bruder Eyob ist etwas besser als der Klassendurchschnitt und ich habe ihn ermahnt, intensiver für die Schule zu arbeiten. Die Mutter Mamu ist stark behindert und kann sich natürlich nur bedingt um ihre Kinder kümmern. Auch diesbezüglich wäre die Familie sehr gut bei MCRC aufgehoben.

Besuch Dezember 2015: Leider hat der MCRC eine Zusammenarbeit wg. Überlastung abgelehnt. Dies ist nicht das erste Mal und wir werden uns nun nicht mehr an diese Organisation wenden. Insgesamt erleidet Fasika weniger Anfälle und ihr Zeugnis ist besser geworden (18/30). Sie hat leichte Schwächen in Biologie und Chemie und für diese Fächer wird sie nun Fachbücher bekommen. Ihre Volleyballmannschaft hat im letzten Jahr einige nationale Turniere gewonnen und wir möchten ihr nun in Anerkennung ihrer besseren schulischen Leistungen einen Ledervolleyball schenken. Der Plastikball vom Vorjahr hat leider nicht lange gehalten. Bruder Eyob hat leider ein schlechteres Zeugnis als im Vorjahr vorgelegt und er muss sich nun dringend verbessern.

Besuch Dezember 2016: Der Familie geht es soweit gut. Eyobs Zeugnis ist insgesamt etwas besser als im letzten Jahr, was erfreulich ist. Allerdings ist er im Fach Englisch durchgefallen. Hoffentlich hilft hier die mitgebrachte Englischlektüre. Fasika hat leider das National Exam nicht bestanden. Offenbar hat sie zu viel Zeit in den Volleyball investiert. Sie gehört allerdings zu den besten Spielerinnen in Addis und nimmt demnächst an einem internationalen Turnier teil. Sie hofft hier auf einen Kontakt zu einem ausländischen Club, der sie möglicherweise verpflichtet. Wegen der schwachen Leistung in der Schule steht sie nun unter Beobachtung. Momentan besucht sie ein College und studiert „Accounting“. Yared wird ihr Zwischenzeugnis genau analysieren und wir entscheiden dann, wie es weiter geht. Die Familie steht auch deshalb unter Beobachtung, weil sie die Note „Betragen“ im Zeugnis von Eyob plump geändert hat. Das geht so natürlich nicht.

Besuch Dezember 2017:Der Familie geht es allgemein gut. Fasika spielt nun kein Volleyball mehr und konzentriert sich nun voll auf ihr Studium (Accounting). Das hat sich ausgezahlt und sie legt ein ordentliches Ergebnis vor. Bruder Eyob macht mir da mehr Sorgen. Im Fach Englisch liegen seine Leistungen unter 50% und auch sonst sind seine Ergebnisse schlechter als im letzten Jahr. Ich habe ihm mitgeteilt, dass er nun unter Beobachtung steht und wir von ihm einfach bessere Leistungen erwarten.

 

34. Familie Behailu (2; Mutter Fasika und Sohn Eremyas)
Die Mutter Fasika (geb. 1982) arbeitet als Tagelöhner und verdient ungefähr 300 Birr im Monat. Damit kann sie gerade die Miete (250 Birr) bezahlen; für Nahrung bleibt nicht viel. Deswegen kann ihr Sohn Eremyas (geb. 25.09.2006) auch nicht zur Schule gehen. Der Vater lebt nicht mehr. Die Mutter würde gerne als Näherin arbeiten.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Leider lassen momentan die Augen von Fasika keine Näharbeiten zu und sie arbeitet halbtags als Reinigungskraft. Mesfen wird mit ihr demnächst zum Augenarzt gehen. Sohn Eremyas geht seit September 2012 in die Vorschule. Ein erstes Zeugnis wird im Sommer vorliegen. Eremyas hatte bei meinem Besuch eine offene Entzündung am Kopf (s. Fotos und Video auf der Homepage) und einen total entzündeten Schneidezahn. Wegen der Dringlichkeit ist Eremyas noch während meines Aufenthaltes ärztlich und zahnärztlich behandelt worden.

Besuch September/Oktober 2013: Eremyas hat immer noch ein Problem mit einem Zahn und er wird einen Zahnarzt aufsuchen. Seine Leistungen sind gut. Mittlerweile bestickt die Mutter traditionelle Gewänder und verdient monatlich 450 Birr.

Besuch Dezember 2014: Die Zahnprobleme von Eremyas sind gelöst und Mutter und Sohn geht es gut. Eremyas geht nun in die erste Klasse und seine Leistungskurve vom ersten zum zweiten Halbjahr zeigt nach oben. Die Mutter Behailu näht wieder ein wenig, wenn es Arbeit gibt. Diese Arbeit ist extrem anstrengend für die Augen.

Besuch Dezember 2015: Mutter und Sohn geht es gut. Eremyas Zeugnis ist nicht schlecht, könnte aber besser sein. Die Mutter berichtet von „schlechten Freunden“, die ihn etwas vom Weg abgebracht haben. Von diesen habe er sich aber nun getrennt.

