Ich habe das Projekt „Imker für Imker“ bereits auf unserer Jahresversammlung am 24.04.2017 vorgestellt, das Dr. Jürgen Greiling (assoziiert mit der TU Stuttgart-Hohenheim und der deutschen Botschaftsschule in Addis) leitet. Bislang entstanden 30 Patenschaften für Frauen im Studium bzw. mit Universitätsabschluss. Ziel ist neben der Vermittlung von fachlichem Wissen im Bereich der Imkerei auch wirtschaftliches Know-How aufzubauen. Die jungen Frauen stellen u.a. einen Business Plan zur Erlangung eines (Neben)Erwerbs auf. Unser Verein hat das Projekt im Jahr 2017 mit zwei Patenschaften (Sisay und Elisabeth; je 200€ jährlich) gefördert.


Besuch Dezember 2017: Herr Dr. Greiling hat mich nun zu den Bienenstöcken von Elsa und Sisay am Stadtrand von Addis geführt. Das Gelände (ca. 3000 m2) ist umzäunt, liegt in einem Akazien- / Eukalyptuswald nahe der französischen Botschaft und beherbergt 30 Bienenstöcke. Elsa und Sisay, die beide Natural Resource Management studiert haben und die Imkerei nun zu einem festen Einkommen ummünzen möchten, haben mir ihre Pläne vorgelegt. Auf diesem Gelände soll nun ein Raum zur Reinigung und Veredlung von Honig entstehen. Hierzu soll nicht nur der eigene Rohhonig verwendet werden, sondern es soll auch von Farmern zugekauft werden, so dass über das ganze Jahr Honig und Honigprodukte (Kerzen) angeboten werden können. Weiterhin planen die beiden den Verkauf wichtiger Infrastrukturartikel für die Imkerei auf dem Lande (Schutzkleidung, Mittelwände aus Wachs mit vorgefertigten Wabenmustern). Elsa und Sisay sollten nach Auskunft von Herrn Greiling weitere Trainings- und Ausbildungskurse absolvieren und er bittet für die vielfältigen Aufgaben und Planungen um Verdopplung unserer Beitrags (insgesamt 800 €) für 2018. Ich halte dieses Projekt für nachhaltig und förderungswürdig.


Besuch Dezember 2018: Wegen Zeitknappheit konnten wir Dr. Greiling nicht besuchen, um uns nach unseren Schützlingen Sisay und Elsa zu erkundigen. Herr Greiling hat aber auf meine Anfrage am 31.12.2018 geantwortet. Elsa und Sisay haben sich gut entwickelt.

Elsa war vom Verein „Imker für Imker“ – zu einem mehrmonatigen Training in Deutschland eingeladen worden. Reise- und Nebenkosten werden von diesem Verein (Imker für Imker) übernommen und Elsa wird bei Mitgliedern des Imker-Verbandes übernachten und arbeiten. Ab Februar 2019 soll die Gruppe um Sisay und Elsa, neben den anderen Imkerinnen-Gruppen in Addis, von einem tüchtigen äthiopischen Imker aus Berlin im Rahmen des CIM-Diaspora-Programms betreut werden. Beide Tafesse ist aktives Mitglied bei Imker für Imker, einem der größten Imkervereine Deutschlands. Elsa und Sisay haben die Imkerei in Addis zwar weiterentwickelt, Herr Greiling ist sich aber nicht sicher, wie gut der Standort der Bienenvölker wirklich ist. Die Völker entwickeln sich offenbar sehr langsam, aber das „Betriebsgelände“ sieht gepflegt aus, es wird Gemüse angebaut und die ca. 30 angepflanzten Apfelbäumchen wachsen gut.

Unsere Schützlinge Elsa und Sisay setzen aber ihr Business-Konzept konsequent um: sie kaufen preiswerten Rohhonig im Westen des Landes auf, veredeln ihn und betreiben so Wertschöpfung. So produzieren sie Tafelhonig, haben ein ansprechendes Etikett entwickelt und verkaufen den Honig gut. Bei der Aufbereitung fällt Wachs an, das wird gereinigt, zu Mittelwänden (für Waben) gepresst und verkauft und jetzt gehen die beiden in die Kerzenproduktion. Frau Greiling hat ihnen eine Form zur Verfügung gestellt, und Sisay hat mit einer Besucherin aus Deutschland (Alumni-Gruppe der Andreas Hermes Akademie) „konspiriert“ und weitere Formen und Farben erbeten, die von Herrn Greiling 16.01.2019 mit nach Addis genommen werden.

Wir haben mit unserer Förderung zum Erfolg der kleinen Imker-Gruppe um Sisay und Elsa beigetragen und wir sollten dieses nachhaltige Projekt auch 2019 fördern.

Dez. 2017 - Zwei geförderte Imkerinnen vor den Bienenstöcken am Stadtrand von Addis Dez. 2017 - Dr. Greiling und Dr. Talila Eab (Projektleiter Addis) im Vorratsraum der Bienenanlage am Stadtrand von Addis