Besuch Dezember 2016: Die Familie ist aus Kostengründen in einen neuen Raum an der Peripherie von Addis gezogen. Hier sind die Mieten niedriger, aber auch die Transportwege länger. Eremyas kann dieses Jahr erfreulicherweise mit einem besseren Zeugnis aufwarten. Er benötigt ein Mathe- und ein Biologiebuch für die Schule.

Besuch Dezember 2017:Obwohl wir unseren Besuch wiederholt angekündigt haben, teilte uns die Mutter mit, dass sie keine Zeit hätte. Das können wir natürlich nicht so stehen lassen und Yared/Duke werden ihr klar machen, dass ich während meines Besuches in Addis ein enges Zeitkorsett habe und wir unsere Route planen müssen. Ansonsten läuft mit dieser Familie alles nach Plan.

 

35. Familie Abera (6; Eltern und Töchter Habil, Absalat, Sohn Yonathan sowie zeitweise Pflegetochter Ejigayehu)
Mutter Haimanot (geb. 1982), verkauft Lotterielose, der Vater Solomon (geb. 1972) arbeitet als Tagelöhner. Die Eltern sind Analphabeten; das monatliche Durchschnittseinkommen beträgt 350 Birr. Sie überleben gerade so eben, weil die Miete Ihrer Behausung sehr niedrig ist. Der Schulbesuch hat nicht die höchste Priorität, da jedes Familienmitglied über kleine Hilfsarbeiten Geld zum Überleben beisteuern muss.
Tochter Ejigayehu (geb. 1998), siebte Klasse, Tochter Habil (geb. 2002), vierte Klasse, Sohn Yonathan (geb. 2005), erste Klasse, Tochter Absalat (geb. 2011)

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Alle sind wohlauf, allerdings benötigt Habil eine Brille. Die Leistungen von Habil (Rang 8 von 52) und Ejigayehu (Rang 13 von 44 sind gut, Yonathan fällt allerdings etwas ab. Dies werden wir verfolgen und ich erwarte, dass auch die Leistungen von Yonathan durch das Tutorium besser werden.

Besuch September/Oktober 2013: Hier hat sich etwas in der Familien-zusammensetzung verändert. Ejigayehu ist offenbar die Tochter der Schwester (Birhane) von Mutter Haimanot und hat nur vorübergehend in der Familie gelebt. Ejigayehu is nun mit ihrer Mutter Birhane zurück in den Süden Äthiopiens gezogen (Arussi). Somit leben nun 5 Personen im Haushalt Abera. Habil hat eine Brille bekommen und kann nun besser sehen. Ihre Leistungen sind gut. Yonathan hat sich erfreulicherweise in der Schule verbessert.

Besuch Dezember 2014: Der Familie geht es soweit gut und wir können mit den Leistungen in der Schule zufrieden sein. Habil (7. von 49 SchülerInnen) hat ein sehr schönes Zeugnis vorgelegt und auch das Zeugnis ihres Bruders Yonathan (12. von 40) ist gut. Habil benötigt Fachbücher (Physik), die Yared besorgen wird. Das Wellblechdach der Familie hat Löcher und in der Regenzeit gelangt Wasser in den Raum. Yared wird sich auch hier kümmern.

Besuch Dezember 2015: Mittlerweile ist das Dach der Hütte repariert, allerdings hat auch hier der Vater die Familie verlassen (Flucht vor Verantwortung, Geldnot etc.). Yonathan legt ein etwas besseres Zeugnis vor, obwohl die Lehrer attestieren, dass er noch besser werden kann. Habil konnte leider ihr Leistungsniveau nicht halten. Sie gibt an, dass ab dem 7. Schuljahr der Unterricht auf Englisch gehalten wird, und hier hat sie Probleme. Die Mutter verkauft Zwiebeln und Karotten auf der Straße und trägt somit 200 Birr zum Lebensunterhalt bei.

Besuch Dezember 2016: Eigentlich sollte diese Familie von der weiteren Förderung ausgeschlossen werden. Die Mutter und ihre Schwester verfügen offenbar über eigene Räume, die sie vermietet hatten. Diese Einkünfte haben sie uns verschwiegen, was ein Vertrauensbruch ist. Da sie ihren Fehler eingestanden und sich entschuldigt haben, ihr Verhalten gegen Yared einwandfrei war, und die Zeugnisse der Kinder konstant gut ausfallen, nehmen wir die ausgesetzte Förderung vorübergehend wieder auf. Diese Familie steht aber nun unter besonderer Beobachtung und die eigenen Einkünfte werden im Förderungsbetrag entsprechend berücksichtigt.

Besuch Dezember 2017:Zunächst hieß es, der Fall um die Eigentumsverhältnisse der Wohnung ist immer noch nicht vor Gericht verhandelt. Nachdem Yared aber intensiv nachgehakt hat, musste die Mutter zugeben, dass ihre Schwester die gerichtliche Auseinandersetzung bereits vor fünf Monaten beendet hat und zurück in die Emirate gereist ist. Somit gehören die Räumlichkeiten der Familie Abera. Da die Mutter uns nun zum wiederholten Male nicht korrekt informiert hat, und die Familie (nach Ausstattung der Räume und Kleidung der Kinder) nach unserer Einschätzung nicht mehr förderungsbedürftig ist, schlage ich vor, die Unterstützung mit sofortiger Wirkung auszusetzen.

 

36. Familie Shemeles (4; Mutter und Tochter Alemnesh und Sohn Yonas and Abera)
[Im Video irrtümlich als Familie Agesse bezeichnet] Die noch junge Mutter Habtam (geb. 1984) ist HIV positiv und verdient – soweit es ihre gesundheitliche Verfassung zulässt – ca. 210 Birr monatlich mit Wascharbeiten. Tochter Alemnesh (geb. 2000) geht in die fünfte Klasse und bessert das Einkommen durch den Verkauf von Lotterielosen auf. Dies geht natürlich auf Kosten der Schularbeiten. Sie ist in der vierten Klasse auf Rang 28 von 54 SchülerInnen. Alemnesh ist HIV negativ. Sohn Yonas (geb. 2008) hat einen anderen (HIV positiven) Vater. Auf unseren Wunsch wurde Yonas nun getestet und er ist negativ! Die Mutter ist überglücklich; sie hatte zunächst nicht den Mut für einen Test.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Dieser Besuch entpuppte sich als echte Überraschung, da Mutter Habtam uns ihren zweiten Sohn Abera (geb. 2004, grade 1) vorstellte, der zuvor bei Verwandten auf dem Land gelebt hat. Mesfen muss hier noch einmal nachhaken, zumal die Mutter die Zeugnisse der Kinder nachreichen muss.

Besuch September/Oktober 2013: Die Familie ist – abgesehen von der HIV Infektion der Mutter Habtam – wohlauf. Das Zeugnis von Abera könnte besser sein; insbesondere der Leistungsabfall im zweiten Halbjahr sollte kompensiert werden. Alemnesh zeigt eine recht positive performance im vergleich mit dem Vorjahr, nach Auffassung der Lehrer könnte sie noch besser sein. Die Mutter ist allerdings Analphabetin und kann die Kinder diesbezüglich nicht fördern. Hier bietet sich auch ein Schultutorium an. Yared wird dies einleiten.

Besuch Dezember 2015: Die Familie hat einen neuen, etwas größeren Raum bezogen. Abera hat im letzten Schuljahr gut abgeschnitten (10/31) und sie möchte später einmal Ärztin werden. Sie braucht einige Schulbücher und ein Wörterbuch (Englisch/Amharisch). Alemnesh ist auf Rang 13/38, ein durchaus akzeptables Ergebnis. Sie benötigt Biologie- und Chemiebücher.

Besuch Dezember 2015: Dieses Jahr ist für die Familie dramatische verlaufen. Abera ist innerhalb weniger Tage an einer (der Mutter) unbekannten Krankheit verstorben. Gleichzeitig lag die Mutter mit TBC im Krankenhaus und war nicht ansprechbar. Tochter Alemnesh war mit der Situation völlig überfordert, sodass sie nicht einmal Yared informiert hat. Die Mutter war offenbar insgesamt drei Monate krank, währenddessen sie von Alemnesh gepflegt wurde, die wiederum nicht regelmäßig zur Schule gehen konnte und zwangsläufig das letzte Schulhalbjahr nicht bestanden hat. Dies war leider eine unglückliche Verkettung von widrigen Umständen. Alles hätte besser laufen können, wenn Alemnesh sofort Yared informiert hätte. Seitdem leidet Alemnesh an Kreislaufproblemen und sie sollte bald einen Arzt aufsuchen. Trotz dieser ungünstigen Umstände hat Yonas ein gutes Zeugnis vorgelegt.

Besuch Dezember 2016: Obwohl Yonas unter dem Tod seines Bruders leidet, kann er in der Schule vor allem in Mathematik überzeugen (A+) und legt ein gutes Zeugnis vor (Rang 5/30). Er braucht neue Mathematikbücher und wir sollten ihn weiter motivieren. Auch seine Schwester Alemnesh konnte in der Schule überzeugen (9/46) und sie steht im nationalen Vergleich (National Exam) gut da.

Besuch Dezember 2017:Der Familie geht es soweit gut. Leider konnte Alemnesh ihre gute Leistung vom Vorjahr nicht bestätigen und ihr Zeugnis ist durchschnittlich (61%; 28 von 56) während Yonas ein gutes Zeugnis vorlegt (77%; Rang 7 von 32). Beide Kinder benötigen Schulbücher und Yonas zusätzlich Schuhe.

 

37. Familie Masresha (6; Eltern, Söhne Muluken, Alemayehu, Yabsira und Tochter Seritu)
[Im Video 2011/2012 irrtümlich als Familie Tareke bezeichnet] Mutter Abenet (geb. 1982)
Vater Masresha (geb. 1973), Tagelöhner, monatliches Einkommen ca. 250-300 Birr.
Die Eltern kamen vor 15 Jahren aus Gonder, um in Addis Arbeit zu finden. Zuerst lief es ganz gut. Seit fünf Jahren lebt die Familie aber in einer von Plastikfolien zusammengehaltenen Hütte. Eigentlich kann man nicht mehr von leben oder wohnen sprechen. Hier fehlt es an fast allem: sie haben keine Matratze und keine warmen Decken. Addis Abeba liegt auf über 2000m Höhe und nachts wird es empfindlich kalt.
Tochter Seritu (geb. 1999) lebt wegen häufiger sexueller Übergriffe in diesem Slum in der Hütte ihres Onkels an einem sicheren Ort. Sie geht in die fünfte Klasse. Die Söhne Muluken (geb. 2002) und Alemayehu (geb. 2004) gehen in die dritte und zweite Klasse. Der jüngste Sohn Yabsira wurde 2011 geboren. Die Mutter hat uns gegenüber versichert, dass keine weiteren Kinder geplant sind und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Trotz der mehr als widrigen Umstände sind die Kinder erfolgreich in der Schule und dies ist – ein besseres Umfeld vorausgesetzt – noch ausbaufähig. Seritu ist die sechsbeste von 45 Schülern, Muluken der zweitbeste von 39 und Alemayehu der zwölftbeste von 59!

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Familie Masreshan hat uns in meiner Unterkunft besucht. Mesfen (geschweige denn ich selber) kann auch diese Familie nicht mehr in ihrer Hütte besuchen, da der Vermieter sofort Geld wittert und die Miete anhebt. Das Zeugnis von Seritu (Rang 6 von 64) und Muluken (4 von 50) ist sehr gut, das von Alemayehu (16 von 50) gut. Wir warten das nächste Zeugnis (nach Besuch des Schultutoriums) ab; vielleicht kommt eines der Masresha Kinder auch für die Akaki- oder Esperanza-Schule in Frage. Für alle Kinder muss eine Wolldecke, Kleidung und Schuluniformen gekauft werden.

Besuch September/Oktober 2013: Ich habe dieses Mal die Familie unauffällig besucht. Alle sind wohlauf. Seritu ist in der Schule etwas abgefallen (11 von 53), aber immer noch gut, Muluken ist wieder sehr gut (5 von 40) und Alemayehu ist gleich gut geblieben (18 von 47). Die Kinder werden ein Schultutorium besuchen.

Besuch Dezember 2014: Der Familie Masresha geht es gut. Die Zeugnisse von Sohn Muluken (6/56) und Tochter Seritu (18/68) sind erfreulich ausgefallen, während Sohn Alemayehu durchschnittlich (26/52) abgeschnitten hat. Die Lehrer sind der Ansicht, dass Alemayehu mit mehr Einsatz bessere Leistungen abrufen könnte. Das habe ich auch angemahnt.

Besuch Dezember 2015: Der Familie geht es gut. Da ich Tochter Seritu noch nie persönlich gesprochen hatte und sie auch dieses Mal nicht im Familienkreis anwesend war, habe ich die Mutter gebeten, mit Seritu in meiner Unterkunft vorstellig zu werden. Alle Kinder legen ein durchschnittliches bis gutes Zeugnis vor und sie fragen nach einigen Schulbüchern.

Besuch Dezember 2016: Sohn Muluken zeigt dieses Jahr eine kleine Schwäche, was sich auch begründen lässt. Seit diesem Schuljahr wird der Unterricht auf Englisch abgehalten, was natürlich für die Kinder schwieriger ist als in der Muttersprache. Er benötigt einige Schulbücher und ein Oxford Englisch/Englisch Wörterbuch zum besseren Verständnis der Sprache. Tochter Alemayehu bleibt konstant in der Schule, aber bei ihr ist mehr drin. Auch sie bekommt ein paar Schulbücher und ich hoffe, meine Motivationsversuche werden im kommenden Jahr fruchten. Tochter Seritu legt zu meiner Freude ein sehr gutes Zeugnis vor (5/43).

Besuch Dezember 2017:Bei Muluken und Alemayehu haben meine motivierenden Worte vom letzten Jahr nicht wirklich Verbesserung gebracht und das frustriert mich schon ein wenig. Tochter Seritu und der kleine Yabsira können allerdings positiv überzeugen. Wir schauen und das nächste Zeugnis von Muluken und Alemayehu genau an und man kann in diesem Zusammenhang auch über eine selektive Förderung einzelner Kinder nachdenken.

 

38. Familie Tereza (2; Mutter und Sohn Zerihun)
Mutter Sinke ist 35 Jahre alt (geb. 1976) und HIV positiv. Nach ihrem Bericht hat sie sich bei ihrem Ehemann vor ca. zehn Jahren infiziert. Der Mann ist vor acht Jahren verschwunden. Die Familie lebte im Westen von Addis in Ambo. Vor sieben Jahren ist die Mutter gemeinsam mit ihrem Sohn Zerihun (geb. 1997) nach Addis gekommen, um hier eine Arbeitsstelle zu finden. Sie leben in Akaki, einem Vorort von Addis Abeba. Die Mutter ist, wie die meisten Eltern in unserem Projekt, Analphabet. Sie verdient durch gelegentliches Wäschewaschen in der Nachbarschaft ca. 10 Birr am Tag. Der Junge geht in die neunte Klasse und erscheint sehr aufgeweckt. Er tauscht die Geldmünzen der Minibusfahrer in Geldscheine und bringt monatlich 200 Birr nach Hause. Natürlich kann er so nicht regelmäßig zur Schule gehen. Dennoch ist er von 60 Schülern auf Rang 21. Das ist sicherlich ausbaufähig.
Die Mutter möchte nicht zu Hause sitzen und auf unser Geld warten. Sie möchte einen kleinen Gemüsestand aufbauen oder in einem Beautysaloon (Friseurladen) arbeiten. Dazu benötigt sie eine kleine Ausbildung. Sie wird uns über die Kosten informieren und Mesfen wird dies kritisch prüfen. Wir haben bereits Erfahrung mit diesen Mikroinvestitionen. Zenash Derebe hat auch mit unserer Hilfe erfolgreich einen kleinen Gemüsestand aufgebaut und dies gibt den Frauen Selbstwertgefühl und ein kleines Einkommen.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Mutter uns Sohn sind wohlauf. Das Zeugnis von Sohn Zerihun wird nachgereicht. Zerihun benötigt Schulbücher, Sportzeug, Schuhe und einen Satz Kleidung.

Besuch September/Oktober 2013: Yared hat mit der Mutter gesprochen. Der Familie geht es gut und das Zeugnis von Zerihun ist positiv ausgefallen (17 von 46). Zerihun hat ein Englisch/Englisch Wörterbuch bekommen sowie Schule und ein Dress für den Sportunterricht.

Besuch Dezember 2014: Die HIV positive Mutter ist sehr anfällig für Krankheiten (z.Z. Gastritis, Magengeschwüre), aber der behandelnde Arzt kann nicht viel für sie tun. Das ist sehr traurig. Zerihun konnte sich erfolgreich am SOS-College für Fahrzeugtechnik einschreiben. Er ist ein stiller junger Mann, der sehr unter dem Schicksal seiner Mutter leidet. Seine Mutter wünscht sich nichts mehr, als dass Zerihun durch seine Ausbildung der unerträglichen Armut entkommt. Er gibt sein Bestes und wir unterstützen ihn dabei.

Besuch Dezember 2015: Mutter und Sohn sind wohlauf, d.h. die Mutter hat sich von ihren Krankheiten erholt und ist momentan gesundheitlich stabil. Zerihun kann das Laptop sehr gut für sein Studium gebrauchen, was sich auch in seinen guten Leistungen widerspiegelt. Zerihun fragt nach einem Paar Schuhe, das er sich aufgrund seiner guten Leistungen mehr als verdient hat.

Besuch Dezember 2016: Zerihun legt auch dieses Mal ein gutes Zeugnis vor- kompetent in allen Fächern. Er benötigt noch etwas Fachliteratur und wird in 8 Monaten sein Studium (Fahrzeugtechnik) abschließen. Ich hoffe, dass er dann von der Firma Moenco (Motor & Engineering Company;) eingestellt wird, zu der wir einen persönlichen Kontakt haben (Chris de Muynck).

Besuch Dezember 2017:Zerihun hat sein Studium abgeschlossen, kann aber kein Abschlusszeugnis vorlegen, das das zuständige Ministerium dem College vorübergehend die Akkreditierung entzogen hat. Das kommt laut Auskunft von Duke durchaus vor. Normalerweise erlangt das College durch entsprechende Veränderungsmaßnahmen die Akkreditierung nach ein paar Monaten zurück und kann wieder Abschlussurkunden ausstellen. Wir haben vorübergehend die Förderung eingestellt, da Zerihun uns nicht über diesen Hintergrund informiert hat, und denken nun über eine Übergangsfinanzierung von drei Monaten nach, bis sich Zerihun – nach Ausstellung des Diploms – um eine Stellung bewerben kann.

 

39. Helen Demilew
Helen (geb. 07.08.1983) lebt in Bahar Dar bei ihren Eltern.

Besuch Dezember 2012/Januar 2013: Helen hat im Dezember 2012 eine zweijährige praktische Ausbildung zum Reparieren von Mobiltelefonen am Technical Training Institute in Bahar Dar beendet. Der Arbeitsmarkt erwartet aber auch theoretische Kenntnisse, so dass sie seit Januar 2013 am Senait Computer Training Institut (Bahar Dar) ihre Ausbildung vervollständigt.

Besuch September/Oktober 2013: Helen hat ein schwieriges Jahr hinter sich (Malaria, Unfall) und sie musste ihre Ausbildung unterbrechen. Jetzt ist alles OK und sie hat den Unterricht wieder aufgenommen.

Besuch Dezember 2014: Helen geht es wieder gut und sie ist in allen Fächern „kompetent“. Somit geht sie erfolgreich in das nächste Studienjahr.

Besuch Dezember 2015: Ich konnte nicht nach Bahar Dar reisen, wo Helen studiert. Duke hat mir aber berichtet, dass seine Schwester weiter erfolgreich studiert und dies wird durch ihr Zeugnis bestätigt. Helen, die momentan schwerpunktmäßig „data base administration“ studiert, freut sich sehr über ein neues Laptop, dass ich mitgebracht habe.

Besuch Dezember 2016: Helen geht es gut und ihr Zeugnis ist ebenso. Helen hat den Diplomabschluss erreicht und arbeitet nun auf den Bachelorabschluss Ende 2018 hin. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ein Diplom in Äthiopien ein nicht genau zertifizierter Abschluss geringeren Niveaus ist (und auf keinen Fall mit einem Diplom in Deutschland zu vergleichen ist), während ein Bachelorabschluss zertifiziert ist und ggf. mit einem Bachelorabschluss in Deutschland zu vergleichen ist.

Besuch Dezember 2017:Wir haben telefoniert, da Helen in Bahar Dar studiert. Ihr geht es gut und ihr Studium verläuft erfreulicherweise weiterhin sehr erfolgreich (3.13 von 4 möglichen Punkten). So kann es weitergehen!

 

47. Familie Mergia Dereje (4; Mutter Mekdes, Töchter Saron, Abigal und Santa)
Seitdem der Vater eine andere (jüngere) Frau kennengelernt hat, lebt die Mutter mit ihren drei Kindern alleine. Früher hat Mekdes als Kellnerin in einem Restaurant gearbeitet, aber sie kann nun nicht mehr den ganzen Tag arbeiten, da sie den Haushalt führen muss und sich um die Kinder kümmert. Sie arbeitet stundenweise als Wäscherin oder Putzfrau und verdient 300 Birr monatlich, was natürlich vorne und hinten nicht ausreicht. Die Kinder, deren Leistung bereits gut bis sehr gut ist (s.u.), brauchten dringend eine Wolldecke, Kleidung und Schulbücher. Saron (geb. 16.08.1998), grade 7, Rang 5 von 38 SchülerInnen, Abigal (geb. 1999), grade 5, Rang 9 von 27 SchülerInnen, Santa (geb. 2003), grade 2, Rang 3 von 26 SchülerInnen

Besuch September/Oktober 2013: Die Mutter arbeitet als Putzfrau (Lohn 500 Birr monatlich) und trägt somit zum Lebensunterhalt der Familie bei. Alle Kinder haben sehr gute Zeugnisse: Abigal (12 von 58), Saron (1 von ?), Santa (4 von 49).

Saron konnte sich gut mir mit auf Englisch unterhalten. Ich bin der Meinung, dass wir diese Kinder unbedingt fördern sollten und wir haben sie zügig auf einer nahe gelegenen Privatschule angemeldet (Elbetel Schule). Diese Schule kostet pro Kind nun 6000 Birr pro Jahr. Ich schaue mir die nächsten Zeugnisse genau an und wir werden sehen, ob meine Einschätzung richtig war. Besuch Dezember 2014: Die begabten Kinder sind nun ein Jahr auf der Privatschule und mussten wegen der höheren Leistungsanforderungen zunächst einmal Anschluss bekommen. Bei Saron ist dies voll und ganz gelungen. Sie ist die drittbeste Schülerin in der Klasse. Schwester Abigal konnte ihren Rang halten während die jüngste Schwester Santa etwas abgefallen ist. Hier mache ich mir keine Sorgen, denn die Kinder mussten sich erst einmal auf der neuen und leistungsstärkeren Schule einfinden. Saron wird sich auch um ihre jüngeren Schwestern kümmern. Ich habe den Kindern empfohlen, BBC zu hören und auch englische Bücher zu lesen. Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass alle drei Kinder Probleme mit dem Fach „Computer“ haben. Dies liegt wohl daran, dass sie nicht – wie ihre Mitschülerinnen – zu Hause am Computer üben können. Wir sollten in Erwägung ziehen, diese Familie mit einem Computer auszustatten. Das macht Sinn.

Besuch Dezember 2015: Die Familie ist wohlauf und in eine kleinere Wohnung gezogen. Die Kinder haben sich gut auf der Privatschule eingelebt. Santa und Abigal legen gute Zeugnisse vor, Saron ein sehr gutes. Alle Kinder benötigen neue Schulbücher (Mathematik, Physik, Chemie), die wir gerne zur Verfügung stellen. Da die Kinder nun auch in der Schule am Computer unterrichtet werden, sollte diese Familie alsbald ein Laptop bekommen. Die Mutter arbeitet on der Gastronomie und als Putzkraft, um zumindest ein wenig zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

Besuch Dezember 2016: Den drei Töchtern habe ich aufgrund der konstant guten Leistungen dieses Jahr ein Laptop mitgebracht, dass freudig entgegengenommen wurde. Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Saron, die schon sehr gut Englisch spricht. In ihrer Klasse nimmt sie Rang 3 von 42 ein und das National Exam (alle Jahrgänge in Äthiopien schreiben dieselben Klausuren) hat sie mit Auszeichnung bestanden. Auch die beiden Schwestern zeigen überdurchschnittliche Leistungen. Abigal hat ein Problem mit den Augen und wird einen Augenarzt konsultieren. Für ihre besonderen Leistungen wünschen sich die Kinder Zeichenpapier und Stifte. Insgesamt betrachtet repräsentiert diese Familie unsere Vorstellung einer guten Zusammenarbeit.

Besuch Dezember 2017:Diese Familie macht Freude. Der Laptop ist sehr hilfreich für die Schule, was sich auch (wieder) in guten bis sehr guten Zeugnissen auf einer leistungsstarken Privatschule zeigt. Abigail (73%; Rang 19 von 45), Santa (82%; 27 von 40), Saron (91%; 3 von 39). Bei allen Schwestern fällt eine leichte Schwäche im Fach Englisch auf. Ich habe alle drei motiviert, im Radio oder Fernsehen BBC zu hören/sehen und auch den lokalen englischen Sender zu hören. Ferner sollten die Mädchen unbedingt englische Texte (Time Magazine) oder Romane lesen. Wir prüfen, ob wir solche Bücher in Addis kaufen können oder besser aus Deutschland mitbringen. Alle drei Kinder benötigen Schulbücher.

 

52. Helen Asrat (1994)
Sie ist eine Freundin von Yared und sie lebt in Bahar Dar (Heimatstadt von Yared und Duke) zusammen mit ihrer Großmutter. Ihre Mutter hat sich nach der Trennung von ihrem Vater neu verheiratet und beide Elternteile haben keinen näheren Kontakt mehr zu Helen. Sie studiert „Accounting“ am Blue Nile College im ersten Studienjahr. Yared schildert sie als absolut vertrauenswürdig und ihr Zeugnis des ersten Studienjahres ist auch sehr gut (936 von 1000 Punkten). Ich schlage vor, wir fördern sie zunächst für ein Studienjahr uns schauen dann weiter.

Besuch Dezember 2017:Ich habe mit Helen telefoniert, das sie in Bahar Dar studiert, ca. 700km nordwestlich von Addis. Ihr Semesterzeugnis ist wieder ausgezeichnet ausgefallen (3.88 von 4 möglichen Punkten). Helen sollte alsbald ein Laptop bekommen, dass sie sehr gut für ihr Studium verwenden kann. Sie benötigt ferner ein paar Studienfachbücher. Sie sollte auch einen Zahnarzt aufsuchen, da sie sich bei einem Sturz während der Hausarbeit zwei Vorderzähne ausgeschlagen hat.

 

53. Likimset Bekele (1996)
Ich kenne Likimset von meinem Besuch der Universität von Debre Birhan im März 2016. Mein derzeitiger Doktorand stammt auch von dieser Universität. Von der offiziellen Beauftragten für Soziales wurde mir diese Studentin als besonders förderungswürdig vorgestellt. Sie stammt aus Wolkite, sie ist die jüngste von 5 Geschwistern (4 Schwestern und 1 Bruder). Der Vater ist verstorben und die Mutter lebt auf dem Land und versorgt sich selber mit dem Nötigsten. Alle Geschwister sind verheiratet. Sie ist derzeit im zweiten Studienjahr Biologie und legt mit 3.43 von 4 Punkten ein sehr gutes Zeugnis vor. Likimset ist sehr zurückhaltend und bescheiden und wir unterstützen sie seit April 2016 mit 600 Birr monatlich. Sie wird voraussichtlich Ende 2017 ihr Bachelorstudium abschließen.

Besuch Dezember 2017:Likimset haben wir als erste von nunmehr 11 Studentinnen von der Universität Debre Birhan (DB) gefördert. Likimset hat nun auch ein Laptop bekommen und dass hat sie sich bei ihrer hervorragenden Leistung auch verdient (3.46 on 4 Punkten). Weitere Details zu DB Studentinnen siehe S. 6 ff.

 

54. Aster Ambaw
Aster Ambaw ist eine kürzlich examinierte Krankenschwester und neben ihrer Arbeit möchte sie sich weiterqualifizieren. Dafür benötigt sie ein Bachelorstudium am Addis Abeba Medical College. Folgende Förderung erscheint mir sinnvoll: für ihre Tätigkeit als Krankenschwester bekommt sie ein Gehalt von 1000 Birr, die monatlichen Studiengebühren betragen 500 Birr. Von den verbleibenden 500 Birr (ca. 20 €) ihres Gehaltes kommt man nicht weit und ich schlage vor, die monatlichen Studiengebühren von 500 Birr zu übernehmen. Aster wohnt bei ihren Eltern und hat 6 Geschwister (2 Brüder, 4 Schwestern).

Besuch Dezember 2017:Neben ihrer vollen Stelle als Krankenschwester studiert Aster am Wochenende am Addis Abeba Medical College. Dies erfordert Disziplin und Durchhaltevermögen. Wegen kürzerer Transportwege bewohnt Aster nun ein kleines Zimmer und sie wird sich für einen Englischkurs einschreiben. Trotz der Berufsbelastung erzielte Aster 3 von 4 Punkten. Aster wird auch zur Weiterqualifizierung einen Englischkurs besuchen

 

56. Surafel Mebratu Equbezgie (7.06.1985)
Im Sommer 2015 ist dieser äthiopischer Student an mich herangetreten mit der Bitte um Förderung. Surafel hat in Äthiopien sein Bachelorstudium in Philosophie mit Auszeichnung abgeschlossen und strebt nun in Deutschland einen Masterabschluss an. Dieser Abschluss wird ihm nach seiner Rückkehr nach Äthiopien einen Weg in die Universitätslaufbahn ermöglichen. Surafel, der fließend deutsch spricht, befindet sich bereits in Deutschland und ist bereits an der Universität Bielefeld für den Masterstudiengang Philosophie eingeschrieben. Zwei Deutsche (Manfred Brand und Wolfgang Schneider) von denen einer (M. Brand) beruflich für die Diakonie in Äthiopien tätig war (Surafel hat als Dolmetscher für ihn gearbeitet), haben eine Verpflichtungserklärung unterschrieben, mit der sie letztendlich die Verantwortung für Surafel übernommen haben (so wie ich seinerzeit für Duke). Sie vertrauen allerdings darauf, dass Surafel ein Stipendium erhält und damit finanziell unabhängig ist. Surafel wohnt momentan bei Wolfgang Schneider.
Surafel ist seit einigen Wochen in Deutschland und hat bereits den Sprachnachweis der höchsten Schwierigkeitskategorie ebenfalls mit Auszeichnung (TDN5) absolviert (Anhang) und arbeitete bislang (Nachtschicht) in einem Autozulieferbetrieb. Es ist nachvollziehbar, dass man nicht gleichzeitig in Nachtschichten seinen Lebens-unterhalt verdienen und gleichzeitig ein Masterstudium angehen kann. Es ist auch vorgesehen, dass er weiter stundenweise arbeitet, aber so, dass es mit seinem Studium kompatibel ist.
Surafel hat mich angesprochen und um Hilfe gebeten. Ich habe ihm telefonisch mitgeteilt, dass wir als kleiner Verein eine solche Aufgabe nicht alleine stemmen können und habe ihn ermuntert, sich um ein Stipendium zu bewerben. Wir haben ihn nun übergangsweise für insgesamt 8 Monate mit 400 € monatlich unterstützt bis zur Erteilung eines leistungsbezogenen Stipendiums der Friedrich-Ebert-Stiftung ab August 2016. Da dieses Stipendium keine großen Sprünge erlaubt, unterstützen wir Surafel auch weiter bei besonderen Beschaffungen, wie z.B. teuren Büchern oder ein Laptop. Bislang zeigt Surafel trotz des schwierigen Umfelds (er ist der einzige Afrikaner, der an der Uni Bielefeld Philosophie studiert) eine sehr gute Leistung.

Stand Dezember 2017: Mittlerweile ist sehr viel passiert. Surafel hat sein Masterstudium in Philosophie an der Universität Bielefeld auch mit unserer Unterstützung erfolgreich abgeschlossen. Leider sind die Aussichten für einen Philosophen in Äthiopien nicht gerade rosig und Surafel möchte gerne noch ein praktisches Studium an der Hochschule Osnabrück (Produktionsgartenbau) absolvieren. Aus meiner Sicht ist dies ein zukunftsträchtiges Studium, da gerade in Äthiopien der Anbau von Gemüse und Getreide immer wichtiger wird, um das Land zu ernähren. Ich habe mit dem Internationalen Büro der Hochschule Kontakt aufgenommen und wir könnten – ähnlich wie seinerzeit bei Duke – ein DAAD Sandwichverfahren beantragen. Das bedeutet, dass unser Verein 250€ im Monat übernimmt und der DAAD stockt um weitere 250€ auf. Den Rest müsste sich Surafel dazu verdienen. Sollte dieser Vorschlag auf unserem nächsten Jahrestreffen Zustimmung finden, sollten wir Surafel die Förderung gewähren unter der Voraussetzung, er geht nach dem Studium nach Äthiopien zurück. Momentan arbeitet Surafel in einem Vermessungsbüro und bekommt zunächst bis zum 31.03.2018 ein Visum. Das Studium beginnt im September 2018 und zuvor müsste er ein vierwöchiges Praktikum in einem Gartenbaubetrieb oder verwandten Tätigkeitsfeldern absolvieren.

 

Ich möchte schließen mit einem herzlichen Dankeschön an Duke und Yared in Addis und allen Aktiven in unserem Projekt. Allen Sponsoren sei herzlich gedankt für ihr Vertrauen.

Bleiben Sie / bleibt unserem Projekt auch weiterhin gewogen.
Mit den besten Wünschen für 2018.

Euer / Ihr

Klaus Mummenhoff (für den Vorstand)

 

PS: Die Spendenbescheinigungen für 2017 werden Ende Januar /Anfang Februar 2018 per e-mail zugestellt.


Aktuelle Photos und Videos mit Bildunterschriften (Vor- und Nachnamen) finden Sie unter „Wem wir helfen„.